Verschwörungstheorien haben mal wieder Hochkonjunktur – ganz besonders aktuell in Corona-Zeiten. Kein Narrativ ist abgedreht und verworren genug, um nicht auf unzählige offene Ohren zu stoßen. Bestes Beispiel: Bill Gates will allen Menschen bei der Zwangsimpfung einen Chip einpflanzen – und fernsteuern.

Im Netz kann man derzeit so manches über Bill Gates und seine Frau Melinda lesen und hören. Bill Gates himself habe den Corona-Virus freigesetzt, um so Macht über die ganze Welt zu bekommen. Gates und seine Stiftung “kaperten” derzeit die aufgrund von Corona in Schockstarre befindlichen Regierungen in aller Welt.

Sein angebliches Ziel: Ausnahmslos jeden Erdenbürger zwangsweise zu impfen – und dabei auch gleich jedem einen Mikrochip einzupflanzen. Um uns alle zu überwachen, zu knechten, zu steuern – und zur Not zu töten.

Darth Vader ist ein Waisenknabe im Vergleich zu Bill Gates.

Bill Gates taugt gut als Hauptfigur für eine Horrorgeschichte

Mit gesundem Menschenverstand lassen sich solche geistigen Irrheiten (so etwas als “Mythos” zu bezeichnen, ist eine unhaltbare Verharmlosung) nun wirklich nicht erklären. Natürlich: An so einem wie Bill Gates scheiden sich die Geister. Er ist mächtig. Reich. Amerikaner. Das reicht schon, um als Gallionsfigur für Verschwörungstheorien herzuhalten.

Die einen verehren Bill Gates, weil es ihm mit Microsoft gelungen ist, quasi als Elite-Nerd ein gigantisches Unternehmen aufzubauen und damit zum – zeitweise –  reichsten Mann der Erde zu werden. Die andere verachten ihn aus beinahe denselben Günden: Weil er ein unanständiges Vermögen angehäuft hat – ohne sich jemals erkennbar Gedanken darüber gemacht zu haben, welche schädlichen Auswirkungen seine Produkte und seine Unternehmensphilosophie haben. Beide Herangehensweisen sind nachvollziehbar und berechtigt.

Doch die Fake-Szenarien, die derzeit um Bill Gates im Netz kursieren, sind einfach nur noch verstörend und zutiefst irrational – und zeugen von einem Grad an Verrücktheit, den man gerne ganz schnell kopfschüttelnd wieder vergessen würde. Geht aber nicht, denn im Netz gedeihen solche irren Gedankenkonstrukte besonders erfolgreich. Zu viele glauben den Unsinn und/oder verbreiten ihn – und machen sich damit schuldig.

Schuldig daran, die Atmosphäre zu vergiften, mit Falschmeldungen Panik zu verbreiten und die durch Corona ohnehin schwierigen Zeiten noch schwieriger zu machen.

Das Netz kennt die Wahrheit – aber die Leute suchen nicht

Die Wahrheit in Kurzform: Ja, die Gates-Stiftung spendet hohe Beträge an die Weltgesundheitsorganisation WHO – und definiert auch, was mit dem Geld passieren soll. Das bedeutet viel Macht. Und: Ja, Bill Gates setzt sich für Impfung ein. Schon lange. Bei vielen Krankheiten. Er unterstützt auch die möglichst rasche Entwicklung eines Impfstoffs gegen Corona.

Auch ein Gedanke von Gates: Beim Impfen eine Art maschinenlesbaren Code in die Haut zu stanzen, mit jedem Smartphone auslesbar. Um schnell erkennen zu können, wer schon geimpft ist – und wer nicht. Aber nicht in Form eines Mikro-Chips, sondern durch unsichtbare Tinte. In Afrika zum Beispiel tragen die wenigsten einen Impfpass mit sich herum. Daraus machen Verschwörungs-Fanatiker einen Mikro-Chip, eine Fernlenkungswaffe und einen Cloud-Dienst, in dem all unsere medizinischen Daten gespeichert werden.

Kaum jemand nimmt sich die Zeit, die Fakten zu prüfen (wie Correctiv). Aber die Zeit, den vielen Irren 30 Minuten und mehr auf YouTube zu lauschen, während sie ihre Horror-Storys erzählen.

Anders als andere Medien unterscheidet das Netz eben nicht.

Das wird immer gefährlicher.