Ihr seid nicht berühmt, nicht in der Zeitung, kurz: Ein ganz normaler Mensch, kein Promi. Plötzlich sprechen euch Menschen auf Dinge an, die sie eigentlich nicht wissen sollten. Das muss nicht bedeuten, dass ihr gestalked wurdet, Oft sind es ganz alltägliche Dinge, die dazu führen können. Wir zeigen euch, welche.
Die Nutzung des Internets ist schon lange keine Ausnahme mehr, sondern die Regel. Ihr verbringt am Tag eine Menge Zeit im Internet: Bei der Arbeit, beim Entspannen in sozialen Netzwerken, beim Lernen, Einkaufen und Chatten mit Freunden und Bekannten. Da läuft ein wenig nebenher, dass ihr dabei immer wieder Informationen eingebt, die auf euch zurückzuführen sind. Ob ihr einen Kommentar in einer öffentlichen Facebook-Gruppe schreibt, eine Rezension bei Amazon abgebt, von anderen Menschen erwähnt werdet: Euer Name und die zugehörigen Informationen finden sich an vielen Stellen im Netz.
Die digitale Spur
Glaubt ihr nicht? Dann probiert mal folgendes:
- Öffnet eurem Browser und ruft http://www.google.com auf.
- Gebt euren Namen ein.
- Freut euch an der Menge der Fundstellen, von denen ihr die meisten vermutlich noch nicht kanntet!
Nun ist es ja nicht so, dass ihr freiwillig Daten bestimmt und diese durch einen Knopfdruck veröffentlicht. Und in den meisten Fällen seid ihr nicht so berühmt, dass sich jemand die Mühe macht, eine Webseite über euch und die bekannten Informationen online zu stellen.
Das Internet ist genau darauf ausgelegt, dass es nicht vergisst und Informationen auch aus den entlegensten Ecken heraussucht und auf Anfrage bereitstellt.
Suchmaschinen als Spürhunde
Suchmaschinen wie Google und bing durchsuchen das Internet in regelmäßigen Abständen und schreiben die gefundenen Informationen in den Suchindex. Das ist eine große Datenbank, die die Suche beschleunigt. Jeder, der auf das Internet zugreifen kann, wird automatisch aus den darin gefundenen Daten mit Informationen versorgt.
Die Quelle für die Suchmaschinen sind öffentlich zugängliche Internetseiten. Wenn ihr also irgendwo einen Kommentar hinterlasst, der sich nicht hinter dem Schutz einer Anmeldung an der entsprechenden Webseite versteckt, eine Rezension für ein Produkt abgebt oder euch anders öffentlich äußert, dann wird meist euer Name mit angezeigt. Diese Daten findet Google natürlich.
Social Media: Öffentliche Freunde
Die Nutzung von Social Media-Diensten wie Facebook, Instagram, X, Threads und anderen ist ein normaler Teil unserer Kommunikation mit anderen Menschen geworden, oft sogar der größte. Informationen, die ihr dort teilt, sind per se erst einmal öffentlich. Auch wenn ihr euch anmeldet, dann bedeutet das nicht, dass eure Beiträge nicht öffentlich einsehbar sind:
- Ihr meldet euch bei Facebook an, dann geht ihr davon aus, dass eure Beiträge nur innerhalb Facebooks und nur von Freunden gelesen werden können. Das ist aber nicht automatisch so, denn oft werden die Beiträge erst einmal automatisch als öffentlich markiert (und sind damit für alle Anwender lesbar).
- Erst, wenn ihr eure Privatsphäreeinstellungen anpasst, schließt ihr die Öffentlichkeit aus.
- Bestimmte Dienste wie beispielsweise Instagram sind sogar darauf ausgelegt, dass ihr eure Beiträge öffentlich teilt, das Umstellen auf eine private Kommunikation nur für bestimmte Benutzer schränkt die Nutzung massiv ein.
Öffentliches Forum, öffentliche Sichtbarkeit
Ein oft vernachlässigter Punkt: Auch wenn ihr eure Beiträge so absichert, dass nur bestimmte Personen (und damit beispielsweise auch keine Suchmaschinen) sie sehen können, so gilt das bei Kommentaren nicht automatisch.
- Ihr lest auf Facebook die Beiträge eines Prominenten mit und kommentiert diese auch. Meistens sind diese Konten – weil sie ja möglichst viele Menschen erreichen sollten – auf öffentlich gestellt.
- Das heißt, dass jeder Besucher sie sehen (und kommentieren) kann. Damit ist euer Kommentar natürlich auch öffentlich und wird von den Suchmaschinen erfasst!
Am Ende ist es eine einfache Abwägung: Wer digitale Reichweite will, der muss möglichst viele Menschen erreichen. Damit wird er seine Beiträge auch jedem möglichen Leser zur Verfügung stellen, ohne Prüfung, ohne Filterung. Damit sind automatisch alle Informationen aus einer solchen Kommunikation frei verfügbar.
Andere öffentliche Quellen
Die Herausforderung bei der Kontrolle über die eigene digitale Identität ist ja nicht nur, dass ihr selbst sehr bewusst darauf achten müsst, wo ihr was veröffentlicht. Ihr müsst auch berücksichtigen, dass es bestimmte Stellen gibt, die Informationen veröffentlichen (müssen). Wenn eure Daten bei einer solchen Stelle gespeichert sind, dann kommen sie gegebenenfalls automatisch an die Öffentlichkeit. Das trifft beispielsweise
- Vereinsregister (die die Verantwortlichen und den Zweck des Vereins veröffentlichen müssen)
- Das Handelsregister (über das übrigens das Vereinsregister einsehbar ist).
Hier werden dann beispielsweise Änderungen an den Verantwortlichen, an der Satzung und den Vertretungsberechtigten offiziell und öffentlich verkündet.
Auch viele Altlasten sind ein Quell von Informationen über euch: Habt ihr euch früher mal in einem Forum angemeldet und dort Beiträge geschrieben? Das Thema Datenschutz und Anonymität ist noch nicht so lange so präsent. Viele ältere Dienste und Webseiten haben die Beiträge öffentlich sichtbar.
Nutzt Ihr Bewertungsportale wie Trustpilot, Kununu oder Yelp? Die sind ja gerade darauf ausgelegt, dass sie allen Besuchenden möglichst viele Informationen bereitstellen. Eure Bewertungen darauf sind automatisch öffentlich und erlauben einigen Einblick in Eure Vorlieben und Meinungen. Das selbe gilt natürlich auch für Online-Händler wie Amazon, bei denen die Rezensionen auch zum öffentlich zugänglichen Teil gehören.
