Apples App-Store muss ab März Wettbewerb zulassen, so sieht es der Digital Markets Act vor

Apple öffnet seinen App-Store nur bedingt

Aufgrund neuer EU-Vorschriften muss Apple seinen bislang strikt exklusiven App-Store öffnen und auch Downloads aus anderen Quellen zulassen. Für iPhone, iPad und andere Apple-Produkte bedeutet das mehr Auswahl – aber auch Risiken. Die Hintergründe und warum es Kritik an Apples Plänen gibt.

Der „Digital Markets Act“ (DSA) der EU verlangt von sogenannten „Gatekeepern“ wie Apple oder Google ab März fairen Wettbewerb. Das bedeutet auch, dass ein geschlossener App-Store wie bei Apple bisher üblich dann nicht mehr erlaubt ist.

Bislang entscheidet Apple allein, welche Apps auf den App-Stores von iPhone, iPad oder Mac-Rechnern auftauchen und geladen werden können – und zuweilen auch, was sie dürfen und was nicht.

Ab März auch Downloads aus alternativen Quellen

Das muss sich ändern – und wird es auch. Apple hat jetzt angekündigt, den App-Store in der EU ab März zu öffnen. Doch anders als erwartet bedeutet das nicht, dass Apple-Nutzer ab März, wenn sie es ausdrücklich wollen, auch Apps aus jeder beliebigen anderen Quelle laden können (wie bei dem Google Play Store). Stattdessen sieht Apple vor, dass Dritten nun neue „Marktplätze“ einrichten können, alternativ zu Apples eigenem App-Store.

Apple behält so weiter die Kontrolle. Denn Apple behält sich vor, nun zwar nicht mehr die einzelnen Apps auf den alternativen Stores zu kontrollieren, wohl aber die Marktplätze selbst. Die alternativen Stores müssen sich von Apple vorher Mindeststandards hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz prüfen lassen und eine Million Dollar als Bürgschaft vorweisen.

Allein diese Bedingung schließt viele mögliche (vor allem kleinere) Anbieter aus.

Bislang kontrolliert Apple den App-Store komplett. Pluspunkt: Mehr Sicherheit
Bislang kontrolliert Apple den App-Store komplett. Pluspunkt: Mehr Sicherheit

Eingeschränkte Freiheit – aber mehr Sicherheit?

Es bestehen begründete Zweifel, dass das reicht, um den Vorschriften des Digital Market Acts zu genügen. In anderen Ökosystemen ist es anders: Wer zum Beispiel ein Android-Handy benutzt, kann frei wählen: Entweder Apps aus dem offiziellen App-Store laden.

Hier sind die Apps von Google auf Sicherheitsstandards und viele andere Aspekte hin überprüft – ein Download ist vergleichsweise sicher. Oder Apps auch aus jeder beliebigen Quelle laden. Das bedeutet zwar maximale Freiheit, ist aber mit einem erheblichen Sicherheitsrisiko verbunden.

Tatsächlich gibt es in der Android-Welt erhebliche Sicherheitsrisiken, da Downloads außerhalb des offiziellen App-Stores regelmäßig mit Malware (Schad-Code) infiziert sind. In Apples Ökotop gibt es das bislang nicht: Es gibt nur selten Apps, die spionieren oder Schaden anrichten. Apple argumentiert, das müsse auch unbedingt so bleiben, deswegen soll es keine Downloads aus beliebigen Quellen geben. Apple argumentiert, die Sicherheit sei so relevant, dass deshalb nur Marktplätze infrage kommen, die Sicherheitsstandards genügen.

Ab März (etwas) mehr Freiheit

Ab März und ab iOS 17.4 können Nutzer Apps aus unterschiedlichen Stores laden. So können künftig auch andere Entwickler Apps anbieten, etwa große Games-Studios, solange sie Apples Richtlinien einhalten, einschließlich Maßnahmen gegen Betrug und die Abwicklung von Zahlungsstreitigkeiten.

Darüber hinaus müssen die auf den alternativen Marktplätzen angebotenen Apps von Apple „beglaubigt“ werden, um als sicher zu gelten. Eine Maßnahme, die es auch auf Mac-Rechnern schon länger gibt – und sich durchaus bewährt hat.

Apple hat komplette Transparenz eingeführt
Apple hat komplette Transparenz eingeführt

Ab März (etwas) mehr Freiheit

Doch es regt sich Kritik an Apples Plänen, denn eine maximale Freiheit besteht damit nicht. Nur weniger Anbieter haben das Geld und die Kapazitäten, den Bedingungen für einen alternativen Marktplatz gerecht zu werden.

Doch es geht auch ums Geld. Statt der sonst üblichen 30% Provision bei Verkäufen über den App-Store verlangt Apple in den alternativen Marktplätzen 17% Provision für In-App-Käufe, selbst wenn diese über dritte Zahlungsdienste abgewickelt werden. Alle Apps, die mehr als eine Million Downloads im Jahr erreichen, müssten zudem eine „Technikgebühr“ („Core Technology Fee“) von 50 Cent pro App an Apple zahlen.

Das bedeutet: Apple verdient auch weiterhin kräftig an den Verkäufen in Apps, selbst wenn die in alternativen Marktplätzen erfolgen. Das kalifornische Unternehmen möchte die attraktive Einnahmequelle behalten: In 2022 hat der Konzern 1,1 Milliarden Dollar mit den App-Stores verdient.

Kritiker bezweifeln, dass diese Neuerungen, insbesondere das Festhalten an Zwangszahlungen dem „Digital Markets Act“ genügt.

 

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