Apple, Google, Microsoft und andere Tech-Giganten stehen seit 2024 unter verschärfter Beobachtung der EU: Der Digital Markets Act (DMA) ist in Kraft und zeigt bereits erste Wirkung. Für Verbraucher bedeutet das konkret mehr Wahlfreiheit, alternative App-Stores und interoperable Messenger.
Nach Jahren der Vorbereitung sind sowohl der „Digital Services Act“ (DSA) als auch der „Digital Markets Act“ (DMA) seit 2024 vollständig in Kraft. Der DMA hat bereits deutliche Veränderungen bei den großen Tech-Konzernen bewirkt – und läutet tatsächlich eine neue Ära der Tech-Regulierung ein.
Tech-Konzerne wie Google, Apple, Meta, Microsoft und Amazon mussten ihre Geschäftspraktiken grundlegend ändern. Verstöße werden mit empfindlichen Geldstrafen von bis zu 20% des weltweiten Jahresumsatzes geahndet – und die EU-Kommission zeigt sich durchaus bereit, diese auch zu verhängen.
Gatekeeper müssen sich öffnen: Die großen Veränderungen
Sechs Unternehmen wurden offiziell als „Gatekeeper“ eingestuft: Google (Alphabet), Apple, Meta, Amazon, Microsoft und ByteDance (TikTok). Diese müssen Dienste mit über 45 Millionen monatlichen Nutzern und einem Börsenwert von mindestens 75 Milliarden Euro öffnen.
Die Auswirkungen sind bereits spürbar: Apple hat erstmals in der EU alternative App-Stores zugelassen. Epic Games Store, AltStore PAL und weitere sind bereits verfügbar. iPhone-Nutzer können Apps auch außerhalb des App Store installieren – ein historischer Wandel für das geschlossene Apple-Ökosystem.
Google musste seine Suchmaschine und den Play Store öffnen. Android-Nutzer sehen jetzt Auswahlbildschirme für Browser, Suchmaschinen und andere Standard-Apps. Vorinstallierte Google-Apps lassen sich vollständig deinstallieren.

Messenger-Revolution: WhatsApp öffnet sich für Konkurrenz
Einer der größten Erfolge des DMA: Die Interoperabilität von Messengern wird Realität. WhatsApp hat bereits begonnen, sich für andere Messenger-Dienste zu öffnen. Signal-Nutzer können direkt an WhatsApp-Kontakte schreiben, ohne die App wechseln zu müssen.
Die Umsetzung erfolgt stufenweise: Zunächst sind Textnachrichten möglich, dann Bilder und Videos, später Gruppenchats und Anrufe. Meta hat ein eigenes Interoperabilitäts-Portal eingerichtet, über das sich andere Messenger-Anbieter registrieren können.
Telegram, Threema und andere Anbieter arbeiten bereits an der Integration. Das bedeutet das Ende des Messenger-Monopols: Ihr müsst nicht mehr WhatsApp nutzen, nur weil alle anderen dort sind.
Apple unter Druck: App Store verliert Monopolstellung
Apple hat am stärksten unter dem DMA gelitten. Das Unternehmen musste nicht nur alternative App-Stores zulassen, sondern auch alternative Browser-Engines. Safari ist nicht mehr der einzige „echte“ Browser auf iOS – Firefox, Chrome und andere können jetzt ihre eigenen Engines nutzen.
Bei den Bezahlsystemen tut sich Apple noch schwer. Zwar sind alternative Payment-Anbieter theoretisch möglich, aber Apple verlangt weiterhin hohe Gebühren. Die EU-Kommission prüft bereits, ob das regelkonform ist.
Die „Core Technology Fee“ von 50 Cent pro App-Installation für große Entwickler sorgt für Kontroversen. Viele sehen darin den Versuch, die DMA-Regeln zu umgehen. Epic Games hat bereits eine Beschwerde eingereicht.

Interoperabilität kommt: Die Großen müssen sich für die Kleinen öffnen
Google Search: Mehr Wahlfreiheit bei Suchergebnissen
Google musste seine Suchmaschine grundlegend überarbeiten. Eigene Dienste wie Google Shopping, Google Maps oder Google Flights dürfen nicht mehr automatisch bevorzugt werden. Nutzer sehen jetzt deutliche Kennzeichnungen bei Google-eigenen Ergebnissen.
Bei Android-Geräten erscheint beim ersten Start ein Auswahlbildschirm für Suchmaschinen, Browser und andere Standard-Apps. DuckDuckGo, Bing und alternative Suchmaschinen profitieren bereits von dieser Regelung.
Der Google Play Store muss alternative App-Stores prominent anzeigen. F-Droid, Aurora Store und andere sind jetzt leichter auffindbar.
Datenschutz gestärkt: Ende der automatischen Datenvermischung
Meta musste seine Datenstrategie komplett überdenken. Instagram, Facebook, WhatsApp und Threads dürfen nicht mehr automatisch Nutzerdaten austauschen. Wer das möchte, muss explizit zustimmen – aber es geht auch ohne.
Google trennt jetzt strenger zwischen YouTube, Gmail, Google Search und anderen Diensten. Nutzer können granular entscheiden, welche Daten geteilt werden.
Diese Trennung führt zu weniger personalisierten, aber dafür privateren Erlebnissen. Viele Nutzer schätzen diese neu gewonnene Kontrolle über ihre Daten.
Erste Strafen und Nachbesserungen
Die EU-Kommission zeigt Zähne: Apple erhielt bereits eine Geldstrafe von 1,8 Milliarden Euro wegen wettbewerbswidriger Praktiken bei Musik-Streaming. Google wurde zu Nachbesserungen bei der Suchergebnis-Darstellung verpflichtet.
Viele Unternehmen versuchen noch, die Regeln zu umgehen. Die „Malicious Compliance“ – das bewusste Erfüllen nur des Buchstabens, nicht des Geistes der Gesetze – beschäftigt die Regulierer weiterhin.
Ausblick: Weitere Verschärfungen geplant
Der DMA wird kontinuierlich erweitert. KI-Dienste wie ChatGPT, Claude oder Gemini könnten bald ebenfalls unter die Gatekeeper-Regeln fallen. Die EU arbeitet bereits an spezifischen KI-Regulierungen.
Für 2026 sind weitere Verschärfungen geplant: Messaging-Interoperabilität soll auf soziale Netzwerke ausgeweitet werden. Video-Plattformen wie YouTube, TikTok und Instagram könnten zur Öffnung für Konkurrenten verpflichtet werden.
Die Botschaft ist klar: Die Zeit der unkontrollierten Tech-Monopole ist in der EU vorbei. Verbraucher profitieren von mehr Wahlfreiheit, besserem Datenschutz und echtem Wettbewerb. Andere Regionen beobachten die EU-Regulierung genau – ähnliche Gesetze sind bereits in Vorbereitung.
Zuletzt aktualisiert am 22.02.2026