Epic vs. Apple: Wie ein Rechtsstreit die App-Welt veränderte

von | 03.05.2021 | Digital

Was als Rechtsstreit zwischen Epic Games und Apple begann, hat die gesamte App-Ökonomie verändert. Nach Jahren des juristischen Kampfes und neuen Gesetzen in der EU und USA lockern sich die Monopolstrukturen der großen Plattformen – doch der Wandel kommt nur schleppend voran.

Der Rechtsstreit, der im Mai 2021 im kalifornischen Oakland startete, ist längst Geschichte – aber seine Auswirkungen prägen die digitale Welt bis heute. Epic Games, Entwickler des Millionenhits „Fortnite“, kämpfte damals gegen Apples eiserne Kontrolle über den App Store. Heute, fünf Jahre später, hat sich die Landschaft deutlich gewandelt, auch wenn viele Grundprobleme bestehen bleiben.

Was damals geschah – und wie es ausging

Der ursprüngliche Streit drehte sich um Apples 30-Prozent-Gebühr auf alle App-Store-Verkäufe und In-App-Käufe. Epic Games hatte bewusst ein alternatives Bezahlsystem in Fortnite eingebaut – und wurde prompt aus dem App Store verbannt. Das Gericht entschied 2021 größtenteils zugunsten Apples, zwang den Konzern aber, externe Zahlungslinks zu erlauben.

Doch das war erst der Anfang einer Lawine. Die „Apple Tax“ – wie Entwickler die 30-Prozent-Gebühr nennen – geriet weltweit unter Beschuss. In der EU trat 2024 der Digital Markets Act in Kraft, der Apple und andere „Gatekeeper“ zu mehr Offenheit zwingt. In den USA arbeitet der Kongress an ähnlichen Gesetzen.

Die neue Realität: Alternative App Stores und Sideloading

Seit März 2024 müssen iPhone-Nutzer in der EU nicht mehr zwingend Apples App Store verwenden. Alternative Stores wie AltStore PAL oder Epic Games Store sind verfügbar – allerdings mit Hürden. Apple verlangt weiterhin eine „Core Technology Fee“ von 50 Cent pro Installation nach den ersten einer Million Downloads jährlich. Viele Entwickler sehen darin einen neuen Versuch, Konkurrenz zu behindern.

Das sogenannte Sideloading – die Installation von Apps außerhalb offizieller Stores – ist auf iPhones in der EU nun möglich, aber kompliziert. Nutzer müssen mehrere Sicherheitswarnungen bestätigen und Apps regelmäßig „refreshen“. Google hat auf Android-Geräten nachgezogen und ermöglicht einfacheres Sideloading, nachdem auch dort kartellrechtlicher Druck entstand.

Neue Geschäftsmodelle entstehen

Die Lockerungen haben neue Geschäftsmodelle ermöglicht. Streaming-Dienste wie Netflix und Spotify bieten mittlerweile wieder In-App-Abos an – nachdem sie diese jahrelang eingestellt hatten, um Apples Gebühren zu umgehen. Andere Anbieter nutzen „Progressive Web Apps“ (PWAs) als Alternative zu nativen Apps.

Besonders Gaming-Unternehmen profitieren: Microsoft brachte 2024 einen Xbox Game Pass Store für iOS heraus, Sony folgte mit PlayStation Portal-Apps. Cloud-Gaming-Dienste wie GeForce Now oder Amazon Luna sind nicht länger auf Safari-Workarounds angewiesen.

Apple kämpft um Kontrolle

Apple wehrt sich weiterhin gegen die Auflagen. Der Konzern argumentiert, dass die geschlossenen Systeme Sicherheit und Qualität gewährleisten. Tatsächlich gab es bereits erste Sicherheitsvorfälle in alternativen App Stores – allerdings deutlich weniger dramatisch als Apple prognostiziert hatte.

Interessant: In Regionen außerhalb der EU hält Apple am alten System fest. US-amerikanische iPhone-Nutzer können weiterhin nur den offiziellen App Store verwenden, es sei denn, sie nutzen komplizierte Jailbreak-Methoden.

Google unter ähnlichem Druck

Auch Google steht unter Beschuss. Der Play Store verlangt ähnlich hohe Gebühren wie Apple, auch wenn Android theoretisch offener ist. 2023 verlor Google einen wichtigen Kartellprozess gegen Epic Games. Das Urteil zwingt Google, alternative App Stores zu tolerieren und Entwicklern mehr Freiheiten zu gewähren.

Spannend dabei: Samsung hat 2025 seinen Galaxy Store massiv ausgebaut und wirbt aktiv Entwickler mit niedrigeren Gebühren ab. Amazon versucht ähnliches mit seinem überarbeiteten Appstore für Fire-Geräte und Android.

Was Nutzer davon haben

Für Endnutzer bringen die Änderungen gemischte Ergebnisse. Einerseits gibt es mehr Auswahl und teilweise günstigere Preise, da Entwickler eingesparte Gebühren weitergeben können. Andererseits wird die App-Installation komplizierter – besonders ältere Nutzer sind oft überfordert.

Sicherheitsexperten warnen vor dem „Wild West“ alternativer App Stores, auch wenn bisher keine größeren Sicherheitskrisen aufgetreten sind. Apples und Googles Argument der Qualitätssicherung hat durchaus Berechtigung, auch wenn es oft vorgeschoben wirkt.

Ausblick: Der Kampf geht weiter

Der Epic-vs.-Apple-Streit war nur der Auftakt. Weitere Branchen fordern ähnliche Öffnungen: Browser-Hersteller wollen auf iOS echte Konkurrenz zu Safari etablieren, Zahlungsdienstleister kämpfen gegen Apples Wallet-Monopol.

Die EU arbeitet bereits an verschärften Regeln für 2026. In den USA könnte ein Regierungswechsel die Gangart gegenüber Tech-Konzernen beeinflussen. China entwickelt eigene Standards, die westliche Unternehmen unter Druck setzen.

Klar ist: Die Zeit der absoluten Plattform-Monopole geht zu Ende. Wie schnell und radikal dieser Wandel voranschreitet, hängt von regulatorischem Druck und Nutzerakzeptanz ab. Epic Games hat mit seinem Rechtsstreit eine Entwicklung angestoßen, die die gesamte digitale Ökonomie umkrempelt.

Zuletzt aktualisiert am 25.02.2026