Warnung vor Flut muss besser werden

Die Flutkatastrophe hat uns wochenlang in Atem gehalten und intensiv beschäftigt. Drei Wochen danach ist es Zeit zu fragen: Hätten die Menschen nicht schneller und besser gewarnt werden müssen? Es gibt zwar Warn-Apps, aber die hat längst nicht jeder installiert. Es braucht also wirksamere Methoden.

Sirenen gibt es in vielen Orten nicht mehr. Radio und Fernsehen können warnen – aber nicht jeder hat die Geräte eingeschaltet, im Akutfall. Welche anderen Warnmethoden könnten und sollen kommen?

Mittlerweile wissen wir: Die Bevölkerung wurde unzureichend oder sogar überhaupt nichts vor den drohenden Fluten gewarnt. Jetzt hat Bundesinnenminister Seehofer angekündigt: Es soll ein sms-Warnsystem aufgebaut werden. Wie funktioniert das?

Das Ganze nennt sich Cell Broadcasting. Japan, USA, Kanada, Neuseeland und auch die Niederlande setzen das ein. Das ist ein Verfahren, um gleichzeitig allen Menschen in einer Funkzelle eine offizielle Nachricht zu senden.

Cell Broadcast: Alle Menschen auf einmal informieren

Cell Broadcast: Nachricht an alle

Es bekommen alle dieselbe Nachricht, egal in welchem Mobilfunknetz sie unterwegs sind – und das funktioniert auch auf alten Handys. Die Nachricht ist maximal 1395 Zeichen lang und kann alle Zeichen enthalten, somit auch Weblinks. Aber keine Bilder, das ist den Apps vorbehalten. Cell Broadcasting ist keine Massen-SMS, sieht aber so ähnlich aus.

Praktisch alle Handys unterstützen „Cell Broadcasting“. Das Problem: In Deutschland ist dieser Dienst bislang nirgendwo eingerichtet. Denn die Mobilfunkbetreiber haben dafür keine Verwendung. Es ist der Bund, der die nötigen Investitionen – Experten schätzen 30 bis 40 Millionen EUR – tätigen müsste, damit Cell Broadcasting deutschlandweit einsetzbar ist. Ab Sommer 2022 soll es in Deutschland stehen.

Infozentrale entscheidet, welches Gebiet mit Infos versorgt wirdf

Auch der WDR plant bessere Warnsysteme – über seine Apps

Auch der WDR stand in der Kritik: Es wäre zu wenig und nicht rechtzeitig gewarnt worden.

Auch der WDR plant, ein digitales Angebot für Unwetterlagen zu entwickeln. So sollen in Gefahrenlagen mehr Menschen erreicht werden. Der WDR arbeitet da an einem Warnsystem, das die Menschen rechtzeitig und auch umfangreich warnen sollen, in knappen „Stories“: Wo droht Hochwasser? Soll ich meine Sachen im Keller hochstellen – und ab wann ist es gefährlich?

Anders als Wetter-Apps soll sie einen deutlichen Unterschied machen zwischen Gewitter und Starkregen, damit die Menschen schneller, besser Bescheid wissen. Dazu gibt es keine neue App. Diese Funktionen sollen in die bestehenden WDR-Apps von Wellen und Redaktionen eingebaut werden. Die Warnung kommt in Zukunft per Cell-Broadcast, die Informationen stehen dann etwa in der WDR-Aktuell-App.

NINA und Katwarn

Es gibt verschiedene Apps: NINA – das steht für „Notfall Information und Nachrichten App“ kommt vom Bund und ist quasi die offizielle App, betrieben vom „Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe“. Hier können Bundes-, Landes- und lokale Behörden Warnmeldungen einspeisen – und Handlungen empfehlen.

Machen aber nicht alle Behörden. Dann gibt es Katwarn, eine App, die von der Versicherungswirtschaft entwickelt wurde – und ebenfalls warnen soll. Viele Feuerwehren und Polizeibehörden warnen über Katwarn.

Teilweise arbeiten Katwarn und Nina zusammen, aber wer alle Infos und Warnungen erhalten möchte, müsste strenggenommen beide Apps installieren. Was eine ganz schöne Zumutung ist – weil die Behörden sich nicht einigen können und es nicht vernünftig geregelt ist.

Außerdem gibt es auch noch die WarnWetter-App des Deutschen Wetterdienstes, die Unwetterwarnungen anzeigt. Nina und Katwarn warnen aber auch bei anderen Ereignissen, etwa Chemieunfällen oder Bränden.

Warnungen per App, hier: NINA

Was braucht es, damit die App mich auch wirklich warnt?

Man benötigt ein Smartphone – und muss die App installieren. Rund 10-15 Prozent der Bevölkerung hat eine Warn-App am Start. Das ist nicht besonders viel. Dabei bieten Nina und Katwarn wirklich Komfort, denn man kann auswählen, welche Warnmeldungen man erhalten möchte: Nur die für den aktuellen Aufenthaltsort – oder aber auch bestimmte Regionen, etwa weil man wissen möchte, ob das Ferienhaus oder Angehörige oder Freunde in Gefahr sein könnten.

Das ist komfortabel gemacht und gelöst. Allerdings funktionieren die Apps nur dann, wenn der Mobilfunk noch funktionstüchtig ist – was spätestens nach Eintreten einer Katastrophe nicht mehr der Fall ist.