Nach jahrelangen Diskussionen hat sich Facebook nun endlich bereit erklärt, das Leugnen des Holocaust auf seiner Plattform zu verbieten: Algorithmen und Mitarbeiter werden nun trainiert, entsprechende Einträge zu entfernen. Allerdings reicht das noch lange nicht, um den zunehmenden Antisemitismus einzudämmen und zu bekämpfen.

Antisemitismus nimmt zu – nicht zuletzt auch dadurch, dass in Sozialen Netzwerken wie Facebook, Youtube, Instagram und Co. nichts oder zu wenig dagegen unternommen wird. Was will man erwarten, wenn der Chef der größten Plattform es völlig in Ordnung findet, wenn User in seinem Netzwerk den Holocaust leugnen.

Zuckerberg: Redefreiheit wichtiger

Mark Zuckerberg – selbst Jude – hängt die Redefreiheit höher als den Kampf gegen Antisemitismus. Natürlich: Die Plattform ist nicht schuld am zunehmenden Antisemitismus. Allerdings befördert die bewusste und gewollte Tatenlosigkeit von Facebook den immer ungenierter zur Schau getragenen Antisemitismus.

Denn wenn religiöse Fanatiker (Islam) und Verschwörungserzähler (QAnon) ihren Hass ungebremst verteilen können, dann hat das eine konkrete zerstörerische Wirkung. Anschläge auf jüdische Einrichtungen nehmen nicht zufällig zu.

In Deutschland unter Strafe

Endlich ist Facebook aber zur Vernunft gekommen – und verbietet in seinen Netzwerken die Leugnung des Holocaust. In Deutschland steht das bekanntlich unter Strafe.

Nun bemüht sich Facebook, solche Leugnungen in der ganzen Welt aus dem Netzwerk zu entfernen. User, die nach Informationen über die Shoa suchen, will das Netzwerk künftig automatisch auf offizielle Webinhalte weiterleiten.

Holocaust-Leugner haben es künftig schwerer

Trotz des Verbots in Deutschland konnte auch hierzulande jede/r auf Facebook den Holocaust leugnen. Weil Mark Zuckerberg es so wollte. Nur nach einer entsprechenden Meldung hat das Netzwerk gehandelt – und einen gemeldeten Beitrag entfernt.

Was zeigt: Facebook nimmt seine Verantwortung schlicht nicht ernst. Kein seriöser Verlag käme auf die Idee, eine Holocaust-Leugnung zu drucken. Facebook schon.

Wichtig ist, international aktiv zu werden

Wie genau Facebook vorgehen will, steht noch nicht fest. In einem Blogeintrag bitten die Verantwortlichen um Geduld, weil die Algorithmen angepasst und trainiert werden müssten – und ebenso die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich weltweit des Themas annehmen müssen.

Wichtig ist schließlich auch, international aktiv zu werden – und auch in allen Sprachen. So müssen auch Postings und Inhalte in arabischer Sprache überprüft werden. Antisemitismus ist hier besonders stark verbreitet.

Es muss auch gegen Antisemitismus gehen

Facebook und all die anderen Plattformen haben nun keine Lobes-Hymnen verdient, dass sie aktiv werden – denn es ist eine Selbstverständlichkeit. Sollte es zumindest sein. Dass es keine ist, ist das Problem der Plattformen: Sie treten Recht und Gesetz immer wieder mit Füßen. Mit der Ausrede, eben nur Plattform zu sein. Ein – wie wir aktuell leider sehen und erfahren müssen – in jeder Hinsicht unhaltbarer Zustand.

Was mich stört: Es wird erst mal nur explizit gegen die Holocaust-Leugnung vorgegangen. Nicht gegen Antisemitismus an sich. Dabei ist das dringend erforderlich.