Nach jahrelangen politischen Kämpfen wurde TikTok in den USA 2025 tatsächlich verboten. Auch in Europa wachsen die Sicherheitsbedenken. Wie gehen wir mit chinesischen Apps und Plattformen um? Ein Überblick…
Es ist Realität geworden: Nach langem Hin und Her wurde TikTok in den USA Anfang 2025 endgültig verboten. Was 2022 als Verbot auf Dienstgeräten begann, wurde schrittweise ausgeweitet – zunächst auf alle Regierungsgeräte, dann auf öffentliche Einrichtungen und schließlich landesweit. Der Oberste Gerichtshof bestätigte das Verbot mit Verweis auf die „nationale Sicherheit“.
Begründung damals wie heute: ByteDance, der chinesische Mutterkonzern von TikTok, könne US-Bürger ausspionieren und Daten an die chinesische Regierung weiterleiten. Das sei ein inakzeptables Sicherheitsrisiko.
Die Algorithmen von TikTok bestimmen, welche Videos trenden
Das Argument bleibt: Auch US-Konzerne spionieren
Die Kritik an dieser Begründung ist berechtigt und aktueller denn je. Meta, Google, Amazon und andere US-Giganten sammeln mindestens genauso viele – wenn nicht mehr – persönliche Daten. Ihre Algorithmen analysieren unser Verhalten, erstellen psychologische Profile und beeinflussen unser Denken. Bei TikTok soll das plötzlich ein Problem sein?
Doch seit 2025 hat sich die Debatte verschärft. Neue Enthüllungen zeigen, wie US-Geheimdienste systematisch auf Daten von Facebook, Google und Co. zugreifen. Gleichzeitig wurde bekannt, dass chinesische Behörden tatsächlich Zugriff auf TikTok-Daten europäischer und amerikanischer Nutzer hatten.
Es macht eben doch einen Unterschied, wer spioniert. Die USA sind trotz aller Überwachung noch immer demokratische Verbündete. China hingegen ist ein autoritärer Staat, der systematisch Menschenrechte verletzt und seine eigene Bevölkerung unterdrückt.
Chinas Staatskapitalismus kennt keine Grenzen
In China gibt es keine Trennung zwischen Staat und Wirtschaft. Jedes Unternehmen ist letztendlich ein verlängerter Arm der Kommunistischen Partei. Das „Nationale Sicherheitsgesetz“ verpflichtet alle chinesischen Firmen zur Kooperation mit den Geheimdiensten.
Was technisch möglich ist und der Regierung nützt, wird gemacht. Das zeigen nicht nur die Überwachungssysteme in Xinjiang oder Hongkong, sondern auch die Zensur chinesischer Social Media im Ausland. TikTok-Videos über Taiwan, Tiananmen oder Tibet verschwinden mysteriöserweise.
Die US-Entscheidung war daher konsequent – auch wenn sie spät kam.
Europas schwieriger Balanceakt
Für uns in Europa ist die Lage komplexer. Wir stehen zwischen den Fronten: Einerseits spionieren uns die USA seit Jahrzehnten aus – Edward Snowdens Enthüllungen sind nicht vergessen. Andererseits bedroht Chinas digitaler Autoritarismus unsere Werte noch direkter.
Seit 2024 hat die EU reagiert. Der „Digital Services Act“ wurde verschärft, chinesische Apps müssen schärfere Transparenzregeln erfüllen. TikTok steht unter besonderer Beobachtung, mehrere EU-Länder haben eigene Beschränkungen eingeführt.
Doch die Maßnahmen greifen noch nicht weit genug. Während China systematisch westliche Dienste aussperrt – Google, Facebook, Twitter sind seit Jahren blockiert –, können chinesische Apps hier frei agieren. Diese Asymmetrie ist problematisch.
Chinas digitale Mauer wirkt einseitig
China praktiziert seit Jahren digitalen Protektionismus. Westliche Tech-Konzerne haben dort praktisch keine Chance. Stattdessen dominieren staatlich kontrollierte Alternativen: WeChat statt WhatsApp, Baidu statt Google, Weibo statt Twitter.
Diese „Great Firewall“ dient nicht nur der Zensur, sondern auch dem Schutz heimischer Unternehmen. Warum sollten wir chinesischen Apps freien Zugang gewähren, wenn umgekehrt systematisch blockiert wird?
Gleiche Regeln für alle – das wäre fair und sinnvoll.
Europas Weg: Digital souverän werden
Meine Überzeugung: Europa braucht eine eigenständige digitale Strategie. Wir dürfen weder amerikanische noch chinesische Datenkraken akzeptieren. Die DSGVO war ein Anfang, aber längst nicht genug.
Wir brauchen:
– Schärfere Kontrollen bei Datentransfers in Drittländer
– Verpflichtende Datenlokalisierung für kritische Dienste
– Mehr Unterstützung für europäische Tech-Alternativen
– Klare rote Linien bei Sicherheitsrisiken
Wer die Regeln nicht einhält, fliegt raus. So einfach ist das.
Ein Flugzeug ohne Flugtauglichkeit darf auch nicht in Europa landen.
Was bedeutet das für Nutzer?
Für euch als Nutzer wird die Lage komplizierter. Nach dem US-Verbot sind viele TikTok-Creator zu Instagram Reels, YouTube Shorts oder neuen Plattformen gewechselt. In Europa funktioniert TikTok noch, steht aber unter verschärfter Aufsicht.
Mein Rat: Seid euch bewusst, was ihr teilt. Jede App sammelt Daten – aber manche sind transparenter und demokratischer kontrolliert als andere. Diversifiziert eure Plattformen, macht euch nicht von einem Anbieter abhängig.
Die digitale Souveränität beginnt bei jedem Einzelnen.
Zuletzt aktualisiert am 19.02.2026