Mit Data Fairplay gibt es schon eine ganze Weile einen Anbieter, der es Nutzern ermöglicht, ihre eigenen Daten zu verkaufen – an die Industrie zum Beispiel. Vorteil für die Nutzer: Sie verdienen daran, dass ihre Daten weitergegeben werden – und können selbst entscheiden, wer sie bekommt.
Egal ob ihr bei Instagram etwas postet, bei TikTok scrollt, bei Google etwas sucht oder bei Amazon bestellt: Es fallen Daten an, jede Menge Daten, die von Digitalkonzernen gesammelt und zu Geld gemacht werden. Meta, Google, Amazon und Co. generieren Milliardenumsätze mit unseren persönlichen Informationen.
Immer profitieren andere davon, dass sie unsere Daten sammeln, mit KI auswerten und zu personalisierten Werbeprofilen verarbeiten – warum sollen wir nicht auch mal selbst davon profitieren? Das ist die Idee hinter DataFairplay, einem Onlineprojekt, über das jeder seine eigenen Daten verkaufen kann.
Das Portal Data Fairplay wurde vor einigen Jahren mit der Idee gegründet, dass hier jeder User selbst entscheiden kann, wer seine Daten erhalten soll. Ihr tragt eure Stammdaten ein, etwa Name, Wohnort, Geburtsjahr etc. und könnt auch Angaben zu Hobbys, Interessen und Konsumverhalten machen.
Wenn ein Unternehmen Interesse an den Daten hat, könnt ihr entscheiden, ob die Daten weitergegeben werden dürfen – und bekommt in dem Fall eine Provision. Ihr verdient also konkret daran, dass sich Unternehmen für euch interessieren. Natürlich müsst ihr dann auch damit leben, dass ihr angeschrieben, angemailt oder angerufen werdet. Schließlich steckt bei den Unternehmen, die für die Datensätze Geld bezahlen, auch eine konkrete Verkaufsabsicht dahinter.
Transparenz statt Heimlichkeit
Der große Unterschied zum üblichen Vorgehen der Tech-Giganten: Ihr behaltet die Kontrolle über eure Daten und verdient selbst daran. Während Facebook, Google und Co. eure Daten ohne direkte Kompensation monetarisieren, setzt Data Fairplay auf Transparenz und faire Teilhabe.
Das funktioniert durchaus. Ihr seht konkret, welche Unternehmen sich für euch interessieren und auch warum, also welche Interessen eine Rolle spielen. Ihr seht auch, was sich mit den Daten verdienen lässt – etwa 5 EUR für eine lokale Werbemaßnahme, 15 EUR für eine Produktumfrage oder bis zu 50 EUR für umfangreiche Marktforschungsstudien.
Es ist durchaus interessant und lehrreich zu sehen, was die eigenen Daten eigentlich wert sind – und ganz nebenbei verdient ihr auch noch Geld. Keine riesigen Beträge, aber regelmäßige Nutzer können durchaus 200-400 EUR pro Jahr erwirtschaften.
DSGVO macht’s möglich
Seit der Einführung der DSGVO 2018 haben sich die Rahmenbedingungen für solche Plattformen deutlich verbessert. Nutzer haben heute mehr Rechte bezüglich ihrer Daten und können explizit der Verarbeitung zustimmen oder sie ablehnen. Data Fairplay nutzt diese rechtlichen Möglichkeiten und macht sie für Verbraucher praktisch nutzbar.
Die Plattform hat ihr Angebot in den letzten Jahren erweitert: Neben klassischen Marktforschungsanfragen gibt es jetzt auch Möglichkeiten, an KI-Trainingsdaten teilzunehmen. Unternehmen, die Machine Learning-Modelle trainieren, sind bereit, für qualitativ hochwertige, ethisch korrekt erhobene Daten zu bezahlen.
Vor- und Nachteile abwägen
Natürlich gibt es auch Nachteile. Wer Werbung und kommerzielle Kontaktaufnahme kritisch gegenübersteht – und dafür gibt es gute Gründe –, wird durch die Teilnahme Teil des Systems, anstatt es zu durchbrechen. Das füllt zwar das eigene Portemonnaie, aber ihr werdet Teil der Werbemaschinerie.
Außerdem kann trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nicht völlig ausgeschlossen werden, dass Daten in falsche Hände geraten oder gegen euren Willen weiterverwendet werden. Data Fairplay arbeitet zwar mit verifizierten Partnern zusammen und hat Sicherheitsstandards etabliert, aber ein Restrisiko bleibt.
Alternativen entstehen
Mittlerweile gibt es auch andere Ansätze für faire Datenvermarktung. Blockchain-basierte Lösungen wie Ocean Protocol oder dezentrale Plattformen experimentieren mit ähnlichen Konzepten. Auch große Tech-Konzerne diskutieren zunehmend über „Data Dividends“ – Gewinnbeteiligungen für Nutzer.
Wer grundsätzlich von Werbung im Internet genervt ist und kommerzielle Datennutzung ablehnt, sollte bei solchen Plattformen nicht mitmachen. Wer aber ohnehin schon Daten preisgibt und dabei wenigstens mitverdienen möchte, findet hier eine interessante Alternative zum kostenlosen Verschenken der eigenen Informationen.
Zuletzt aktualisiert am 01.04.2026


