Auf Plattformen wie Kleinanzeigen, Vinted, Facebook Marketplace und vielen anderen verkaufen Menschen Second Hand Artikel – und andere kaufen sie. Mal zu geringen Preisen, mal zu hohen. Es gibt aber Risiken – für Käufer und Verkäufer.
Der Online-Handel boomt weiterhin: 2026 wickeln Millionen Deutsche täglich Geschäfte über digitale Marktplätze ab. Plattformen wie eBay Kleinanzeigen, Vinted, Facebook Marketplace, Shpock und Mercari haben den Kauf und Verkauf von Waren so einfach wie nie zuvor gemacht. Doch wo viel Geld fließt, sind auch Betrüger nicht weit. Die Maschen werden dabei immer raffinierter – und nutzen auch KI-generierte Inhalte.
Es ist unerlässlich, informiert zu bleiben und die neuesten Betrugszeichen zu erkennen, um nicht zum nächsten Opfer zu werden. In diesem Beitrag beleuchten wir acht gängige Betrugsmaschen, die 2026 auf Online-Marktplätzen vorkommen – inklusive der neuesten Tricks mit gefälschten QR-Codes und KI-generierten Fake-Bewertungen.
Second Hand: Schnäppchen im Onlineversand
1. Der Überzahlungsbetrug mit modernen Payment-Apps
Diese klassische Masche hat sich weiterentwickelt: Betrüger nutzen jetzt auch PayPal, Apple Pay oder andere moderne Zahlungsdienste. Ein Verkäufer erhält ein Angebot, das den geforderten Preis übersteigt. Der Betrüger behauptet, dies sei ein Versehen bei der App-Zahlung, und bittet um Rückerstattung der Differenz über eine andere Zahlungsart. Sollte der Verkäufer zustimmen, wird der ursprüngliche Zahlungsbetrag zurückgezogen, und der Verkäufer verliert sowohl Geld als auch Ware.
2. Der QR-Code-Betrug (neu 2026)
Eine besonders perfide neue Masche: Betrüger versenden QR-Codes, die angeblich zu Zahlungsbestätigungen führen. Beim Scannen landen Nutzer auf täuschend echten Fake-Banking-Seiten oder installieren unbemerkt Malware. Besonders dreist: Die QR-Codes werden als „moderne, sichere Zahlungsbestätigung“ beworben.
3. Der KI-gefälschte Zahlungsbeleg
Hier präsentiert der Betrüger dem Verkäufer einen mit KI erstellten, perfekt gefälschten Zahlungsbeleg – Screenshots von Banking-Apps oder E-Mails sind mittlerweile täuschend echt nachstellbar. Der Verkäufer sendet die Ware ab, bevor die Bank die Fälschung aufdeckt. 2026 sind diese Fälschungen so gut, dass sie selbst Experten täuschen können.

4. Der Vorauszahlungsbetrug via Kryptowährungen
Käufer werden aufgefordert, eine Vorauszahlung zu leisten – neuerdings oft in Kryptowährungen wie Bitcoin oder stabilen Coins. Der Vorwand: Reservierung eines besonders begehrten Artikels oder „Schutz vor Bots“. Nach der Zahlung bricht der Kontakt ab, und die Ware wird nie geliefert. Krypto-Zahlungen sind praktisch nicht rückverfolgbar.
5. Der Deepfake-Identitätsdiebstahl
Betrüger nutzen jetzt KI-generierte Profile mit Deepfake-Fotos und täuschend echten Bewertungshistorien. Sie können komplette Online-Identitäten erschaffen, die monatelang glaubwürdig wirken. Selbst Video-Calls werden mit Deepfake-Technologie gefälscht, um Vertrauen zu schaffen.
6. Die Progressive Web App-Falle
Betrüger erstellen mittlerweile Progressive Web Apps (PWAs), die wie echte Apps installierbar sind und bekannte Marktplätze perfekt nachahmen. Diese „Apps“ sammeln nicht nur Zugangsdaten, sondern auch alle weiteren Daten vom Smartphone. Sie sind oft nicht von den echten Apps zu unterscheiden.
