Wichtig für viele Anbieter im Internet ist es, euch verfolgen zu können. Eure IP-Adresse sagt viel über euch aus, ihr gebt Informationen weiter, obwohl ihr das vielleicht gar nicht wollt. Statt beispielsweise Tools wie den TOR-Browser zu nutzen, könnt ihr bei modernen iOS-Versionen mit Bordmitteln arbeiten!
IP-Adresse als Identifikation
Schon bei iOS 15 waren einige neue Funktionen hinzugekommen, die Apple unter iCloud+ zusammengefasst hat. Eine davon ist das in Apple-Sprache iCloud Privat-Relay genannte Verfahren. Die Idee dahinter ist einfach und nicht unbekannt: Bei jedem Zugriff auf das Internet hat euer Browser die IP-Adresse im Gepäck, die sich über den Internetanbieter zuordnen lässt. Diese erlaubt den Rückschluss auf die Internetverbindung des Anwenders, die zumindest eine Zeitlang beim Netzbetreiber eine Identifikation erlaubt. Da sich diese IP in den meisten Fällen nur alle paar Tage ändert, ist so feststellbar, wie euer Router aus dem Internet erreichbar ist.
Zwischenserver von Apple
Das Privat-Relay von iOS schaltet einen weiteren Server zwischen: Der Server, mit dem ihr euch verbindet, anonymisiert diese Daten und gibt sie an einen zweiten Server weiter. Der stammt von Apple und lässt für die Webseite, die er für euch aufruft, keinen Verweis mehr auf euch zu. Wohl aber werden Informationen wie das Land und die Spracheinstellungen mit übertragen, die ja für das Surferlebnis relevant sind. Die abgerufenen Daten werden dann wieder vom zweiten an den ersten Server weitergegeben und dann an euren Browser weitergeleitet.
Was ist neu in iOS 18 und aktuellen Versionen?
Seit iOS 18 hat Apple das Privat-Relay deutlich verbessert und die Integration in das System verstärkt. Die Funktion arbeitet jetzt noch effizienter und verbraucht weniger Batterie. Außerdem gibt es neue Optionen für die regionale Zuordnung:
- Verbesserte Performance: Die Verbindungsgeschwindigkeit wurde durch optimierte Server-Infrastrukturen deutlich erhöht. Ihr merkt praktisch keinen Unterschied zu einer direkten Verbindung.
- Erweiterte Standortoptionen: Ihr könnt jetzt wählen, ob eure ungefähre Region oder ein komplett anderes Land als Standort übermittelt werden soll.
- Bessere App-Integration: Nicht nur Safari, sondern auch viele andere Apps nutzen jetzt automatisch das Privat-Relay, wenn ihr es aktiviert habt.
So aktiviert ihr das Privat-Relay
Die Aktivierung ist denkbar einfach und hat sich seit iOS 17 kaum verändert:
- Öffnet die Einstellungen auf eurem iPhone oder iPad
- Tippt oben auf euer Kontobild/Namen für die Apple-ID-Einstellungen
- Wählt iCloud aus
- Scrollt nach unten zu Privat-Relay und aktiviert die Funktion
- Wählt eure bevorzugte Standort-Einstellung: „Ungefähre Position beibehalten“ oder „Ungefährer Standort verwenden“
Wo das Privat-Relay seine Grenzen hat
So praktisch die Funktion auch ist, sie hat durchaus ihre Beschränkungen. Zunächst einmal benötigt ihr ein kostenpflichtiges iCloud+-Abonnement. Das günstigste Paket kostet derzeit 99 Cent pro Monat für 50 GB Speicher. Außerdem funktioniert das Feature nur mit Safari und anderen Apps, die Apples Netzwerk-Framework nutzen.
Ein weiteres Problem: Manche Websites blockieren Zugriffe über das Privat-Relay, weil sie Nutzer nicht eindeutig identifizieren können. Das betrifft vor allem Streaming-Dienste, die geografische Beschränkungen durchsetzen müssen, oder Banking-Apps mit besonderen Sicherheitsanforderungen.
Alternativen zum Apple Privat-Relay
Wer kein iCloud+ nutzen möchte oder ein Android-Gerät verwendet, hat trotzdem Optionen. VPN-Dienste wie NordVPN, ExpressVPN oder Mullvad bieten ähnliche Funktionen, oft sogar mit mehr Serverstandorten zur Auswahl. Auch der bereits erwähnte TOR-Browser bleibt eine kostenlose Alternative, wenn auch mit deutlich langsameren Verbindungsgeschwindigkeiten.
Für Android-Nutzer bietet Google mit dem „VPN by Google One“ eine vergleichbare Funktion, die ebenfalls ein kostenpflichtiges Abonnement erfordert.
Privatsphäre vs. Funktionalität
Die Entscheidung, das Privat-Relay zu nutzen, ist letztendlich eine Abwägung zwischen Privatsphäre und Funktionalität. Während ihr deutlich anonymer im Netz unterwegs seid, können manche Online-Dienste nicht mehr optimal funktionieren. Lokale Sucheergebnisse werden ungenauer, personalisierte Inhalte funktionieren schlechter, und manche Websites verweigern komplett den Zugang.
Trotzdem ist das Apple Privat-Relay ein wichtiger Schritt in Richtung eines privateren Internets. Es zeigt, dass Datenschutz auch benutzerfreundlich umgesetzt werden kann, ohne dass ihr komplizierte Tools konfigurieren müsst.
Zuletzt aktualisiert am 17.02.2026