Apple kapituliert: Siri bekommt ein Gehirn von Google

von | 13.01.2026 | iOS, KI

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Apple und Google haben eine mehrjährige Partnerschaft geschlossen. Googles KI-Modell Gemini wird künftig das Herzstück von Siri bilden. Für Apple ist das ein historischer Schritt – und ein Eingeständnis eigener Schwäche.

Lange galt Apple als Meister der vertikalen Integration. Hardware, Software, Services – alles aus einer Hand, alles perfekt aufeinander abgestimmt. Doch ausgerechnet beim wichtigsten Technologie-Trend unserer Zeit muss Cupertino nun um Hilfe bitten. Und zwar ausgerechnet bei Google, dem ewigen Rivalen.

Der Rückstand war nicht mehr zu übersehen

Wer in den letzten Monaten Siri mit ChatGPT oder Gemini verglichen hat, konnte nur den Kopf schütteln. Während die Konkurrenz komplexe Aufgaben erledigte, Code schrieb und kreative Texte verfasste, stolperte Siri schon bei einfachen Anfragen. Der digitale Assistent wirkte wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.

Apple hatte auf der Entwicklerkonferenz WWDC 2024 zwar vollmundig eine Revolution versprochen. Eine kontextbewusste Siri, die Informationen aus verschiedenen Apps verknüpft und wirklich intelligente Hilfe leistet. Doch der Starttermin wurde mehrfach verschoben. Erst hieß es 2024, dann 2025, jetzt ist Frühjahr 2026 im Gespräch.

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Eine Milliarde Dollar pro Jahr für Google

Die Details der Vereinbarung sind bemerkenswert: Apple zahlt Google Berichten zufolge rund eine Milliarde Dollar jährlich für den Zugang zu einem maßgeschneiderten Gemini-Modell. Das Modell verfügt über 1,2 Billionen Parameter – eine schwindelerregende Zahl. Zum Vergleich: Apples aktuelle Cloud-basierte KI-Modelle arbeiten mit etwa 150 Milliarden Parametern.

Gemini soll nicht nur Siri aufmöbeln, sondern die gesamte Apple Intelligence auf ein neues Niveau heben. Dazu gehören komplexe Zusammenfassungen, mehrstufige Aufgabenplanung und tieferes Verständnis persönlicher Kontexte. Apple verspricht, dass dabei die gewohnten Datenschutzstandards eingehalten werden. Die Modelle sollen auf Apples eigener Private Cloud Compute Infrastruktur laufen – ohne dass Google Zugriff auf Nutzerdaten erhält.

Für Google ist es ein Triumph

Für Google kommt die Partnerschaft zur perfekten Zeit. Der Suchriese hat bei der KI-Entwicklung massiv aufgeholt. Noch Ende 2022, als ChatGPT seinen Siegeszug antrat, herrschte in Mountain View Code Red – Alarmstufe Rot. Seitdem hat Google mit Gemini 3 und den populären Bildgenerierungs-Tools der Nano-Banana-Reihe enormen Boden gutgemacht.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Gemini verzeichnete im Dezember 2025 einen Traffic-Zuwachs von über 560 Prozent im Jahresvergleich. ChatGPT hingegen erlebte erstmals seit zwei Jahren zwei aufeinanderfolgende Monate mit sinkendem Traffic. Der Vorsprung von OpenAI schmilzt.

Die Apple-Partnerschaft ist für Google aber nicht nur ein finanzieller Erfolg. Sie ist auch ein gewaltiger Vertrauensbeweis. Wenn Apple nach sorgfältiger Evaluation – angeblich wurden auch OpenAI und Anthropic getestet – zu dem Schluss kommt, dass Gemini die beste Grundlage bietet, ist das ein starkes Signal an den Markt.

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Was bedeutet das für uns Nutzer?

Kurzfristig: vermutlich eine deutlich bessere Siri. Der Sprachassistent soll endlich verstehen, was wir wirklich wollen. Apple demonstrierte Szenarien, in denen Siri Flugdaten aus E-Mails mit Restaurantreservierungen aus Nachrichten verknüpft. Klingt simpel, war bisher aber unmöglich.

Die ChatGPT-Integration in Apple-Geräten bleibt vorerst bestehen. Sie kommt weiterhin zum Einsatz, wenn die lokalen Modelle an ihre Grenzen stoßen. Langfristig dürfte Apple aber verstärkt auf Gemini setzen.

Kritische Stimmen werden lauter

Nicht alle sind begeistert. Elon Musk – selbst mit seiner KI Grok am Markt – spricht von einer „unangemessenen Machtkonzentration“. Tatsächlich wirft die Partnerschaft Fragen auf: Google bezahlt Apple bereits rund 20 Milliarden Dollar jährlich dafür, als Standard-Suchmaschine auf iPhones zu erscheinen. Nun fließt zusätzlich Geld für KI-Technologie.

Die beiden Tech-Giganten werden damit noch enger verzahnt – in einer Zeit, in der Google wegen seiner Suchmaschinen-Dominanz bereits kartellrechtliche Probleme hat. Ein Richter stellte im August 2024 fest, dass Google ein illegales Monopol bei der Internet-Suche aufgebaut hat.

Apple sieht es als Übergangslösung

Interessant ist Apples langfristige Strategie: Offenbar betrachtet man Gemini nur als Brückentechnologie. Im Hintergrund arbeitet Cupertino weiter an eigenen Modellen. Ein Cloud-basiertes Modell mit einer Billion Parametern soll bereits 2026 oder 2027 einsatzbereit sein.

Apple hat dieses Muster schon öfter gezeigt: Bei den Karten stützte man sich zunächst auf Google Maps, bis Apple Maps bereit war. Beim Wetter nutzte man lange die Daten von Weather Channel. Und bei den Chips wechselte man von Intel zu hauseigenen Prozessoren, als diese leistungsfähig genug waren.

Was wir daraus lernen können

Die Partnerschaft zeigt, wie ernst Apple den KI-Rückstand nimmt. Lieber einen Deal mit dem Erzrivalen eingehen als weiter hinterherhinken. Das ist pragmatisch – und für Apple-Verhältnisse geradezu demütig.

Für uns als Nutzer könnte sich das Warten auf eine brauchbare Siri endlich lohnen. Und Google? Das Unternehmen zeigt einmal mehr, dass es im KI-Rennen wieder ganz vorne mitspielt. Der Code Red von 2022 scheint nur noch eine ferne Erinnerung zu sein.