Wie waren wir dieses Jahr? Diese Frage stellen sich viele Unternehmen am Ende eines Jahres. Aus gutem Grund, denn irgendwann muss man doch mal Bilanz ziehen. Bei Meta (ehemals Facebook) scheint ein kritischer Blick zurück jedoch weiterhin schwerzufallen. Nach den katastrophalen Jahren seit 2018 hätte man erwarten können, dass das Unternehmen dazulernt. Doch die Reality-Check zeigt: Mark Zuckerberg macht einfach weiter wie bisher – nur mit neuen Technologien und noch größeren Risiken.
Erinnert Ihr euch noch an diese kleinen Facebook-Botschaften, die regelmäßig in der Timeline aufpoppten? „Erinnerungen“ an vergangene Jahre, niedliche Zusammenfassungen in Bildern und Videos? Wenn die Algorithmen ehrlich wären, müsste Zuckerberg seit Jahren nur noch Hiobsbotschaften serviert bekommen.
Denn was 2018 mit dem Cambridge-Analytica-Skandal begann, war nur der Anfang einer endlosen Kette von Verfehlungen, die bis heute anhält.

Von Cambridge Analytica bis zum Metaverse-Desaster
Der Cambridge-Analytica-Skandal von 2018 mit seinen 87 Millionen betroffenen Nutzern war erst der Auftakt. Seitdem ist die Liste der Verfehlungen nur länger geworden: Datenlecks bei Instagram, manipulative Algorithmen, die bewusst Hass und Spaltung fördern, um die Verweildauer zu erhöhen, und die systematische Unterdrückung interner Whistleblower-Berichte.
Besonders brisant: Die Facebook Files von Frances Haugen 2021 belegten schwarz auf weiß, was viele schon ahnten. Meta wusste genau, wie schädlich die eigenen Produkte sind – besonders für Jugendliche. Instagram verschlechtert nachweislich das Selbstwertgefühl von Teenagern, Facebook verstärkt Depressionen und Angststörungen. Die interne Forschung lag vor, wurde aber ignoriert.
Und dann kam die Metaverse-Offensive. Zuckerbergs Vision einer digitalen Parallelwelt entpuppt sich als Milliarden-schwerer Flop. Über 13 Milliarden Dollar verbrannt, Tausende Entlassungen, und am Ende nutzt praktisch niemand die klobigen VR-Welten von Horizon Worlds. Selbst die eigenen Mitarbeiter meiden die Plattform.
KI als neues Geschäftsmodell – alte Probleme
Nach dem Metaverse-Desaster schwenkt Meta jetzt auf KI um. Llama-Modelle, KI-Chatbots in WhatsApp und Instagram, generative Features überall. Klingt innovativ, ist aber dasselbe Muster: Erst ausrollen, dann über Konsequenzen nachdenken.
Die KI-Tools von Meta sammeln fleißig neue Datenmengen, lernen aus privaten Nachrichten und Fotos, ohne dass die meisten Nutzer überhaupt verstehen, was da passiert. Der europäische Digital Services Act (DSA) und die DSGVO zwingen das Unternehmen zwar zu mehr Transparenz, aber echte Änderungen? Fehlanzeige.
Stattdessen werden Milliarden in Lobbying und Rechtsstreitigkeiten investiert, um Regulierungen zu umgehen oder zu verwässern. In den USA läuft seit Jahren ein Kartellverfahren – ohne spürbare Konsequenzen.
Das System Zuckerberg: Profit über alles
Mark Zuckerberg hat aus seinen Fehlern nichts gelernt, weil er nie echte Konsequenzen spüren musste. Zwar hagelte es Milliarden-Strafen – die höchste von der FTC über 5 Milliarden Dollar -, aber das sind für Meta Betriebskosten, keine Abschreckung.
Das Grundprinzip bleibt: Daten abgreifen, Aufmerksamkeit monetarisieren, Schäden externalisieren. Während sich Teenager in den eigenen Produkten selbst verletzen oder Wahlen durch Desinformation manipuliert werden, steigen die Werbeerlöse weiter.
Beispiel gefällig? Metas neueste KI-Features analysieren eure Fotos, um personalisierte Werbung noch präziser zu schalten. Das wird als „Innovation“ verkauft, ist aber nur die nächste Eskalationsstufe der Überwachung.
Warum sich nichts ändert
Der Grund für Zuckerbergs Unantastbarkeit ist simpel: Er kontrolliert über spezielle Aktienklassen die Mehrheit der Stimmrechte bei Meta. Kein Verwaltungsrat kann ihn absetzen, keine Aktionäre können rebellieren. Er ist praktisch unabsetzbar.
Dazu kommt: Die Produkte sind zu dominant geworden. WhatsApp, Instagram, Facebook – für Milliarden Menschen gibt es keine echten Alternativen. Diese Marktmacht nutzt Meta gnadenlos aus.
Selbst neue Konkurrenz wie TikTok wird nicht durch bessere Produkte bekämpft, sondern durch aggressive Übernahmen oder dreiste Kopien. Instagram Reels ist praktisch ein TikTok-Klon, Threads soll Twitter ersetzen.
Der Ausblick: Mehr vom Gleichen
Für 2026 und darüber hinaus ist klar: Zuckerberg wird weitermachen wie bisher. Die nächste Technologie-Welle – vielleicht Augmented Reality oder Brain-Computer-Interfaces – wird mit denselben problematischen Methoden erschlossen.
Die einzige Hoffnung liegt in schärferer Regulierung. Der EU Digital Services Act zeigt erste Wirkung, aber die wirklich harten Maßnahmen – Zerschlagung, persönliche Haftung für Manager, Enteignung bei schweren Verstößen – bleiben aus.
Solange das so bleibt, wird das System Zuckerberg weiter funktionieren: Schäden verursachen, Profits maximieren, Verantwortung abstreiten. Ein bewährtes Rezept, das seit über einem Jahrzehnt funktioniert.
Die Frage ist nicht, ob Meta den nächsten Skandal produzieren wird. Die Frage ist nur: Wann, und wie schlimm wird er diesmal?
Zuletzt aktualisiert am 06.03.2026