Sieben Jahre hat Apple zugesehen, wie Samsung, Huawei und Google Handys zum Aufklappen bauen. Jetzt macht der Konzern mit – und nennt sein erstes Falthandy iPhone Duo. Daneben gab es zwei neue Pro-iPhones, eine überarbeitete Apple Watch und neue AirPods. Ich sortiere für dich, was davon wirklich neu ist und was nur neu klingt.
Das iPhone Duo: ein Handy im Passformat
Zugeklappt hältst du ein schmales Telefon mit einem 5,4 Zoll großen Außendisplay in der Hand – du kannst es bedienen wie jedes andere iPhone. Klappst du es auf, wird daraus eine Fläche von 7,6 Zoll. Apple selbst vergleicht das Format mit einem Reisepass: breiter und weniger länglich als das, was Samsung baut.
Die Maße sind beachtlich. Aufgeklappt ist das Gerät rund viereinhalb Millimeter dünn, zusammengeklappt etwa neun. Das Scharnier soll die Falte im Display fast unsichtbar machen – ein Punkt, an dem sich die Konkurrenz seit Jahren abarbeitet. Ob Apple das besser gelöst hat, wird sich erst zeigen, wenn die ersten Geräte länger im Alltag waren.
Was du dagegen sofort merkst: das Gewicht. Gut 230 Gramm sind deutlich mehr als bei einem gewöhnlichen iPhone. Ein Falthandy ist eben zwei Geräte in einem – und wiegt entsprechend.
Was Apple beim Duo weglässt
Interessanter als die Ausstattungsliste ist, worauf Apple verzichtet.
Kein Face ID. Die Gesichtserkennung fehlt, entsperrt wird über einen Fingerabdrucksensor im Seitenknopf. Für die Technik hinter Face ID ist im dünnen Gehäuse kein Platz. Wer sich seit Jahren an das Entsperren per Blick gewöhnt hat, stellt sich hier wieder um.
Kein Teleobjektiv. Auf der Rückseite sitzen zwei Kameras mit je 48 Megapixel, mehr nicht. Für 2.299 Euro ist das eine schmale Ausstattung – ein iPhone 18 Pro fotografiert flexibler.
Dafür kommt etwas Neues dazu: Der Apple Pencil funktioniert auf dem Innendisplay. Damit rückt das Duo in Richtung Notizgerät, und genau darin liegt vermutlich sein bester Anwendungsfall.
Unter der Haube arbeitet der neue Prozessor A20 Pro, gefertigt im 2-Nanometer-Verfahren. Neu ist auch, dass Apple erstmals im Falt-iPhone seinen eigenen Mobilfunk-Chip C2 einsetzt statt Technik von Qualcomm.
Preis und Verfügbarkeit
2.299 Euro kostet das iPhone Duo mit 256 Gigabyte Speicher. Damit ist es das teuerste iPhone, das Apple je verkauft hat. Vorbestellen kannst du ab dem 16. Oktober, im Handel soll es ab dem 23. Oktober sein – deutlich später als die anderen neuen Modelle.
Die Zahl wirkt schwindelerregend, ist im Vergleich aber weniger spektakulär, als sie klingt: Samsungs aktuelles Galaxy Z Fold 8 startet bei 1.999 Euro. Apple liegt also 300 Euro darüber und nicht in einer eigenen Liga.
iPhone 18 Pro: die erste echte Blende in einem iPhone
Wenn du fotografierst, ist das hier die eigentliche Nachricht des Abends. Das iPhone 18 Pro und das Pro Max bekommen eine variable Blende – und zwar eine mechanische. Sechs lasergeschnittene Lamellen auf einem Rotor öffnen und schließen die Optik in vier Stufen, bis hinunter zu f/1,48. Bisher war die Blende fest bei f/1,78 verbaut.
Was bringt dir das? Zwei Dinge.
Bei wenig Licht fällt mehr davon auf den Sensor. Aufnahmen am Abend oder in Innenräumen werden sauberer, weil die Kamera weniger stark verstärken muss – und weniger Verstärkung heißt weniger Bildrauschen.
Und du bekommst Kontrolle über die Tiefenschärfe. Bisher hat Software den unscharfen Hintergrund im Porträtmodus berechnet, mit den bekannten Fehlern an Haaren und Brillenrändern. Jetzt entsteht die Unschärfe dort, wo sie hingehört: in der Optik. Dazu kommen manuelle Regler für Blende, Verschlusszeit und Weißabgleich, wie man sie von Systemkameras kennt.
Beim Ton bleibt es bei einem kleinen Schritt. Die Funktion Audiomix, mit der du die Tonspur eines Videos nachträglich verändern kannst, erkennt jetzt auch Musik und regelt sie getrennt von den Stimmen. Praktisch, aber kein Sprung.
Sonst: Der Chip A20 Pro rechnet spürbar schneller, die schwarze Bedienleiste am oberen Displayrand fällt kleiner aus, und der Akku hält länger – beim Pro Max bis zu 45 Stunden Videowiedergabe.
