Gesichtserkennung

Gesichtserkennung und ihre Risiken

Gesichtserkennung: Kann praktisch sein, um das eigene Smartphone zu entsperren – oder wenn das iPhone die Fotos automatisch nach Personen sortiert. Leider hat Gesichtserkennung aber auch ein Missbrauchspotenzial – und das nimmt immer weiter zu.

Wir Menschen erkennen andere Menschen in der Regel, sobald wir ihr Gesicht sehen. Denn so ein Gesicht, das ist schon unverwechselbar… Nur manchmal denken wir: Hmm, die sieht der aber ähnlich. Auch Maschinen können Gesichter erkennen – und das kommt immer öfter zum Einsatz. Unsere Smartphones lassen sich mit dem Gesicht entsperren, Kameras ziehen die Schärfe, wenn sie ein Gesicht erkennen – und die Polizei fahndet mit Gesichtserkennung nach Menschen, zum Beispiel auf öffentlichen Plätzen. Die Technik der Gesichtserkennung wird aber auch missbraucht. Fotos aus dem Netz werden missbraucht, um Menschen zu identifizieren.

Da gibt es auch wieder einen aktuellen Fall in Russland: Mit Hilfe von Gesichtserkennung wird Frauen nachgestellt oder es werden Menschen bedroht.

Mit dem Gesicht das Handy entsperren
Mit dem Gesicht das Handy entsperren

Der Begriff „Gesichtserkennung“

Die Begriffe „Gesichtserkennung“ und „KI“, also Künstliche Intelligenz, werden gerne immer zusammen verwendet. Ist Gesichtserkennung wirklich nur mit KI möglich?

Wir müssen die Begriffe in der Tat richtig verwenden: Unter „Gesichtserkennung“ wird eigentlich die automatische Zuordnung eines Bildes zu einer Person verstanden. Bedeutet also: Ich zeige einem Computer ein Foto – und der sagt mir dann, wer da zu sehen ist. Das Bild kann ein Foto, aber auch ein Bewegtbild sein, also ein Video – oder die Live-Aufnahme einer Überwachungskamera. Um diese Aufgabe zeitnah zu bewältigen, braucht man heute in der Tat KI-Anwendungen.

Denn KI kann sehr effektiv Muster erkennen. Und für Computer sind Gesichter am Ende Muster: Bestehend aus Tausenden von Einzelpunkten. KI denkt nicht: Oh, diese Person sieht aber hübsch aus oder asiatisch, sondern „sieht“ nur die Tausenden Merkmale. Die werden dann erfasst und verglichen mit gespeicherten Merkmalen. KI-Systeme gehen da nicht vor wie wir Menschen: Wir vergleichen Fotos miteinander. KI-Anwendungen vergleichen Gesichtsmerkmale, markante Punkte im Gesicht – das ist etwas völlig anderes. Viele entsperren mit ihrem Gesicht ihr Smartphone. Das ist streng genommen keine Gesichtserkennung, da hier keine KI zum Einsatz kommt. Hier werden auch nicht mehrere Personen erkannt, sondern nur eine Person. Die Software überprüft lediglich: Ist das Gesicht, das ich gerade sehe, das Gesicht des Besitzers. Dein Gesicht würde mein Smartphone zum Beispiel nicht erkennen.

KI kann die Gesichter von Millionen Menschen blitzschnell unterscheiden
KI kann die Gesichter von Millionen Menschen blitzschnell unterscheiden

Wie sicher ist mein Gesicht im Smartphone?

Was sich viele fragen: Wenn ich mein Gesicht benutze, um mein Smartphone zu registrieren, freuen sich Google und Apple dann nicht riesig, weil ich ihnen meine biometrischen Daten frei Haus liefere?

Die Frage wird mir auch häufig gestellt – und das ist ein gutes Zeichen, weil es zeigt, dass die Menschen skeptischer werden. Aber in diesem Punkt braucht man sich wirklich keine allzu großen Sorgen zu machen. Es ist so: Wenn ich mein Gesicht herzeige, wird nicht etwa mein Gesicht abfotografiert und dann später mit meinem Live-Gesicht verglichen. Stattdessen werden etliche hundert, teilweise tausend Punkte in meinem Gesicht vermessen: Wangenknochen, Augenstand, Nase, Ohren, Gesichtsform.

Bei Apple iPhones sind es 30.000 Punkte. Diese Punkte beschreiben meine Gesichtsform. Diese Daten bleiben im Gerät(!) gespeichert und werden nicht etwa online hinterlegt. Wichtig zu wissen: Mit diesen Datenpunkten lässt sich überprüfen, ob ein hergezeigtes Gesicht meins ist – doch damit lässt sich nicht etwa mein Gesicht rekonstruieren, also nachbilden oder im 3D-Drucker bauen. Das geht nicht. Es dient nur zur Überprüfung, eignet sich aber nicht zur Rekonstruktion.

