Auf dem Hacker-Kongress 36C3 gab es viele interessante Vorträge. Einer hat sich mit den Verspätungen der Bahn beschäftigt: Indem die Halteuzeiten aller Züge und an allen Bahnhöfen analaysiert wurden – öffentlich zugängliche Daten! -, konnte ein äußerst präzises Bild über die Pünktlichkeit der Bahn entstehen.

Auf dem traditionellen Chaos Communication Congress, der dieses Jahr zum 36. Mal stattfindet (diesmal in Leipzig), hat David Kriesel interessante Daten über die tatsächliche Pünktlichkeit der Bahn präsentiert. Der Datenexperte hat unfassbar große Datenmengen analysiert. Mit interessanten Ergebnissen: Der Bahnhof in Köln war mit 380.000 Stopps in 2019 der meist frequentierte Bahnhof Deutschlands. Mit einer Pünktlichkeitsrate von mageren 60 Prozent. Bedeutet: 40 Prozent der Züge nach oder von Köln waren im Jahr 2019 unpünktlich. Weit entfernt von den geschönten Werten, die die Bahn gerne veröffentlicht – sie geht ohnehin erst nach sechs Minuten von einer Verspätung aus.

Lob für die Bahn: Transparenz schaffen

Es geht mir hier nicht um Bahn-Bashing. Auch nicht um Zahlenakrobatik: Wer sich schlau machen möchte über die vielen interessanten Ergebnisse, die David Kiesel ermittelt hat, recherchiere im Netz unter #bahnmining – und wird schnell fündig. Mir ist ein anderer Punkt wichtig. Nämlich, wie wichtig und nützlich es sein kann, möglichst viele Daten, die für die Öffentlichkeit interessant sein können, der Öffentlichkeit auch zur Verfügung zu stellen.

Die Bahn hat hier Lob verdient – für ihre Transparenz. Denn Kriesel durfte die Daten aller(!) Züge und Stopps in Deutschland im Jahr 2019 laden und auswerten. Sie wurden ohne Wenn und Aber zur Verfügung gestellt. Und es waren viele Daten: 40 GByte XML-Daten am Tag, 15 Terabyte für das komplette Jahr. Das ist schon organisatorisch eine Herausforderung. Aber wie man sieht: Es geht. Die Ergebnisse, die Kiesel präsentiert, sind nun faktenbasiert. Fakten! Gestützt auf reale Daten.

Weg von Gefühlslagen: Mehr Fakten, bitte!

Fakten statt Gefühlslage: “Die Bahn ist immer unpünktlich. Ich weiß es! Ich fahre Bahn!”. Derlei “Argumente” finden wir in den Sozialen Netzwerken zuhauf. Gequirlte Gefühlsgemengelagen, angereichert mit möglichst vielen Adjektiven auf Emotionsbeet und mit Empörung-Häubchen oben drauf. Das ist Alltag in den Sozialen Netzwerken. Fakten stören nur. Doch genau die würden uns weiterbringen. Nur die.

Deswegen ist das #bahnmining-Projekt so eindrucksvoll. Es dient ideal als Blaupause für zukünftige Diskussionen. An die Stelle von Empörung und Mutmaßung treten Sachlichkeit und Fakten. Wunderbar! Die Politik sollte aus diesem Beispiel lernen. Und alle Behörden und Ministerien fit machen. Es wäre wünschenswert, wenn Behörden relevante Daten sammeln und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Die Rohdaten, wohlgemerkt! Je mehr, desto besser. Das bringt uns in der Diskussion und am Ende bei den Entscheidungen weiter.