WhatsApp mit Werbung – oder lieber zahlen?

von | 30.01.2026 | Social Networks

Über 60 Millionen Menschen in Deutschland nutzen WhatsApp täglich. Für die meisten ist der Messenger zur Selbstverständlichkeit geworden: kostenlos, werbefrei, einfach. Doch genau das ändert sich gerade. Meta, der Mutterkonzern hinter WhatsApp, Facebook und Instagram, plant die Einführung von Werbeanzeigen im Messenger. Wer darauf verzichten möchte, soll künftig ein Abo abschließen. Und jetzt gibt es erstmals einen konkreten Preis.

Vier Euro pro Monat – so viel könnte werbefreies WhatsApp kosten

In einer Beta-Version der WhatsApp-App für Android – das sind Vorabversionen, die an freiwillige Tester verteilt werden, um neue Funktionen zu erproben – ist erstmals ein konkreter Preis aufgetaucht: rund vier Euro pro Monat. Das ist deutlich günstiger als die Abos für werbefreies Facebook oder Instagram, die zwischen 5,99 und 7,99 Euro kosten, je nachdem ob man über Browser oder App bucht. Möglicherweise wird WhatsApp noch günstiger, wenn man es als Teil eines Meta-Gesamtpakets bucht.

Das Freemium-Modell, über das Meta seit Monaten spricht, wird damit konkret: Nutzer sollen die Wahl haben zwischen kostenloser Nutzung mit Werbung oder einem Bezahl-Abo ohne Anzeigen. Ein Geschäftsmodell, das man von Spotify, YouTube Premium oder zahlreichen anderen Diensten kennt. Die monatliche Abrechnung soll direkt über die App Stores laufen – einfach kündbar, aber auch eine dauerhafte Belastung.

Werbung erscheint ausschließlich im Status-Bereich
Werbung erscheint ausschließlich im Status-Bereich

Wo genau erscheint die Werbung?

Hier wird es wichtig: Die Werbung erscheint NICHT in privaten Chats oder Gruppengesprächen. Eure persönlichen Nachrichten bleiben davon völlig unberührt. Stattdessen wird die Werbung im „Aktuelles“-Tab ausgespielt – dort, wo ihr die Status-Meldungen eurer Kontakte seht.

Status-Meldungen funktionieren ähnlich wie Instagram Stories: Fotos, Videos oder Text-Updates, die nach 24 Stunden verschwinden. Genau zwischen diesen Status-Updates von Freunden und Familie sollen Werbeanzeigen auftauchen – deutlich als „gesponsert“ markiert, aber optisch eingebettet.

Meta verspricht: Private Nachrichten, Telefonate und Gruppen-Chats bleiben komplett werbefrei und Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Selbst Meta kann diese Inhalte nicht mitlesen.

Über 1,5 Milliarden Menschen weltweit nutzen den Status-Bereich täglich. Für Meta bedeutet das ein enormes Umsatzpotenzial. Analysten schätzen, dass der Konzern langfristig über zehn Milliarden Dollar pro Jahr allein mit WhatsApp-Werbung verdienen könnte.

80% Marktanteil in Deutschland für WhatsApp
80% Marktanteil in Deutschland für WhatsApp

USA: Tests laufen – Reaktionen sind durchwachsen

In den USA läuft die Werbung bereits seit Mitte 2025 im Testbetrieb. Die Reaktionen in sozialen Netzwerken fallen überwiegend negativ aus. Viele Nutzer sprechen von „Vertrauensbruch“, Kommentare wie „das Ende einer Ära“ sind häufig.

Besonders schmerzhaft: Die App-Gründer Brian Acton und Jan Koum hatten Werbung immer kategorisch ausgeschlossen und verließen das Unternehmen 2014 genau deswegen. Trotz der Empörung zeigen erste Zahlen: Die tatsächliche Wechselbereitschaft ist gering.

Deutschland: Start seit Januar 2026

Für Deutschland und die EU hat sich der Start verzögert. Die irische Datenschutzbehörde bremste Meta zunächst aus. Seit Januar 2026 rollt der Konzern nun auch in Europa schrittweise Werbung aus. Deutsche Nutzer sehen seit Anfang des Jahres erste Anzeigen.

Die Werbung wird personalisiert ausgespielt, basierend auf Standort, Sprache und abonnierten Kanälen. Wer sein WhatsApp-Konto mit Facebook oder Instagram verknüpft hat, bekommt plattformübergreifend abgestimmte Anzeigen. Die Datenschutzorganisation NOYB kritisiert das scharf. Meta betont, Telefonnummern würden nicht an Werbetreibende weitergegeben.

Werden die Deutschen zahlen oder die Werbung akzeptieren?

Eine Umfrage des Instituts ibi research aus dem Juli 2025 gibt erste Hinweise: Trotz aller Kritik werden viele Deutsche WhatsApp einfach weiterverwenden. 35 Prozent der Befragten gaben an, den Dienst im gleichen Umfang wie bisher nutzen zu wollen. 17 Prozent planen, ihn seltener zu verwenden, zwölf Prozent deutlich weniger. Nur sieben Prozent ziehen ernsthaft einen Wechsel zu einem anderen Messenger in Betracht. Fast ein Drittel ist noch unentschlossen.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: WhatsApp hat in Deutschland eine Verbreitung von über 80 Prozent bei den über 16-Jährigen. Telegram kommt nur auf 16 Prozent, Signal auf gerade einmal neun Prozent. Dieser massive Netzwerkeffekt macht einen Wechsel extrem schwer. Wer zu Signal oder Threema wechselt, verliert den direkten Kontakt zu Freunden, Familie, Arbeitskollegen, Sportvereinen und WhatsApp-Gruppen. Viele sind faktisch auf WhatsApp angewiesen.

Interessant auch: Für über 50 Prozent der Befragten ist der Status-Bereich ohnehin weitgehend irrelevant. Sie schauen sich weder Status-Meldungen von Kontakten an noch folgen sie irgendwelchen Kanälen. Für diese Nutzer ändert sich durch die Werbung praktisch gar nichts – solange private Chats tatsächlich werbefrei bleiben.

Finger tippt auf WhatsApp-App-Symbol

WhatsApp war schon mal kostenpflichtig

Übrigens: Für Meta schließt sich damit ein Kreis. WhatsApp war nicht immer kostenlos. Bis Januar 2016 kostete die App 89 Cent pro Jahr. Dann wurde sie komplett gratis – unter anderem, weil die EU-Kommission Druck machte wegen intransparenter Datennutzung und irreführender Versprechen bei der Facebook-Übernahme.

Jetzt, gut zehn Jahre nach der Übernahme, soll die Plattform endlich substanzielle Einnahmen bringen. Meta hat Milliarden in die Infrastruktur und KI-Entwicklung investiert – diese Kosten will der Konzern refinanzieren.

Zahlen, Werbung akzeptieren oder wechseln?

Die kommenden Monate werden zeigen, wie viele Menschen bereit sind, vier Euro pro Monat zu zahlen – und wie viele die Werbung einfach hinnehmen. Für Status-Muffel ändert sich kaum etwas. Für aktive Status-Nutzer wird es nervig. Und für Datenschutz-Bewusste bleibt die Frage: Will ich wirklich, dass Meta noch mehr Daten über mich sammelt?

WhatsApp bleibt vorerst der dominierende Messenger in Deutschland. Ob das so bleibt oder ob Alternativen wie Signal an Bedeutung gewinnen, entscheidet sich jetzt.