Das ist beim Fingerabdruck genauso, wenn ich den zum Entsperren von PC, Smartphone oder Tablet nutze.

Missbrauch der Gesichtserkennung

Doch sprechen wir über Gesichtserkennung im großen Stil. Facebook zum Beispiel hatte lange Zeit eine Funktion, die Gesichter von Nutzern erkennt – die können das also.

Facebook hat 2010 eine Gesichtserkennung eingeführt: Dadurch konnten Personen auf hochgeladenen Fotos automatisch erkannt werden. Wenn ich also ein Partyfoto hochlade, sagt mir Facebook: Da sind Jan, Martin und Steffie drauf. Ruckzuck. Weil Facebook täglich Milliarden Fotos „sieht“ und die Profilbilder der Nutzer kennt – und damit die Zuordnung erstaunlich gut hinbekommt. 2012 wurde die Funktion in Europa nach Protesten abgeschaltet, 2018 wieder eingeschaltet – um dann 2021 weltweit abgeschaltet zu werden.

Die Proteste hatten überall auf der Welt zugenommen. Prinzipiell ist es technisch kein Problem für einen Dienst wie Facebook, eine solche Gesichtserkennung sehr zuverlässig hinzubekommen. Die Menschen laden Fotos von sich und anderen hoch, markieren die Personen in den Fotos sogar – das hilft der KI, die Menschen zu erkennen und automatisch zuzuordnen. Doch das ist spooky. Kein Wunder, dass immer mehr Datenschützer Bedenken haben.

Missbrauch nicht ausgeschlossen: Gesichtserkennung eignet sich zur Massenüberwachung
Missbrauch nicht ausgeschlossen: Gesichtserkennung eignet sich zur Massenüberwachung

China: Jedes Gesicht bekannt

In China, hört man immer wieder, gibt es diese Bedenken nicht: Da wird Gesichtserkennung zur Massenüberwachung eingesetzt.

In China können sich Bürger nicht wehren und Datenschutz einfordern. Da gelangt Gesichtserkennung auf ein ganz neues Niveau: Alle öffentlichen Räume sind nahezu flächendeckend mit Überwachungskameras ausgestattet. Die Gesichter der Menschen werden live erfasst und blitzschnell erkannt. Bei Fehlverhalten erfolgen Bestrafungen. „Social Scoring“ wird das genannt: Geht jemand bei rot über die Ampel, erfasst die Kamera die Person, das Gesicht wird erkannt – und Sekunden später erscheint der Name der Person auf einer übergroßen Anzeigetafel. Und der Verstoß wird verbucht und hat Konsequenzen. Das ist ein Beispiel dafür, was mit Gesichtserkennung in einem Überwachungsstaat möglich ist. Und deswegen warnen Datenschützer aus gutem Grund vor dem Einsatz von Gesichtserkennung im öffentlichen Raum.

Russland: FindClone findet jedes Gesicht

Wir haben einen aktuellen Fall: In Russland kommt eine KI zum Einsatz, die sich FindClone nennt: Darüber kann mehr oder weniger jeder ein Foto hochladen und erfahren, wer das ist. Da wurde Frauen nachgestellt, Personen wurden bedroht…

FindClone zieht Fotos aus dem in Russland populären Social Media Dienst VKontakte. Das ist eine Art russisches Facebook – mit unzähligen Fotos und Porträts. Wir hatten so etwas auch schon in den USA mit Clearview AI und in Europa mit Pimeyes (aus Polen).

Die Vorgehensweise ist immer dieselbe: Diese „Anbieter“ ziehen Millionen, nein Milliarden von Fotos aus den Netzen, was problemlos geht, da die Fotos ja öffentlich zugänglich sind. Zusammen mit entsprechenden Daten aus den Netzwerken wie Name, Wohnort, Hobbys. Was man in Social Media so findet. Die Fotos werden biometrisch vermessen, also „gescannt“, und in einer Datenbank gespeichert. KI-Systeme können dann blitzschnell ein hochgeladenes Foto einer Person zuordnen.

Illegal, weil so etwas in Europa verboten ist mittlerweile. In den USA nutzen Polizeibehörden den privaten Dienst Clearview AI, um Personen zu identifizieren. Wir alle füttern diese Dienste, weil die Fotos aus Facebook, Instagram und Co. kommen. Ein unhaltbarer Zustand.

Gesichtserkennung und ihre Risiken

 

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