Teurer – und ein Modell fehlt
Das iPhone 18 Pro startet bei 1.449 Euro, das Pro Max bei 1.599 Euro. Das sind jeweils 150 Euro mehr als bei den Vorgängern. Der Grund liegt nicht nur in der Technik: Die Preise für Speicherchips sind weltweit stark gestiegen, weil KI-Rechenzentren enorme Mengen abnehmen. Apple hatte deshalb schon im Juni Macs und iPads verteuert.
Und ein Gerät fehlt komplett: Ein normales iPhone 18 gibt es in diesem Herbst nicht. Apple hat den Produktzyklus umgestellt und zeigt zunächst nur die teuren Modelle. Das Basisgerät kommt erst im Frühjahr 2027. Wenn du kein Pro brauchst, heißt das: warten oder zum iPhone 17 greifen.
Vorbestellen kannst du die Pro-Modelle ab dem 12. September, im Handel sind sie ab dem 18. September. iOS 27 erscheint am 14. September.
Apple Watch Series 12 und Ultra 4
Bei der Uhr passiert mehr, als das unveränderte Gehäuse vermuten lässt. Der neue S11-Chip ist das erste echte Rechen-Upgrade seit drei Generationen. Wichtiger für den Alltag: Die Herzfrequenz wird jetzt kontinuierlich gemessen statt in Intervallen, und eine neue Funktion namens Readiness leitet daraus eine tägliche Einschätzung ab, wie belastbar du gerade bist.
Dazu kommt schnelleres Laden – eine Viertelstunde am Kabel reicht für zwölf Stunden Betrieb. Und das Keramikgehäuse kehrt nach sechs Jahren zurück.
Die Ultra 4 legt vor allem beim Akku zu: bis zu 50 Stunden im Alltag, 84 Stunden im Sparmodus, 45 Stunden Trainingsaufzeichnung. Für alles unterhalb eines Ultramarathons ist das mehr als genug.
AirPods 5
Die neuen AirPods filtern Umgebungsgeräusche nach Apples Angaben 50 Prozent stärker heraus als die vierte Generation. Mit Ladecase kommst du auf bis zu 20 Stunden. Es gibt sie in zwei Varianten, mit und ohne kabelloses Laden.
Hinweis für die Redaktion: Die Euro-Preise für Watch und AirPods hatte Apple bei Redaktionsschluss noch nicht gelistet. In den USA startet die Series 12 bei 399 Dollar, die Ultra 4 bei 799 Dollar, die AirPods 5 bei 129 beziehungsweise 149 Dollar. Vor Veröffentlichung bitte im deutschen Store nachtragen.
Warum Falthandys bisher floppen
Bleibt die Frage, die über allem steht: Warum hat sich das Konzept in sieben Jahren nicht durchgesetzt?
Die Zahlen sind ernüchternd. Nach Erhebungen des Marktforschers Counterpoint machten Falthandys 2025 gerade einmal 1,6 Prozent aller verkauften Smartphones aus. Und das nach einem Start, der bei Samsung 2019 zum Debakel geriet: Bei Testgeräten fiel das Display nach wenigen Tagen aus, alle Muster wurden zurückgerufen, der Verkauf um fünf Monate verschoben. Microsoft versuchte es mit dem Surface Duo und stellte die Reihe wieder ein.
Drei Gründe halten das Segment klein:
Der Preis. Falthandys kosten im Schnitt rund dreimal so viel wie normale Smartphones.
Die Haltbarkeit. Ein bewegliches Display lässt sich nicht mit Hartglas schützen, sondern nur mit Kunststoff – es zerkratzt leichter und zeigt an der Falte nach Jahren Pixelfehler. Scharniere verschleißen, Staub im Gelenk ist seit dem ersten Galaxy Fold ein Thema. Reparaturen sind aufwendig und teuer.
Die Software. Viele Apps sind für den großen Innenbildschirm nicht optimiert und zeigen dir schlicht eine vergrößerte Handy-Ansicht. Der halbe Nutzen verpufft.
Mein Eindruck
Apple kommt als Letzter – und das kann funktionieren, weil der Konzern die Kinderkrankheiten der Konkurrenz beobachten konnte. Das Scharnier, die dünnere Bauweise, der Apple Pencil: Das sind Antworten auf konkrete Schwächen.
Was Apple nicht gelöst hat, ist das Grundproblem. Ein Falthandy ist teuer, schwer und mechanisch anfällig, und es liefert dafür einen größeren Bildschirm, den viele Apps nicht ausreizen. Wer ein Tablet besitzt, braucht das Duo nicht. Wer keines besitzt, hat sich vermutlich bewusst dagegen entschieden.
Ob Apple genug Kundinnen und Kunden von dieser Rechnung überzeugt, entscheidet sich ab dem 23. Oktober – im Laden.