Wenn Gründer gehen: Googles Wandel zur normalen Firma

von | 04.12.2019 | Internet

Ich googel das mal: Ohne Suchmaschinen wie Google wäre das Internet ohne jeden Zweifel nicht so erfolgreich. Die zwei Männer, die mit Google die mit Abstand populärste Suchmaschine erfunden haben (es gab vorher schon andere Suchdienste), zogen sich bereits 2019 zurück. Über sechs Jahre später zeigt sich: Google hat den Wandel vom Gründer-Unternehmen zur professionellen Tech-Corporation erfolgreich gemeistert – trotz massiver Herausforderungen durch KI-Konkurrenz.

Vor über 26 Jahren hatten zwei Studenten aus Stanford eine Idee, die die Welt verändern sollte: Larry Page und Sergey Brin entwickelten eine Suchmaschine, die blitzschnell alles (im damals winzigen) Internet findet. Endlich kein Katalog mehr, wie früher im Internet üblich, sondern eine echte Suchmaschine! Genial. Das Konzept schlug ein wie eine Bombe – und war der Grundstein für den heutigen Google-Konzern.

Dass sich die beiden Gründer den Schlachtruf „Don’t be evil!“ haben einfallen lassen (Sei nicht böse!), hat den Menschen natürlich auch gut gefallen. Man kann angesichts der schieren Größe des Konzerns und der Datensammelwut aber begründete Zweifel äußern, dass sich das Unternehmen an dieses Konzept gehalten hat.

Google meistert den Post-Gründer-Test

Seit dem Rückzug von Larry Page und Sergey Brin 2019 wird Google vollständig von CEO Sundar Pichai geführt. Der indisch-amerikanische Manager hat das Unternehmen durch turbulente Zeiten navigiert: Kartellverfahren, Datenschutz-Skandale und vor allem die KI-Revolution, die Googles Kerngeschäft bedroht.

Die größte Bewährungsprobe kam Ende 2022 mit ChatGPT. OpenAIs Chatbot schickte Schockwellen durch Google – plötzlich suchten Menschen nicht mehr, sondern fragten eine KI. Pichai reagierte schnell: Google aktivierte den internen „Code Red“ und brachte binnen Monaten Bard (heute Gemini) auf den Markt. Mittlerweile ist Google wieder vorn im KI-Rennen, zumindest technisch.

Der Wandel zur normalen Firma bringt Vor- und Nachteile

Durch den Abgang der Gründer wurde Google eine normale Firma. Geführt von Menschen, die nicht von Anfang an dabei waren. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, wie man am Beispiel von Microsoft sieht. Als Bill Gates ging, übernahm erst Steve Ballmer – und danach Satya Nadella. Der verpasste dem Konzern ein komplett neues Image und stellte ihn wieder auf die Beine. Microsoft ist heute wertvoller denn je.

Auch bei Google zeigen sich positive Effekte: Pichai führt strukturierter als die visionären, aber manchmal chaotischen Gründer. Projekte werden konsequenter verfolgt, weniger experimentiert. Das Unternehmen wirkt erwachsener, professioneller – aber auch weniger innovativ als früher.

Die Gründer-Ära geht zu Ende

Früher oder später gehen sie alle. Auch Apple entwickelte sich nach Steve Jobs‘ Tod unternehmerisch gut – verlor aber zweifellos seine Seele. Tim Cook wird niemals einen charismatischen Typen wie Jobs ersetzen können. Bei Page und Brin bestand diese Gefahr weniger. Die beiden machten sich immer rar, genossen nicht unbedingt das Bad in der Menge.

Allzu viele Gründer bekannter Tech-Unternehmen sind nicht mehr an Bord. Entweder werden die Firmen von größeren Konzernen geschluckt – wie Instagram oder WhatsApp – und die Chefs gehen, weil die neuen Chefs unerträglich sind. Oder sie haben keine Lust mehr, Megakonzerne zu lenken. Denn es macht einen Unterschied, ob man gute Ideen entwickelt – oder Unternehmen führt.

Neue Herausforderungen für Google

Unter Pichais Führung muss Google massive Herausforderungen meistern: Die EU verhängt Milliarden-Strafen wegen Marktmissbrauchs, die USA prüfen eine Zerschlagung des Konzerns. Gleichzeitig greifen KI-Startups das Suchgeschäft an – Perplexity, You.com und andere bieten „Antworten statt Links“.

Dazu kommt der Generationswechsel: Junge Nutzer suchen zunehmend auf TikTok und Instagram statt bei Google. Die klassische Websuche verliert an Relevanz. Pichai muss Google für die Post-Search-Ära fit machen – eine Aufgabe, die selbst die visionären Gründer vor Probleme gestellt hätte.

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob Google den Übergang vom Gründer- zum Manager-Unternehmen langfristig schafft. Die Zeichen stehen gut: Technisch bleibt Google stark, finanziell ohnehin. Aber die Disruption lauert überall – genau wie damals, als zwei Stanford-Studenten die etablierten Suchmaschinen überrollten.

 

Zuletzt aktualisiert am 02.03.2026