Elon Musk und Twitter: Eine Posse, die politische Schwäche zum Vorschein bringt

Kommentar: Warum lassen wir Elon Musk eigentlich einen solchen Zirkus veranstalten?

Wie Elon Musk sein Geld ausgibt, ist mir egal. Aber wenn er öffentliche Debatte und Meinungsbildung zum Spielball der Superreichen erklärt, macht mich das sauer. Erst Recht, dass der Staat ihn lässt.

Twitter – das ist dieses sympathisch wirkende Social Network mit blauem Vögelchen im Logo. Denn „to tweet“ bedeutet im Englischen Zwitschern. Auf Twitter gibt es also das zu lesen, was die Spatzen von den Dächern pfeifen – sozusagen.

Twitter ist nicht das wichtigste, aber ein wichtiges Network

Twitter ist nicht das größte Social Network. Weder, was die Nutzerzahl betrifft, noch den Umsatz. In den letzten Jahren hat sich nicht viel getan bei Twitter, während sich Facebook, Instagram und TikTok rasant entwickelt haben. Die anderen machen Profite. Twitter oft Verluste.

Das reizt einen Mann wie Elon Musk, der Paypal gegründet, mit Tesla Elektro-Auto-Geschichte geschrieben und mit SpaceX als erster Privatmensch Raketen gebaut hat. Nur allzu gerne hat Musk schon immer selbst getwittert. Dem vielleicht intellektuellsten Social Network, das es gibt. Jedenfalls ist die gesamte Medienbranche hier.

Er muss sich gedacht haben: Den Laden kann nur einer retten – und zwar ich!

Elon Musk mit Waschbecken in der Hand
Elon Musk mit Waschbecken in der Hand

Übernahme durch Musk

Anfang April fing er deshalb an, im großen Stil Twitter-Aktien zu kaufen. Ende April hat der reichste Mensch der Welt dann ein Übernahmeangebot gemacht. Für 44 Mrd. Dollar alle Aktien. Weit über Marktpreis.

Es folgten Monate des Hin und Hers. Musk muss aufgegangen sein: Ich überhebe mich vielleicht. Habe einen zu hohen Preis geboten. Er hat gepokert, wollte zurücktreten. Das haben sich die Twitter Manager nicht gefallen lassen. Am Ende hieß es: Deal!

Seit Ende Oktober ist Elon Musk Allein-Aktionär (er hat „den Vogel befreit“). Er ist höchstselbst in die Firmenzentrale in San Francisco eingezogen – und seitdem: Nur noch Medien-Getöse. Die Hälfte der Belegschaft entlassen, sich mit Journalisten angelegt und ihre Accounts gelöscht. Selbstsüchtiges Gehabe. Ankündigungen. Rückzug. Ein absolutes Chaos. Einem Unternehmen wie Twitter schlichtweg unwürdig.

Zuletzt hat er sich sogar selbst zur Disposition gestellt: Soll ich, Elon Musk, „Chief Twit“ bleiben? Die Mehrheit der Twitter-Nutzer, 57%, meinten: Nein.

Versagen in der Politik

Das Alles taugt für eine Serie auf Netflix. Und man würde sich vielleicht unterhalten fühlen – es aber für abwegig halten, dass so etwas passieren kann. Dass der reichste und damit einer der einflussreichsten Menschen der Welt sich derart kindisch aufführt. Milliarden verpulvert.

Aber schlimmer noch: Dass man ihn lässt.

Twitter ist zwar eine private Firma, stellt aber einen öffentlichen Raum zur Verfügung. Und da hat kein Elon Musk zu bestimmen, was da passiert. Die Regeln für öffentlichen Raum legt immer noch die Gesellschaft fest.

Aber was macht die? Die einen sind fasziniert von Elon Musks Kapriolen. Die anderen resigniert, weil sie nicht wissen, was sie tun sollen.

Schande über alle, die Verantwortung tragen. Den öffentlichen Raum zu gestalten, auch den digitalen, ist die verdammte Pflicht des Staats. Der Regierung. Der Staat muss für die öffentliche Ordnung sorgen, muss Straftaten verfolgen, muss die Demokratie schützen – und dafür den geeigneten Rahmen vorgeben.

Tut er aber nicht. Das nehme ich unseren Politikern wirklich übel. Wie Musk sein Geld ausgibt, ist mir egal. Wenn er aber öffentliche Debatte und gesellschaftlichen Konsens zum Unterhaltungsspiel von Superreichen erklärt, werde ich wütend. Und kann nach einem solchen Jahr nur sagen: Kümmert Euch endlich um die Digitalisierung, Ihr in Berlin und Brüssel. Endlich mal richtig.

Elon Musk Umfrage zeigt nur eins: Die Politik ist viel zu schwach | Netzkenner Jörg Schieb

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