Ein kleiner Schraubenzieher: Ein ungewöhnliches Extra in der Schachtel eines modernen Smartphones. Doch jedem Fairphone liegt ein Mini-Schraubenzieher bei. Nicht als Gimmick, sondern als Werkzeug. Und als Symbol für die Besonderheit des Handys aus den Niederlanden, das mittlerweile in der fünften Generation verfügbar ist – und trotz wachsendem Umweltbewusstsein immer noch ein Nischendienst ist.
Warum liegt ein Schraubenzieher bei?
Das Fairphone ist völlig anders konzipiert als die Geräte anderer Hersteller. Das Fairphone setzt auf Nachhaltigkeit und soll die Umwelt schonen. Ein Schraubenzieher liegt bei, weil sich das Fairphone kinderleicht reparieren lässt: Geht etwas kaputt, kann es blitzschnell ausgetauscht werden.
Egal ob Display, Kamera, Lautsprecher, Akku oder was auch immer: Die Ersatzteile sind günstig und können von jedem mit etwas Geschick selbst eingebaut werden. Die Message ist klar: Auch Smartphones können nachhaltig sein. Müssen nicht gleich in die Tonne, weil etwas nicht mehr funktioniert – wie bei den anderen Herstellern wie Apple, Samsung oder Google.
Das aktuelle Fairphone 5 verspricht sogar 8 Jahre Software-Support und 10 Jahre Ersatzteilgarantie. Ein radikaler Gegenentwurf zur Wegwerfmentalität der Branche.

Klimafreundlich mobil surfen
Es steckt natürlich noch etwas mehr dahinter: Der niederländische Hersteller wollte zeigen, dass es möglich ist, ein Handy zu bauen, das ausreichend viel kann, aber umwelt- und klimafreundlich hergestellt wird. Mit Ressourcen aus überwachten Quellen – etwa recyceltem Gold und fair gehandeltem Wolfram -, mit Plastik, das aus Recycling hergestellt wird.
Die Fabrikarbeiter bekommen faire Löhne. Das Unternehmen ist sogar B-Corp-zertifiziert, was strenge soziale und ökologische Standards bedeutet. Und dann lässt sich eben alles reparieren. Ein Zeichen – gegen die Wegwerfmentalität, die es heute vor allem bei Smartphones gibt.
Neu ist auch das Fairphone Easy Programm: Gebrauchte Fairphones werden refurbisht und günstiger verkauft. Ein begrüßenswertes Konzept – aber trotz EU-weitem „Right to Repair“-Gesetz und wachsendem Umweltbewusstsein bleibt das Fairphone ein Nischenspieler.
Zwischen Anspruch und Realität
Kaum einer kennt das Fairphone – obwohl doch heute vor allem junge Menschen nach allem hungern, was klimafreundlich ist. Woran liegt das?
Das Fairphone ist zweifellos gut fürs Gewissen – aber technisch bestenfalls Mittelmaß. Das aktuelle Fairphone 5 hat zwar 5G, eine ordentliche 50-MP-Kamera und Android 13, aber der Qualcomm QCM6490 Prozessor ist eher träge. Das 90Hz-Display ist okay, aber nicht brillant. Die Akkulaufzeit geht in Ordnung, aber spektakulär ist anders.
Kunden beklagen nach wie vor, dass die Geräte manchmal ausfallen oder Kinderkrankheiten haben. Für 700 Euro bekommt man bei Samsung oder Google einfach mehr Leistung. Bei technischem Gerät sind die meisten dann doch eher anspruchsvoll – selbst überzeugte Umweltschützer greifen oft zu iPhone oder Pixel, weil sie mehr Spaß bringen und zuverlässiger funktionieren.

Was machen die großen Hersteller?
Immerhin: Die Konkurrenz schläft nicht mehr. Apple wirbt mit CO2-neutralen Produkten bis 2030, Samsung hat ein umfassendes Recycling-Programm und Google verwendet recycelte Materialien in den Pixel-Geräten. Aber echte Reparierbarkeit? Fehlanzeige.
Die EU hat 2024 das „Right to Repair“-Gesetz verschärft: Ersatzteile müssen nun 7 Jahre verfügbar sein, Akkus einfacher tauschbar werden. Apple musste sogar USB-C einführen. Ein Fortschritt, aber längst nicht genug.
Forderungen von Naturschützern
Verbände wie der BUND fordern schon lange: Die Handy-Hersteller müssten verpflichtet werden, Altgeräte zurückzunehmen. Sie fachgerecht zu entsorgen oder wieder aufpoliert erneut zu verkaufen. Die Möglichkeit zur Reparatur vorzusehen – gesetzlich vorgeschrieben.
Die neue EU-Ökodesign-Verordnung geht in die richtige Richtung: Ab 2025 müssen alle Smartphones einen Reparierbarkeits-Index tragen. Frankreich macht es bereits vor. Aber noch immer gilt: So lange der Gesetzgeber nicht konsequent handelt und Nutzer es nicht verlangen, werden die Hersteller nur das Nötigste tun.
Mein Wunsch: Nicht so schnelle Produktzyklen. Jedes Handy müsste repariert werden können. Alle Altgeräte müssten kostenlos zurückgegeben werden können. Völlige Transparenz über die Produktion und die Umweltbelastung. Dann könnten Konsumenten besser entscheiden.
Das Fairphone zeigt: Es geht anders. Auch wenn es nicht der Durchstarter ist – es ist ein wichtiger Impuls für die gesamte Branche. Und vielleicht braucht es genau solche Pioniere, damit sich irgendwann wirklich etwas ändert.
Zuletzt aktualisiert am 03.03.2026