TikTok ist nicht das Problem selbst, sondern Teil des Problems

TikTok Leaks: Nutzerdaten wandern nach China ab

Der US-Dienst #BuzzFeed hat ernsthafte Sicherheitsprobleme bei #TikTok öffentlich gemacht. Demnach kann TikTok offenbar kaum kontrollieren, welche Daten nach China fließen. Das legen Aufzeichnungen aus internen Meetings nahe. Demnach habe etwa ein „Master-Admin“ aus Beijing „Zugriff auf alles“.

Der vor allem bei Jugendlichen so beliebte Video-Dienst TikTok kommt ursprünglich aus China. Und ist nach dem riesigen Erfolg dort auch in den Westen expandiert. Es wurde immer beteuert: Es fließen keine Daten von US- oder anderen westlichen Nutzern nach China zum Mutterkonzern ByteDance – und der Mutterkonzern über auch keinen inhaltlichen Einfluss aus.

Doch jetzt sind interne Dokumente geleakt worden, Protokolle von Managern, die legen das Gegenteil nahe. Offenbar fließen doch jede Menge Informationen und Daten nach Peking.

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Erfolg in China – dann im Rest der Welt

Fast alle namhaften Onlinedienste kommen aus den USA – Microsoft, Facebook, Youtube, Twitter. TikTok ist aber ursprünglich aus China, das Konstrukt dahinter ist aber einigermaßen kompliziert.

Tiktok ist eigentlich aus China, aber da unter einem anderen Namen bekannt: Douyin. Es gibt in China für alles chinesische Alternativen, ein eigenes Google, ein eigenes eBay, ein eigenes Amazon. Douyin war dort eine Alternative zu Youtube und Instagram, wenn man so möchte – und sehr erfolgreich. Im August 2018 hat das chinesische Unternehmen ByteDance die Musik-App musical.ly gekauft, in den USA. Hier haben vor allem jugendliche Menschen lippensynchrone Musikvideos aufgenommen und verteilt.

ByteDance hat aus musical.ly TikTok gemacht, oder besser: Es ersetzt. Und in Los Angeles einen eigenen Firmensitz für TikTok gegründet. Seitdem hat TikTok einen weltweiten Erfolgssturm hingelegt, das muss man sagen. TikTok ist überall beliebt, auch bei uns in Deutschland. Viele wissen gar nicht, dass der Dienst eigentlich aus China kommt bzw. der Mutterkonzern in China sitzt.

Donald Trump

Trump hatte TikTok im Visier

Ex-Präsident Donald Trump schon. Der hat immer gegen TikTok gewettert und auch versucht, ein Verbot gegen TikTok durchzusetzen. Der Verdacht: TikTok könnte spionieren. Jetzt sind Belege aufgetaucht, die ihm recht geben könnten. Was genau?

TikTok betont spätestens seit den Attacken durch Trump die Distanz zu China. Das totalitäre Regime in Peking soll angeblich keinerlei Einfluss auf Tikok haben: Weder soll die Regierung dort die Inhalte regulieren, noch die Algorithmen beeinflussen oder Daten abgreifen können. Das wurde und das wird immer wieder lautstark betont.

Doch nun sind Mitschnitte, also Aufzeichnungen von Gesprächen von TikTok-Mitarbeitern aufgetaucht. Die Recherchen des amerikanischen News-Portals Buzzfeed News zeigen: Die Kontrolle des chinesischen Mutterkonzerns über TikTok ist offenbar enger als bislang bekannt. Wie das US-Medium dieser Tage berichtet, haben in China ansässige Mitarbeiter von ByteDance wiederholt Zugriff auf nicht-öffentliche Bereiche und Daten von Nutzern aus den USA und damit auch EU.

Denn auf den US-Servern landen auch die Daten aller deutschen TikTok-Nutzer. Dazu wurden ganz konkret 14 Aussagen von neun verschiedenen TikTok-Angestellten ausgewertet. Demnach hat ein Mitglied der TikTok-Sicherheitsabteilung im September 2021 gesagt, China sehe „alles“. Ein andere Person habe von einem „Master Admin“ in Beijing gesprochen. Er habe „Zugang zu allem“.

TikTok ist vor allem bei Jugendlichen beliebt
TikTok ist vor allem bei Jugendlichen beliebt

Datenzugriff erheblich

Aber ist das nicht normal, dass ein Mutterkonzern die Kontrolle über Daten und Funktionen hat?

Zweifellos. Doch im Fall von TikTok haben wir eine andere Situation: TikTok stellt sich als eigenständiges Unternehmen vor, das völlig unabhängig handelt und entscheidet. Jede Form von Kontrolle über Inhalte, Algorithmen und Daten wurde stets verneint – denn anderenfalls hätte es in den USA erhebliche Konsequenzen gehabt. Bei uns in Europa sieht es ganz ähnlich aus. Doch jetzt steht der konkrete und begründete Verdacht im Raum, dass das alles nicht stimmt, also Lügen waren.

Was man nicht vergessen darf: In China sind Regierung und Wirtschaft nicht entkoppelt. Die Unternehmen müssen sich fügen, sie müssen Auskunft erteilen, sie müssen machen, was ihnen gesagt wird. Und dürfen darüber nicht sprechen oder berichten. So ist in der Vergangenheit schon häufiger der Verdacht aufgekommen, dass auf TikTok aktiv Zensur geübt wird. Zum Beispiel waren auffallend wenige Videos von den Protesten in Hongkong zu sehen.

Andere Videos, die Chinas Regierung nicht gefallen dürften, sind zwar da, aber nur schwer auffindbar. Wenn sich als wahr herausstellt, was BuzzFeed recherchiert hat, dann haben wir ein riesiges Problem: Alle Daten, die auf TikTok gesammelt werden, könnten theoretisch nach China fließen. Jedenfalls lässt sich das nun wirklich nicht mehr ausschließen.

TikTok also ein Sicherheitsrisiko?

TikTok betont, die Daten von TikTok würden auf Servern in den USA und Singapur gespeichert. Auch unsere. Aber das spielt keine Rolle, wenn in China Personen die Kontrolle darüber haben. Laut BuzzFeed hat ein Mitglied einer intensiven Untersuchung der technischen Vorgänge bei TikTok in einem Meeting gesagt: „Ich habe das Gefühl, dass es bei fast allen dieser Tools eine Hintertür gibt, um auf Nutzerdaten zuzugreifen, und das ist anstrengend.“ Zwar will TikTok in Texas ein neues Datenzentrum bauen, unter der Kontrolle des Datenbankriesen Oracle.

Das würde aber nichts ändern, so lange kein Treuhandprinzip eingeführt wird. Die neuesten Erkenntnisse, die von BuzzFeed veröffentlicht wurden, sind ein Politikum – und werden garantiert ein Nachspiel für TikTok haben. Nutzer sind gut beraten, TikTok keinerlei vertraulichen Daten anzuvertrauen. Im Prinzip ist sogar eine lückenlose Überwachung des Standorts möglich.

 

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