RayBan Kamerabrille

Schicke neue Sonnenbrille hast Du da… Aber wieso leuchtet da vorne ein rotes Lämpchen? Diese Frage könnte in Zukunft womöglich öfter gestellt werden, denn Facebook hat eine Sonnenbrille auf den Markt gebracht, mit der man Aufnahmen machen kann. Klingt nach einem typischen James-Bond-Gadget. Netter Spaß oder neues Spionage-Tool?

Fangen wir vorne an. Eine Sonnenbrille von Facebook – das klingt eigentlich wie ein April-Scherz. Was also steckt dahinter?

Es ist kein Scherz: Facebook hat – gemeinsam mit dem Hersteller RayBan – eine Art Kamera-Brille auf den Markt gebracht, die ab rund 300 EUR kostet. Es gibt verschiedene Designs, aber sie alle haben zwei Kameras vorne im Bügel versteckt – nach vorne blickend. Jeweils 5 Megapixel, das ist ganz ordentlich. Wer so eine Brille trägt, kann jederzeit Fotos machen oder Videos aufnehmen – bis zu 30 Sekunden pro Clip.

Dazu reicht es, kurz den Bügel anzutippen oder „Hey Facebook“ zu sagen, für den Fall, dass man seine Hände gerade nicht frei hat. Schon nimmt die Kamera Fotos oder Videos auf. Rund 40 Videos passen in den Speicher – oder 500 Fotos. Klingt vielleicht wenig. Aber sobald die Brille Kontakt zum Smartphone hat, lassen sich die Aufnahmen dort abliefern – und der Speicher ist wieder frei.

Stories mit Facebook View

Fotos oder bis zu 30 Sekunden lange Videoclips

Bevor wir darüber sprechen, ob das wirklich OK ist: Was macht jemand, der so eine Brille trägt, mit den Aufnahmen?

Es gibt eine App, die sich Facebook View nennt – da landen die Aufnahmen. Anschließend lassen sich die Aufnahmen teilen, nicht nur auf Facebook, Instagram und WhatsApp, sondern auch auf TikTok, Twitter, Snapchat und anderen Netzwerken. Facebook hat sich hier also offen gezeigt und keine künstlichen Grenzen gezogen.

Natürlich bietet die App auch all das an, was man von solchen Apps kennt: Die Aufnahmen lassen sich schneiden, mit Filtern und Effekten versehen, die User können kurze Stories bauen… Das ist erst mal unterhaltsam. Und natürlich ist es manchmal einfacher, man nimmt genau das auf, was man gerade sieht, ohne sich ein Handy vors Gesicht zu halten. Das ist die Idee, die dahinter steckt.

Ein Spionage-Werkzeug?

Ich würde nicht sagen, die Brille ist in erster Linie ein Spionage-Werkzeug – ich würde sagen, möglicherweise auch. Wird die Video-Aufnahme in der Brille aktiviert, geht im Bügel eine kleine weiße LED an, damit die Menschen im Umfeld Bescheid wissen. Aber die LED lässt sich sicher abkleben oder auch abschalten, das ist keine große Hilfe. Natürlich ist es diskreter, mit einer solchen Brille etwas aufzunehmen als mit einer Kamera oder einem Smartphone im Gesicht. Das allerdings passiert heute doch sowieso überall.

Und eine Sonnenbrille in Innenräumen fällt zweifellos auch auf. Und es gibt längst viele andere kleine Kameras wie die Insta360 Go2, die man auch kaum sieht, wenn die jemand trägt und für Aufnahmen benutzt. Aber: Ja, die Sorge wird groß sein, dass diese Brille zum Spionieren verwendet wird.

Sonnenbrille mit kameras

Nicht die erste ihrer Art

Es gab schon andere Brillen, eine von Google, eine von Snapchat – und die sind auch wieder vom Markt verschwunden.

Die Google-Glass-Brille, die 2012 als Prototyp vorgestellt wurde, war ein anderes Konzept: Es war eine Datenbrille. Der Träger konnte durch die Brille die Welt sehen – und bekam gleichzeitig Daten und Informationen angezeigt. Doch man konnte mit der Brille auch aufnehmen – und das hat die Menschen gestört. „Dont be a glasshole“, hat es in den USA geheißen. Ein Wortspiel – sei kein A****loch – als Träger der Glass-Brille. Der Protest war so groß, dass die Brille wieder vom Markt genommen wurde.

2016 hat Snapchat eine Kamerabrille namens Spectacle auf den Markt gebracht, die vergleichbar mit der neuen Facebook-Brille ist. Auch sie ist wieder vom Markt verschwunden. Jetzt sind wir 5 Jahre weiter, die Leute haben sich gewöhnt, dass überall Kameras sind und mit der Brille kann man mehr machen – auch Musik hören oder Telefonieren – es könnte gut sein, dass diese Brille nicht so schnell wieder vom Markt verschwindet.

Sie erscheint jetzt erst mal in USA, Kanada, Australien, Großbritannien und Italien – noch nicht in Deutschland. Aber es wird sicher eine Diskussion darüber geben, ob es cool ist, so eine Brille zu tragen.