Ein neuer Trend im Silicon Valley: Wer mag, kann mit Hilfe von KI unsterblich werden. Aber nicht im körperlichen Sinn. Die KI hält die Erinnerung aufrecht: Indem Gedanken, Geschichten und Eigenheiten über Chat-Bots weiter bestehen. Hinterbliebene können mit Verstorbenen weiter im Dialog stehen – oder sich begegnen. Auch virtuell.

Künstliche Intelligenz (KI) ist für die meisten eher eine Art “Black Box”: Wie neuronale Netze funktionieren, was KI-Systeme können und was nicht – davon haben viele keine konkrete Vorstellung.

Und weil die Industrie den Begriff mittlerweile überall verwendet, regelrecht inflationär (selbst Kaffee-Automaten wird KI untergejubelt), scheint auch das nicht unmöglich: KI soll uns unsterblich machen. Natürlich nicht im wahrsten Sinne des Wortes, aber doch im übertragenen Sinn.

Digitale Seele

KI entscheidet, was erinnerungswürdig ist

Das Silicon Valley bietet tatsächlich mittlerweile Dienste an, die eine Form von dauerhafter Erinnerung und Vermächtnis erlauben. Eine neue Form von Weiterexistieren. KI-Systeme werden entsprechend trainiert, damit sie wie Menschen reagieren, die bereits verstorben sind. Kein Blättern in Fotoalben oder Anschauen von Videos, sondern Interaktion.

Beispiel: Das amerikanische Startup Hereafter. Wer hier Kunde wird, kann sein Vermächtnis vorbereiten. Er oder sie kann Geschichten erzählen, Erinnerungen hinterlassen. Algorithmen analysieren dann alles. Auf diese Weise entsteht ein digitaler Klon. Eine Kopie.

Zwischen Trost und spooky

Das Versprechen: Angehörige können nach dem Tod noch mit den Verstorbenen sprechen. Das geht sogar per Alexa. Oder Google.

“Was war Dein schönster Urlaub?” Zu hören sind nicht nur die Erinnerungen der verstorbenen Person, sondern sogar ihre Stimme. Das kann manch einem vielleicht Trost spenden, ist aber vor allem eins: spooky.

KI Systeme erzeugen eine künstlichr Stimme

Digitale Seele – Arten des “Weiterlebens”

Moritz Riesewieck und Hans Block haben darüber ein Buch geschrieben: “Die Digitale Seele”. Sie berichten von diversen solcher Projekte. Denn es scheint ein Trend zu sein: Viele wollen digital weiter existieren.

Doch es gibt Risiken. Wer soll zum Beispiel bestimmen können, dass so ein digitaler Klon entsteht? Die Algorithmen entscheiden schon, was erinnerungswürdig ist. Und vor allem: Was macht so etwas mit den Hinterbliebenen?

Risiken inklusive

Manche mögen es genießen. Andere könnte es verstören. Wie das Beispiel aus Korea zeigt: Hier hat eine Mutter in der Virtual Reality ihre verstorbene zehnjährige Tochter wiedergetroffen, die nach vorhandenen Fotos, Videos und Tonaufnahmen rekonstruiert wurde.

Da einige Anbieter auch das analysieren, was wir im Netz und in den Sozialen Netzwerken hinterlassen, braucht es wohl dringend Regeln – moralische, ethische und auch juristische. Denn eins hat das Silicon Valley gezeigt: Womit die Startups einmal anfangen, das hört nicht wieder auf. Wir sind gut beraten, rechtzeitig Regeln aufzustellen.