7. Der Artikel-Tausch-Betrug
Eine Weiterentwicklung des klassischen „nicht-wie-beschrieben“-Betrugs: Ein Käufer erhält den korrekten Artikel, behauptet aber, einen anderen (wertlosen) erhalten zu haben. Als „Beweis“ sendet er Fotos des falschen Artikels und verlangt Rücksendung. Der Käufer sendet dann tatsächlich den wertlosen Artikel zurück, behält aber das Original und erhält trotzdem eine Rückerstattung.
8. Der Fake-Logistik-Betrug mit Apps
Betrüger geben sich als Käufer aus und schicken Links zu professionell aussehenden „Logistik-Apps“, über die der Versand angeblich abgewickelt werden soll. Diese Apps sammeln alle eingegebenen Daten und locken mit Vorkasse-Forderungen für den „Premium-Versand“. Die Ware wird nie abgeholt, die Daten sind gestohlen.
Neue Erkennungsmerkmale 2026
Social Engineering wird raffinierter: Betrüger recherchieren ihre Opfer mittlerweile über soziale Medien und passen ihre Betrugsmaschen individuell an. Sie kennen Hobbys, Familie und Interessen ihrer Ziele.
KI-generierte Bewertungen: Gefälschte Bewertungsprofile werden massenweise mit KI erstellt und sind kaum noch von echten zu unterscheiden. Sie haben konsistente Schreibstile und realistische Kaufhistorien.
Timing-Attacks: Betrüger nutzen gezielt Feiertage, Wochenenden oder späte Abendstunden, wenn Banken und Plattform-Support nicht erreichbar sind.

Erweiterte Sicherheitstipps für 2026
- Nur etablierte Zahlungswege nutzen: PayPal Käuferschutz, Banküberweisung oder Barzahlung bei Abholung. Finger weg von Kryptowährungen bei Unbekannten.
- Video-Calls vor teuren Käufen: Bei Artikeln über 200 Euro solltet ihr ein kurzes Video-Telefonat führen. Achtet auf unnatürliche Bewegungen (Deepfake-Indizien).
- Reverse Image Search: Produktfotos über Google Images suchen – gestohlene Bilder werden oft mehrfach verwendet.
- Plattform-interne Kommunikation: Niemals auf externe Messenger wechseln. Seriöse Käufer haben kein Problem mit plattforminternen Chats.
- Bewertungsprofile genau prüfen: Achtet auf unnatürlich ähnliche Formulierungen oder Bewertungen, die alle zur gleichen Tageszeit abgegeben wurden.
- Bei Zweifeln: Abbrechen! Euer Bauchgefühl ist meist richtig. Lieber ein Geschäft verpassen als betrogen werden.
- Smartphone-Sicherheit: Installiert nur Apps aus offiziellen Stores und prüft App-Berechtigungen kritisch.
- Dokumentation: Screenshots aller Nachrichten und Transaktionen für eventuelle Anzeigen bei der Polizei.
Was tun, wenn ihr betrogen wurdet?
Sofort handeln ist entscheidend: Zahlung stoppen (falls möglich), Plattform informieren, Screenshots sichern und Anzeige bei der örtlichen Polizei erstatten. Viele Bundesländer haben mittlerweile spezialisierte Cyber-Crime-Einheiten, die solche Fälle professionell bearbeiten.
Online-Marktplätze bleiben großartige Möglichkeiten für Schnäppchen und nachhaltiges Einkaufen. Mit dem richtigen Wissen und gesunder Skepsis könnt ihr sicher handeln und die schwarzen Schafe meiden. Die Betrüger werden 2026 immer raffinierter – aber informierte Nutzer sind ihnen immer einen Schritt voraus.
Zuletzt aktualisiert am 17.02.2026