Apple Siri setzt auf Google statt auf Bing

von | 26.09.2017 | iOS, macOS

Wenn Apple-Nutzer Siri eine Frage stellen oder mit Spotlight etwas suchen, wird im Hintergrund auch eine Suchmaschine befragt. Das war lange Zeit Bing – seit einigen Jahren ist aber Google die erste Wahl. Ein Wechsel, der mehr über die Tech-Branche verrät, als es zunächst scheint.

Apple hat trotz enormer Ressourcen keine eigene vollwertige Suchmaschine entwickelt und bleibt daher auf Partner angewiesen. Die Entscheidung, von Microsoft Bing auf Google zu wechseln, betrifft sowohl den Sprachassistenten Siri als auch die Systemsuche Spotlight unter iOS und macOS. Was damals noch Schlagzeilen machte, ist heute längst Alltag geworden.

Google zahlt Milliarden für Apple-Nutzer

In Safari nutzt Apple schon seit über einem Jahrzehnt Google als Standard-Suchmaschine. Die Begründung für die Vereinheitlichung: Apple möchte konsistente „Sucherlebnisse“ auf allen Geräten bieten. Ein nachvollziehbares Argument aus UX-Sicht. Die finanziellen Dimensionen sind dabei beeindruckend: Google zahlte Apple zuletzt schätzungsweise 18-20 Milliarden Dollar jährlich dafür, Standard-Suchmaschine zu bleiben. Diese Summe ist seit dem ursprünglichen Deal kontinuierlich gestiegen und macht einen erheblichen Teil von Apples Services-Umsatz aus.

Für Google ist diese Investition trotz der enormen Summe ein lukratives Geschäft. Apple-Nutzer gelten als besonders kaufkräftig und generieren überdurchschnittlich viele wertvolle Suchanfragen. Jeder Klick, jede Suche über Siri oder Spotlight fließt in Googles Datensammlung ein und stärkt die Marktposition.

KI verändert das Suchspiel

Die Suchlandschaft hat sich seit 2017 dramatisch gewandelt. ChatGPT und andere KI-Assistenten haben gezeigt, dass Nutzer oft konkrete Antworten statt Listen von Links wollen. Apple hat darauf reagiert und Siri deutlich intelligenter gemacht. Seit iOS 18 nutzt Siri fortgeschrittene Machine Learning-Modelle, die lokale Verarbeitung mit Cloud-Suchen kombinieren.

Interessant dabei: Während Siri für faktuelle Fragen weiterhin auf Google zurückgreift, verarbeitet Apple viele Anfragen mittlerweile direkt auf dem Gerät. Das betrifft vor allem persönliche Daten, App-Steuerung und Geräte-Einstellungen. Nur bei komplexeren Web-Suchen kommt Google ins Spiel.

Microsoft verliert, aber nicht überall

Microsoft Bing spielt bei Apple heute eine untergeordnete Rolle, hat aber nicht komplett verloren. Bei der Bildersuche setzt Apple teilweise noch auf Bing-Technologie, besonders wenn es um KI-gestützte Bilderkennung geht. Microsofts Stärken liegen hier in der Integration mit Office-Produkten und speziellen B2B-Anwendungen.

Microsoft konzentriert sich ohnehin stärker auf die Integration von ChatGPT in Bing und Windows. Der Verlust der Apple-Partnerschaft schmerzt, aber Redmond hat andere Prioritäten gesetzt. Die Investitionen in OpenAI und eigene KI-Modelle zeigen Wirkung – auch wenn die Marktanteile bei der klassischen Suche weiterhin bescheiden bleiben.

Was bedeutet das für Nutzer?

Für Apple-User hat der Wechsel zu Google vor allem Vorteile gebracht: Die Suchergebnisse sind konsistenter und oft relevanter als früher mit Bing. Besonders bei lokalen Suchen und aktuellen Themen liefert Google meist bessere Resultate. Wer Siri nach Restaurants, Öffnungszeiten oder aktuellen Nachrichten fragt, bekommt präzisere Antworten.

Privacy-bewusste Nutzer sehen das kritischer. Jede Siri-Suche landet letztendlich bei Google und fließt in das umfassende Profil ein, das der Suchriese über jeden Nutzer anlegt. Apple betont zwar, dass Anfragen anonymisiert werden, aber komplett ausschließen lässt sich Tracking nicht.

Alternativen für bewusste Nutzer

Wer nicht möchte, dass Google alle Suchanfragen mitbekommt, kann in den iPhone-Einstellungen die Standard-Suchmaschine in Safari ändern. DuckDuckGo, Startpage oder Ecosia stehen zur Auswahl. Das betrifft aber nur Browser-Suchen – Siri-Anfragen laufen weiterhin über Google.

Eine echte Alternative wäre Apples eigene Suchmaschine. Gerüchte darüber gibt es seit Jahren, konkrete Schritte sind aber nicht erkennbar. Der lukrative Google-Deal macht eigene Entwicklungen wirtschaftlich unattraktiv – warum Milliarden investieren, wenn Google sie freiwillig zahlt?

Die Partnerschaft zwischen Apple und Google bleibt damit eines der interessantesten Beispiele dafür, wie selbst Konkurrenten im Tech-Bereich voneinander profitieren können. Auch wenn beide Unternehmen in vielen Bereichen hart konkurrieren, ist die Suche eine Win-Win-Situation – jedenfalls solange die Kartellbehörden nicht eingreifen.

Zuletzt aktualisiert am 01.04.2026