X/Twitter weniger über euch wissen lassen

von | 30.10.2017 | Social Networks

Bei Twitter (heute als X bekannt) gibt es, wie an vielen anderen Stellen im Internet auch, Werbung. Hier erscheint sie in Form gesponserter Accounts, Posts und weiterer Anzeigen. Diese Werbung ist auf den Nutzer zugeschnitten – und das immer präziser. Wer sich nicht ausspionieren lassen will, sollte die Datensammlung für personalisierte Anzeigen einschränken.

Seit der Übernahme durch Elon Musk und der Umbenennung zu X hat sich das Werbemodell grundlegend verändert. Die Plattform sammelt noch mehr Daten als früher und nutzt dabei auch fortgeschrittene KI-Algorithmen für die Werbeausspielung. Gleichzeitig sind die Datenschutzeinstellungen komplexer geworden.

Warum X/Twitter so viel über euch weiß

X verfolgt euer Verhalten nicht nur auf der Plattform selbst. Das Unternehmen sammelt Informationen aus verschiedenen Quellen: eure installierten Apps, besuchte Websites mit X-Pixel, Kontakte vom Smartphone, Standortdaten und sogar Offline-Aktivitäten durch Partnerunternehmen. Diese Daten fließen in ein detailliertes Profil ein, das für zielgerichtete Werbung genutzt wird.

Besonders problematisch: X kann mittlerweile auch biometrische Daten sammeln und verwendet maschinelles Lernen, um Vorhersagen über euer Verhalten zu treffen. Das geht weit über das hinaus, was ihr bewusst auf der Plattform teilt.

So schränkt ihr die Datensammlung ein

Um auf die zugehörigen Einstellungen zuzugreifen, führt man die folgenden Schritte aus:

  1. Als Erstes am Desktop-PC im Browser die X-Einstellungen aufrufen: Settings and Privacy > Privacy and Safety > Ads preferences
  2. Jetzt mit dem X-Account samt Passwort anmelden, falls noch nicht geschehen.
  3. Nun erscheint eine Liste mit Optionen, die sich auf die individuellen Anzeigen auswirken. Deaktiviert hier „Personalized ads“ komplett.
  4. Geht zusätzlich zu „Your advertiser list“ und entfernt Unternehmen, die euch bereits zugeordnet wurden.
  5. Unter „Data sharing with business partners“ alle Optionen deaktivieren.
  6. Die Änderungen werden automatisch gespeichert.

Weitere wichtige Privatsphäre-Einstellungen

Neben der Werbe-Personalisierung solltet ihr auch andere Bereiche überprüfen:

Standortdaten: Unter „Location information“ könnt ihr verhindern, dass X euren genauen Standort trackt. Schaltet sowohl „Precise location“ als auch „Location personalization“ aus.

Kontakte und Adressbuch: X durchsucht standardmäßig eure Smartphone-Kontakte nach anderen Nutzern. Das lässt sich unter „Discoverability and contacts“ deaktivieren.

Web-Tracking: Die Option „Track where you see X content across the web“ solltet ihr ebenfalls ausschalten, um zu verhindern, dass X euch auf anderen Websites verfolgt.

Datenübertragung: Seit 2024 könnt ihr unter „Data portability“ einsehen und herunterladen, welche Daten X über euch gespeichert hat. Das ist nicht nur interessant, sondern auch euer Recht nach DSGVO.

X Premium und Datenschutz

Interessant: Auch X Premium-Abonnenten (früher Twitter Blue) erhalten weiterhin personalisierte Werbung, nur in geringerem Umfang. Wer komplett werbefrei surfen will, muss zur Premium+ Variante greifen – die kostet aber deutlich mehr.

Ein Abo schützt übrigens nicht vor der Datensammlung selbst. X sammelt auch bei zahlenden Nutzern Informationen für „Produktverbesserungen“ und andere Zwecke.

Browser-Einstellungen als zusätzlicher Schutz

Verlasst euch nicht nur auf X’s eigene Einstellungen. Nutzt Browser-Add-ons wie uBlock Origin oder Privacy Badger, um Tracking-Skripte zu blockieren. Firefox und Safari bieten mittlerweile auch eingebauten Tracking-Schutz.

Cookies von X solltet ihr regelmäßig löschen, und im Inkognito-Modus surfen hilft ebenfalls. Noch besser: Nutzt einen separaten Browser nur für Social Media.

Die Grenzen der Selbstbestimmung

Trotz aller Einstellungen bleibt ein Problem: X sammelt weiterhin grundlegende Daten über eure Aktivität auf der Plattform. Likes, Retweets, Verweildauer bei Posts – das alles fließt in Algorithmen ein, auch wenn ihr personalisierte Werbung ausgeschaltet habt.

Wer wirklich privat bleiben will, sollte alternative Plattformen wie Mastodon oder Bluesky in Betracht ziehen. Diese sammeln deutlich weniger Daten und haben oft transparentere Datenschutzrichtlinien.

Fazit: Die neuen Datenschutz-Tools von X sind ein Schritt in die richtige Richtung, aber längst nicht perfekt. Checkt regelmäßig eure Einstellungen – X ändert diese gerne mal bei Updates zurück auf „datenfreundlich“.

Zuletzt aktualisiert am 31.03.2026