Algorithmen bestimmen zunehmend, was wir anschauen oder anhören

Algorithmen in Streamingportalen und Social Media

Algorithmen bestimmen unser digitales Leben: Sie schlagen Produkte vor, neue Filme oder Serien, Musik – oder Postings und Meldungen auf Social Media. Das alles intransparent und keineswegs immer zu unserem Vorteil.

Algorithmen bestimmen unser Leben. Sie entscheiden, wann der Wecker klingelt, welche Nachrichten oder Meldungen in der Timeline von Social Media auftauchen – oder welche Bücher, Filme oder Serien uns empfohlen werden. Sie entscheiden also für uns – und wir wissen gar nicht, wer sie programmiert hat, wie sie funktionieren und ob sie wirklich uns dienen – oder den kommerziellen Betreibern.

Das ZDF ist mit gutem Beispiel vorangegangen: Der Sender hat die Entscheidungsalgorithmen der ZDF-Mediathek öffentlich gemacht.

Algorithmen sind Programmabläufe, die ständig Entscheidungen fällen
Algorithmen sind Programmabläufe, die ständig Entscheidungen fällen

Algorithmen: die unsichtbaren Entscheider

Welche Rolle spielen Algorithmen ganz genau, zum Beispiel wenn ich mir bei Netflix etwas anschaue oder in einem Onlineshop etwas einkaufe – wie funktioniert das eigentlich?

Amazon war der erste Onlineshop, der diese Empfehlung hatte: Kunden, die das gekauft haben, die haben auch das gekauft“. Als das 1998 eingeführt haben, war das völlig neu. Experten sind sich einig: Dieses Konzept, dieser Algorithmus dahinter war der Schlüssel zum Erfolg und hat Amazon zu dem Riesen gemacht, den wir heute kennen.

Heute sind diese Algorithmen sehr viel ausgefeilter – und alle benutzen sie. Algorithmen sind Computerprogramme, die Daten sammeln und auswerten. Nach strengen Vorgaben. Heute begegnen wir solchen Algorithmen auch auf Social Media: Was bei Facebook, Instagram oder TikTok zu sehen ist, entscheidet der Algorithmus.

Er „weiß“, was uns sehr, sehr wahrscheinlich gefallen wird. Weil er uns kennt, und weil er Menschen kennt, die so ähnlich ticken wie wir – und das Verhalten vergleicht und überträgt. So machen es auch die Empfehlungsalgorithmen bei Streamingdiensten.

Klar, wenn ich viel Action schaue – dann ist es eher unwahrscheinlich, dass ich Kuschelfilme anschaue – und umgekehrt. Nicht ganz so simpel, aber im Prinzip. Fertig sind die Empfehlungen.

Algorithmen sortieren Playlisten oder machen Vorschläge
Algorithmen sortieren Playlisten oder machen Vorschläge

KI ersetzt Algorithmen – teilweise

Viele fragen sich da: Aber übernimmt nicht zunehmend KI solche Aufgaben?

Das stimmt. Allerdings ist KI derzeit noch etwas zu träge, dass blitzschnell zu tun, etwa beim Scrollen in der Timeline. Aber das wird auch noch kommen.

Derzeit sind es noch eher Algorithmen. Wenn allerdings KI die Entscheidungen fällt, wird es noch schwieriger nachzuvollziehen, wie die Entscheidungen zustande kommen und welche Daten verwendet wurden – egal ob es sich um eine KI handelt, die Kreditanträge bearbeitet oder Empfehlungen im Streamingportal ausspricht.

Intransparente Algorithmen

Nun sind Empfehlungen doch etwas Gutes: Wir bekommen aus dem riesigen Angebot gezeigt, was uns noch gefallen oder interessieren könnte. Wieso ist das problematisch?

Das ist aus unterschiedlichen Gründen manchmal problematisch. Zum Beispiel dann, wenn Algorithmen uns in Social Media nur das zeigen, was in meiner Bubble passiert – und alles andere bleibt unsichtbar. Wenn Algorithmen nur das präsentieren, was erfahrungsgemäß aufregt – eher Fake News auf Social Media zB. –, aber nicht das, was richtig ist oder Qualität bietet.

Was leider genau so ist. Die Algorithmen sind so programmiert, den Anbietern den optimalen Nutzen zu bieten: Maximale Aufenthaltszeit im Netzwerk, maximale Einkaufskörbe, maximale Zufriedenheit mit dem Streamingdienst.

Dabei geht in der Regel Vielfalt verloren. Nicht gut für die Medienkompetenz, nicht gut für die Kultur. Das bedeutet am Ende eine Verarmung für die Gesellschaft. Ein weiteres Problem ist aber, dass wir nicht wissen, wie die Entscheidungen zustande kommen. Es gibt keine Transparenz.

Algorithmen sind in der Regel intransparent: Niemand versteht, wie sie entscheiden
Algorithmen sind in der Regel intransparent: Niemand versteht, wie sie entscheiden

Öffentliche Algorithmen = Transparenz

Google, Meta und Co. machen ihre Algorithmen nicht öffentlich – sie sind wie der heilige Gral. Das ZDF ist nun aber einen ganz anderen Weg gegangen und hat den Entscheidungsalgorithmus von der ZDF Mediathek Ende 2023 öffentlich gemacht.

Jeder kann sich ansehen, welche Algorithmen das ZDF benutzt, um die vielen unterschiedlichen Empfehlungen auszusprechen. Sie sind frei zugänglich. Das ist hervorragend, denn so kann sich jeder anschauen, welche Daten das ZDF erhebt und verarbeitet und wie die Entscheidungen zustande kommen.

Das schafft Vertrauen und ist bei einem ÖR-Angebot enorm wichtig. Ein ZDF hat keine kommerziellen Interessen und macht seinen Zuschauern auch Empfehlungen außerhalb des üblichen Interessensspektrums, was Serendipität genannt wird – und hat damit Erfolg.

https://github.com/zdf-opensource/recommendations-pa-base

Netflix zB hat ganz andere Interessen. Sie wollen die Leute im Dienst halten und nutzen die Daten auch zur Optimierung von Konzepten und Drehbüchern, weil sie genau sehen, ob eine Szene doppelt angeschaut oder übersprungen wird zB. Hier wäre es sehr interessant, mal in die Algorithmen zu schauen. Die Vorgehensweise des ZDF ist vorbildlich.

 

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