Schnell mal eine VIdeokonferenz einrichten oder mit Kollegen plaudern? Viele greifen da reflexartig zu Skype. Dabei gibt es viele interessante Alternativen. Vor allem Zoon erfreut sich gerade riesiger Beliebtheit. Doch wie sich zeigt, hat die populäre Video-App erhebliche Sicherheitslücken. Mehrere!

Videokonferenzen? Hat es schon immer gegeben – aber so viele wie gerade waren es wohl noch nie. Nun nutzen auch die vielen Menschen im Corona-Home-Office häufiger als sonst Video-Chat-Systeme, etwa in Microsoft Teams, Skype, GotoMeeting oder Zoom. Sie kommen via Internet mit Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch.

Aber es sprechen auch Ärzte mit ihren Patienten übers Netz. Oder Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Lernenden. Yoga in der Zoom-Konferenz: Früher undenkbar, heute fast Standard.

Rasantes Wachstum bei Zoom

Ein großer Profiteur dieses Booms ist der Anbieter Zoom aus Kalifornien. Die Zahl der monatlichen Nutzer bei diesem praktischen Video-Chat-Dienst ist in den letzten Tagen um rasante 190 Prozent gestiegen. Ein regelrechter Boom! Es scheint, als nutze alle Welt gerade Zoom.

Weil es so einfach ist: App installieren oder im Browser starten – fertig. Nur einer muss die App benutzen, alle anderen können einfach im Browser mitmachen. Einfach. Bequem. Kostenlos. Nur wer mehr als 40 Minuten oder in größeren Gruppen plaudern will, muss für den Dienst überhaupt zahlen.

Doch nun häufen sich Berichte über erhebliche Sicherheitslecks. So haben sich Nutzer beim FBI gemeldet, weil in Zoom-Schalten von Lehrern und Schülern plötzlich pornografische Inhalte zu sehen waren. Oder Hassbotschaften mit Hakenkreuz. Offensichtlich ist es Fremden gelungen, sich in bestehende Konferenzen einzuklinken und mitzumachen.

Konferenzsystem nicht gut abgesichert

Denn das Startup hat sein Konferenzsystem nicht genügend abgesichert. Es ist unverantwortlich, dass sich Fremde einfach so Zugang verschaffen können… Das ist zwar der Einfachheit des Systems geschuldet, müsste aber deutlich besser abgesichert sein.

Immerhin: Nutzer können sich schützen, indem der “Gastgeber” (Host) eines Video-Chats jeden Gast manuell in den Chat holt. Dann kann zumindest ein solches “Zoom Bombing” nicht passieren.

Ausspioniert über die Handy-Kamera

Aber das ist längst nicht alles. Es gibt erhebliche Bedenken, was die Datensicherheit anbelangt. Auf iOS-Geräten hat die App Daten an Facebook geschickt, etwa über Modell, freien Speicher und Display-Größe – selbst bei Usern, die gar nicht Mitglied sind bei Facebook.

Außerdem war es auf Apple-Geräten aufgrund schlampiger Programmierung möglich, die Kamera im Handy zu aktivieren und die User ausspionieren. Selbst wenn die App nicht aktiv ist, ja sogar selbst nachdem sie deinstalliert wurde.

Am Ende nur Lippenbekenntnisse

In den USA kümmern sich Staatsanwaltschaft und FBI um die krassesten Fälle. Natürlich beeilt sich das Unternehmen zu unterstreichen, wie wichtig ihm Datenschutz und Privatsphäre seien. Es würden keine Nutzerdaten verkauft etc.

Aber am Ende sind das nur Lippenbekenntnisse. Wäre es wirklich so, wäre es nicht so solch eklatanten Sicherheitsverstößen gekommen. Auch andere Chat-Systeme wie Skype fallen immer wieder durch Sicherheitsprobleme auf.

Es braucht dringend eine Art TÜV für Apps

Das zeigt: Auch wenn man den Eindruck hat, bei einem Video-Chat “unter sich” zu sein – es entspricht keineswegs immer den Tatsachen. Video-Chats sind alles andere als eine sichere Sache!

Es braucht meiner Ansicht nach dringend eine Art TÜV für derlei sensible Apps: Denn wer möchte vertrauliche Gespräche führen mit dem Risiko, abgehört oder ausgeschnüffelt zu werden? Niemand!