Angesichts steigender Strompreise suchen viele nach Einsparmöglichkeiten. Den WLAN-Router nachts abzuschalten scheint logisch – doch diese Strategie bringt erhebliche Nachteile mit sich, die ihr kennen solltet.
Energiesparen steht bei vielen ganz oben auf der Liste. Die Überlegung ist naheliegend: Welche Geräte laufen unnötig und können zeitweise abgeschaltet werden? Der Internet-Router gerät dabei oft ins Visier, weil er rund um die Uhr läuft.
Moderne Router verbrauchen 80-120 kWh jährlich
Die Rechnung scheint simpel: Nachts braucht niemand Internet, also kann der Router acht Stunden täglich pausieren. Das würde theoretisch ein Drittel der Energiekosten sparen. Zeitschaltuhren oder programmierbare Steckdosen machen das technisch einfach umsetzbar.
Ein durchschnittlicher Router verbraucht heute zwischen 8 und 14 Watt – moderne Wi-Fi 7 Router mit vielen Funktionen auch bis zu 20 Watt. Ein 12-Watt-Router, der dauerhaft läuft, verbraucht etwa 105 kWh pro Jahr. Bei aktuellen Strompreisen von rund 35-40 Cent/kWh entstehen Kosten von 35-42 Euro jährlich.
Durch nächtliches Abschalten ließen sich also 12-15 Euro sparen – klingt erst mal verlockend.

Bei abgeschaltetem Router sind keine Updates möglich
Smart Home und KI-Geräte brauchen dauerhafte Verbindung
Doch die Nachteile wiegen schwerer als die Ersparnis. In modernen Haushalten hängen deutlich mehr Geräte am Router als früher:
Nachteil #1: Smart Home wird lahmgelegt
Smart-Home-Systeme, Überwachungskameras, intelligente Türklingeln, Heizungssteuerungen und Sicherheitssysteme benötigen eine permanente Internetverbindung. Wer nachts den Router abschaltet, macht sein Smart Home praktisch blind und taub. Einbruchsmeldungen, Rauchmelder-Warnungen oder Wasserschäden werden dann nicht übertragen.
Nachteil #2: Updates werden blockiert
Fast alle vernetzten Geräte laden Updates bevorzugt nachts herunter: Smartphones, Smart-TVs, Spielekonsolen, Streaming-Boxen, sogar Küchengeräte und Autos. Diese automatischen Sicherheitsupdates sind essentiell. Ohne sie bleiben Sicherheitslücken offen – ein deutlich höheres Risiko als 15 Euro Stromersparnis.
Nachteil #3: KI-Assistenten und Backup-Services fallen aus
Alexa, Google Assistant oder Siri funktionieren ohne Internet nicht. Automatische Cloud-Backups von Fotos und Daten laufen meist nachts – und werden unterbrochen.

Router informieren über Energieverbrauch
Provider-Probleme und Festnetz-Ausfall
Nachteil #4: Festnetz wird gekappt
Da heute fast alle Festnetz-Telefone über den Router laufen (VoIP), ist nachts kein Telefonieren möglich. In Notfällen müsst ihr aufs Handy zurückgreifen – wenn es geladen und empfangsbereit ist.
Nachteil #5: Provider drosseln die Geschwindigkeit
Regelmäßige nächtliche Abschaltungen können Provider-Systeme irritieren. Die automatische Leitungsoptimierung interpretiert Verbindungsabbrüche als Störungen und reduziert die Geschwindigkeit „zum Schutz“ der Leitung. Euer Internet wird dauerhaft langsamer.
Nachteil #6: Längere Boot-Zeiten
Moderne Router brauchen 2-5 Minuten zum Hochfahren und Einwählen. Wer morgens schnell noch E-Mails checken oder einen Online-Termin wahrnehmen will, wartet erst mal.
Bessere Alternativen: Router intelligent optimieren
Statt den Router komplett abzuschalten, gibt es smartere Wege:
WLAN-Zeitsteuerung: Aktuelle Router können das WLAN nachts reduzieren oder einzelne Frequenzbänder abschalten, bleiben aber online.
Eco-Modi nutzen: Moderne Geräte haben ausgeklügelte Energiesparmodi. AVM-FritzBoxen reduzieren automatisch die Prozessorleistung, dimmen LEDs und schalten ungenutzte Ports ab.
Gastnetzwerk zeitgesteuert: Das Gastnetzwerk kann nachts komplett deaktiviert werden, während das Hauptnetz für Smart-Home-Geräte aktiv bleibt.
LED-Beleuchtung dimmen: Die Router-LEDs verbrauchen überraschend viel Strom. Nachts können sie gedimmt oder abgeschaltet werden.
Wi-Fi 6E und Wi-Fi 7: Mehr Leistung, weniger Verbrauch
Paradoxerweise sind neuere, leistungsfähigere Router oft sparsamer. Wi-Fi 6E und Wi-Fi 7 Router arbeiten effizienter und schalten ungenutzte Funkmodule automatisch ab. Target Wake Time (TWT) lässt verbundene Geräte „schlafen“ und reduziert den Gesamtverbrauch des Netzwerks.
Die Investition in einen modernen Router kann mehr sparen als nächtliches Abschalten eines alten Geräts.
Fazit: Router laufen lassen, intelligent optimieren
Die 12-15 Euro Ersparnis sind das Risiko und die Nachteile nicht wert. In vernetzten Haushalten ist ein dauerhaft aktiver Router unverzichtbar. Nutzt stattdessen die eingebauten Energiesparfunktionen und investiert mittelfristig in effizientere Technik.
Echte Stromfresser findet ihr woanders: Alte Kühlschränke, ineffiziente Heizungspumpen oder Dauerlauf-PCs sparen deutlich mehr ein – ohne die digitale Infrastruktur zu gefährden.
Zuletzt aktualisiert am 20.02.2026
