Virenschutz ist wichtig – und ein kostenloser Virenschutz vielen natürlich sehr willkommen. Deshalb ist Avast Antivirus so beliebt. Doch jetzt wurde bekannt: Die Software sammelt Nutzerdaten – und diese wurden über ein Tochterunternehmen an Verwerter verkauft.

Die meisten Experten – auch wir hier bei Digitalistan – empfehlen gebetsmühlenartig: Windows-Benutzer sollten einen Virenschutz installieren. Zu groß die Gefahr, in die Fänge von Viren, Würmern und Datenräubern zu geraten. Ein guter Virenschutz kann helfen, unerwünschte Schnüffeleien abzuwenden.

Die Firma AVG bietet mit Avast Antivirus einen eigentlich schönen Virenschutz an. Für Privatleute ist er sogar kostenlos. Rund 435 Millionen Menschen weltweit nutzen Avast Antivirus. Wie schön – und freundlich vom Unternehmen.

Vertrauensbruch: Erst ausspioniert, dann Daten verkauft

Doch jetzt scheint klar: Die Nutzer zahlen doch einen Preis dafür. Die Software sammelt Informationen über das Surfverhalten: Welche Webseiten werden angesteuert, welche Suchbegriffe eingegeben, auch GPS-Daten von Google Maps, angeschaute YouTube-Videos oder aufgerufene Linkedin-Profile merkt sich die Software. All die Daten sammelt der Hersteller – und verkauft sie in Bausch und Bogen an Verwerter wie Google, Microsoft, Pepsi, Condé Nast, Yelp, McKinsey und einige andere.

Anonymisiert zwar – aber da Avast von jedem Nutzer eine Nutzer-ID hat, lassen sich die im Zweifel auch wieder eindeutig Personen zuordnen. Es steht zu befürchten, dass Werbenetzwerken wie von Google oder Microsoft das auch auf eigene Art und Weise gelingt. Die Anonymisierung wäre also schnell dahin.

Der eigentliche Skandal ist: Die Nutzer wurden weder darüber informiert, noch gefragt. In den Nutzungsbedingungen gibt es nebulöse Formulierungen, die darauf hindeuten, dass der „Clickstream“ ausgewertet wird. Aber wer kommt schon darauf, dass damit das Surfverhalten gemeint ist? Von einer Software, die Schutz vor Angriffen jeder Art verspricht, erwartet doch niemand, dass sie selbst ein Trojaner ist – und die Kundschaft ausspioniert.

Selbst wenn die Software kostenlos ist – das ist ein hemmungsloser Missbrauch des Vertrauens.

Jetzt wieder die Schuld und Verantwortung auf die „dummen Nutzer“ zu schieben, lasse ich nicht zu. Die Hersteller haben Verantwortung. Und die Politik, ein derart ungeniertes Verhalten nicht durchgehen zu lassen.

Ampellösung bringt mehr Transparenz für alle

Niemand kann erwarten, dass arglose Nutzer Dutzende Seiten AGBs durchlesen – und verstehen. Niemand kann das. Deshalb brauchen wir eine andere Art, die Nutzer zuverlässig zu informieren.

Mein Vorschlag: Eine Datenschutz-Ampel.

Grün: Wir erheben und speichern Daten, die zum Betrieb des Dienstes erforderlich sind. Sie werden nicht geteilt oder verkauft.

Gelb: Wir erheben und speichern Daten, die zum Betrieb erforderlich sind – und teilen sie unentgeltlich mit dritten Diensten.

Rot: Wir erheben und speichern Daten – und verkaufen diese an dritte Unternehmen.

Dann wüssten wir endlich, woran wir sind. Meine Befürchtung: Die meisten Apps und Onlinedienste wären mit einer roten Ampel versehen.

 

Update: Wie mir das Avast um 17:40 Uhr mitteilt, hat das Unternehmen entschieden, Jumpshot zu schließen – also das Tochterunternehmen, das die Daten verkauft hat. Eine Weitergabe der Daten soll künftig nicht mehr erfolgen.