Corona-Kontaktverfolgung: Das ginge auch digital

von | 01.11.2020 | Digital

Die Fallzahlen explodieren – und es stellt sich die Frage: Wie der Pandemie beikommen? Mehr Daten könnten helfen, sagen Experten beim RKI – und vor allem in den Gesundheitsämtern. Die Corona Warn App stellt wenige Daten bereit. Es könnten mehr sein.

Das Robert Koch Institut (RKI) meldet jeden Tag neue Corona-Höchstzahlen. Die befürchtete „zweite Welle“ ist da und soll durch strenge Kontakteinschränkungen bekämpft werden.

Die Corona Warn App scheint jedenfalls kein Wellenbrecher zu sein. Vor allem deswegen nicht, weil die App weniger Daten bereitstellt, als für Ämter und Forscher wünschenswert wäre. Darüber wird aktuell leidenschaftlich diskutiert.

Kontaktverfolgung mit ohnehin vorhandenen Daten

Gleichzeitig arbeiten Forscher und Experten an Anwendungen, die helfen könnten. Beispiel: Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat mit dem Forschungsprojekt „Kadoin“ (Kartenbasierte Dokumentation von Indexpatienten) eine interessante Lösung parat. Die Anwendung erlaubt eine digitale Nachverfolgung von Corona-Kontakten. Ein Projekt, das vom Bundesgesundheitsministerium gefördert wird.

„Kadoin“ könnte den Gesundheitsämtern die Arbeit erleichtern – bei der Nachverfolgung von Kontakten positiv getesteter Menschen. Aufgrund der stark gestiegenen Infektionszahlen können die Gesundheitsämter diese Aufgabe schon lange nicht mehr erfüllen.

Hilfe durch Google Maps

Die Idee: Positiv auf Corona getestete Personen sollen ihre Kontakte selbst dokumentieren. Keine neue App, sondern ein visuelles, kartenbasiertes Dokumentationssystem, das die Gesundheitsämter den infizierten Personen zur Verfügung stellen könnten. Infizierte laden dazu ihre Google Maps Timeline hoch – und können dann sehen, wo sie in den letzten 14 Tagen gewesen sind. Wen sie dort getroffen haben, müssen sie selbst in einen Online-Fragebogen eintragen.

Der große Vorteil: Wenn Google Maps aktiv ist – und bei den meisten Menschen ist das so -, erfasst Google jeden besuchten Ort und auch die Dauer des Aufenthalts. Auf diese Weise geraten keine Besuche und so auch keine möglichen Infektionskontakte in Vergessenheit.

Tracking statt Tracing

Diskret: Daten bleiben auf dem eigenen Gerät

Die noch in der Entwicklung befindliche App bleibt diskret: Die Daten kommen aus dem Onlineprofil des Patienten – und werden nur in seinem Gerät gespeichert und verarbeitet. Das Gesundheitsamt erhält durch die Kombination von Technik und User-Angaben nur die Daten, auf die es ohnehin Anspruch hat. Allerdings wird ein derart geführtes Protokoll immer qualitativ hochwertiger sein, als wenn sich jemand nur auf sein Gedächtnis verlässt.

Dieses Konzept lässt sich weiterdenken: Wenn Menschen ihre Bewegungsprofile freiwillig bereitstellen würden, ließen sich auch mühelos die Kontakte ermitteln. Das Problem der Nachverfolgung wäre gelöst – so jedenfalls argumentiert der Philosophie-Professor Julian Nida-Rümelin. Er sagt: Der Datenschutz steht uns im Augenblick im Weg. Lasst uns Bewegungs- und Kontaktdaten nutzen.

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Professor Julian Nila-Rümelin fordert: Die Corona Warn App muss deutlich mehr können

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