Wegen Patentstreit: Kein Chat-Export mehr in WhatsApp

von | 07.01.2020 | Social Networks

WhatsApp-User können keine Chats mehr exportieren und so dauerhaft speichern: Die Funktion ist einfach verschwunden – aber nur in Deutschland. Hintergrund sind Patentstreitigkeiten, die sich mittlerweile seit Jahren hinziehen.

So mancher Chat im Messenger ufert aus – und irgendwann möchte man ihn nicht mehr im Smartphone gespeichert haben. Etwa, um den Speicher zu schonen (wenn viele Bilder oder Videos enthalten sind) oder weil man sich nicht ständig daran erinnern möchte. Ganz wegwerfen will man den Chat aber auch nicht. Was tun? Exportieren!

Bislang gab es in WhatsApp die Möglichkeit, Einzel-Chats oder Gruppen-Chats zu exportieren, also dauerhaft zu speichern (etwa auf dem PC oder in der Cloud). Jetzt nicht mehr. Denn WhatsApp hat die „Exportieren“-Funktion entfernt. Allerdings nur in Deutschland!

Gesperrt wegen Patentstreitigkeiten

Irgendeine offizielle Ankündigung oder Erklärung gibt es nicht. Wer sich jedoch die entsprechende Support-Seite von WhatsApp anschaut, findet den deutlichen Hinweis: „Bitte beachte, dass diese Funktion in Deutschland nicht unterstützt wird.“

Bitte beachte, dass diese Funktion in Deutschland nicht unterstützt wird.
WhatsApp Support

Die durchaus praktische Funktion wird also nur in Deutschland abgeschaltet. Falls ihr sie noch sehen könnt: Nicht zu früh gefreut. Spätestens mit dem nächsten Update der App dürfte die Export-Funktion verschwunden sein.

Aber warum? Der Verdacht liegt nahe, dass WhatsApp die Funktion abschalten muss. Patentstreitigkeiten. Laut Gerichtsurteil darf WhatsApp die Funktion in Deutschland nicht nutzen. Es ist zu einem Rechtsstreit zwischen Blackberry und WhatsApp gekommen. Darin ging es um ein Patent zum Verschicken von Chat-Historien. Nicht ganz dasselbe, aber sehr vergleichbar. Blackberry hat gewonnen – und deshalb darf WhatsApp die Funktion nicht nutzen (oder müsste dafür zahlen).

Patentstreit zieht sich seit Jahren hin

Mittlerweile ist der Fall durch mehrere Instanzen gegangen. Das Bundespatentgericht hat zwar teilweise zugunsten von WhatsApp entschieden, aber die rechtliche Situation bleibt komplex. Blackberry hält weiterhin an seinen Patentansprüchen fest und hat in verschiedenen Ländern ähnliche Verfahren angestrengt.

Das Problem: Solche Patentstreitigkeiten können sich über Jahre hinziehen. Und solange die rechtliche Unsicherheit besteht, bleibt WhatsApp bei der vorsichtigen Linie – lieber die Funktion abschalten, als Millionen-Strafen zu riskieren.

Zwar halten Patent-Experten wie Florian Müller die Patente für nichtig, dennoch hat die 7. Zivilkammer Blackberry erst mal recht gegeben. So ist das bei Patentstreitigkeiten leider häufig: Mit gesundem Menschenverstand hat das oft nichts zu tun – und meist zahlen die Nutzer die Zeche (ehrlich gesagt immer, denn sie müssen auch anfallende Lizenzen irgendwie bezahlen).

Alternative Lösungen für Chat-Archivierung

Was bedeutet das für euch als WhatsApp-Nutzer? Erstmal: Die Backup-Funktion funktioniert weiterhin problemlos. Hier werden alle Chats auf dem Smartphone bzw. in der Cloud gesichert – und lassen sich bei Bedarf rekonstruieren, etwa bei einem Gerätewechsel.

Allerdings ist das nicht dasselbe wie der Chat-Export. Beim Backup sind die Daten in einem WhatsApp-spezifischen Format gespeichert und lassen sich nicht einfach außerhalb der App verwenden. Der Export hingegen erzeugte lesbare Textdateien, die sich auch Jahre später noch öffnen lassen.

Wer wichtige Chats dauerhaft sichern möchte, muss kreativ werden: Screenshots machen, wichtige Nachrichten kopieren und in Notiz-Apps speichern oder – bei sehr wichtigen Unterhaltungen – jeden Chat manuell durchgehen und relevante Inhalte extern sichern.

Andere Messenger betroffen?

Interessant ist auch die Frage, ob andere Messenger von ähnlichen Patentstreitigkeiten betroffen sind. Signal, Telegram und Co. bieten teilweise ähnliche Export-Funktionen. Bisher scheint Blackberry aber gezielt WhatsApp ins Visier genommen zu haben – wahrscheinlich, weil es der größte und lukrativste Fisch im Teich ist.

Das zeigt auch ein grundsätzliches Problem des Patentsystems: Oft werden sehr allgemeine Konzepte patentiert, die dann später dazu verwendet werden, Innovationen zu behindern oder Lizenzgebühren zu kassieren. Im Fall der Chat-Archivierung handelt es sich um eine Grundfunktion, die eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Ausblick: Wird die Funktion zurückkommen?

Die Sache wird möglicherweise noch vor höheren Gerichten verhandelt. Experte Müller meint: Die Funktion sei keineswegs schutzwürdig. Vielleicht wird dann wieder alles einkassiert und die Export-Funktion kommt in WhatsApp (und anderen Messengern) zurück.

Bis dahin müssen sich deutsche WhatsApp-Nutzer gedulden – oder auf andere Wege ausweichen, um wichtige Chatverläufe zu archivieren. Ein Umstand, der zeigt, wie sehr rechtliche Streitigkeiten zwischen Konzernen die Nutzererfahrung beeinträchtigen können.

Zuletzt aktualisiert am 02.03.2026