Lerne KI in neuem Online-Kurs, jetzt starten.

Meta-Monopol unter Druck: Was bringen DMA und Zerschlagungspläne?

von | 01.02.2019 | Social Networks

Die Tech-Giganten werden immer mächtiger. Was 2019 noch Zukunftsmusik war, ist heute Realität: Meta (ehemals Facebook) hat seine Dienste längst vernetzt, neue Regulierungen sind in Kraft – und trotzdem wächst die Marktmacht weiter. Während der Digital Markets Act (DMA) erste Erfolge zeigt, fordern Experten schärfere Maßnahmen. Zeit für eine Bestandsaufnahme: Wie steht es um die Zerschlagungspläne und was bringen die neuen EU-Gesetze wirklich?

„Die EU hat ein scharfes Wettbewerbsrecht und seit einem halben Jahr auch ein starkes Datenschutzrecht“, sagte Bundesverbraucherschutzministerin Katarina Barley damals. Diese Worte von 2019 haben heute eine ganz neue Brisanz bekommen. Denn was damals angekündigt wurde, ist längst eingetreten – und noch mehr.

Meta hat tatsächlich seine drei Netzwerke Facebook, Instagram und WhatsApp technisch vernetzt. Seit 2023 können Nutzer plattformübergreifend kommunizieren, wodurch das größte Messenger-Netzwerk der Welt entstanden ist. Mit über 3 Milliarden aktiven Nutzern hat Meta eine beispiellose Marktposition erreicht.

Digital Markets Act zeigt erste Wirkung

Der Digital Markets Act (DMA), der 2024 vollständig in Kraft getreten ist, hat bereits erste Veränderungen bewirkt. Meta musste seine Werbepraxis anpassen und bietet EU-Nutzern mittlerweile kostenpflichtige werbefreie Varianten seiner Dienste an. Dennoch bleibt die Kritik bestehen: Die monatlichen Gebühren von 9,99 Euro für Instagram und 12,99 Euro für Facebook sind für viele Nutzer zu hoch.

Interessant ist auch die Entwicklung bei WhatsApp: Entgegen ursprünglicher Befürchtungen blieb der Dienst in Europa weitgehend werbefrei. Stattdessen setzt Meta auf Business-Features und kostenpflichtige Premium-Funktionen. In anderen Märkten wie Indien und Brasilien sind jedoch längst Werbeanzeigen im Status-Bereich zu sehen.

Interoperabilität als Game-Changer

Einen wichtigen Durchbruch gab es bei der Interoperabilität: Der DMA zwang Meta dazu, WhatsApp für andere Messenger-Dienste zu öffnen. Seit Ende 2025 können Nutzer von Signal, Telegram und anderen Diensten direkt mit WhatsApp-Kontakten kommunizieren – allerdings nur bei Einzelchats und mit aktivierter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Das hat dem Messenger-Markt neues Leben eingehaucht. Signal verzeichnet seitdem ein Wachstum von 40%, Threema konnte seine Nutzerzahl verdoppeln. Dennoch bleibt WhatsApp mit einem Marktanteil von über 70% in Europa dominant.

Zerschlagungspläne konkretisieren sich

In den USA sind die Zerschlagungspläne konkreter geworden. Die Federal Trade Commission (FTC) hat 2024 eine große Kartellklage gegen Meta eingereicht, die darauf abzielt, Instagram und WhatsApp wieder als eigenständige Unternehmen zu führen. Die Verhandlungen laufen noch, aber Rechtsexperten sehen gute Chancen für eine Teilzerschlagung.

Auch andere Tech-Giganten stehen unter Druck: Google wurde bereits dazu verdonnert, seine Suchmaschine von anderen Diensten zu trennen. Apple musste seinen App Store öffnen und alternative Bezahlsysteme zulassen. Der Wind hat sich definitiv gedreht.

geralt / Pixabay

EU verschärft die Gangart

Die Europäische Union hat ihre Regulierungsbemühungen massiv verstärkt. Neben dem DMA ist 2025 auch der AI Act in Kraft getreten, der Metas KI-Systeme streng reguliert. Das Unternehmen musste bereits mehrere Milliardenstrafen zahlen und seine Datensammlung drastisch einschränken.

Besonders schmerzhaft für Meta: Die EU-Kommission hat 2025 verfügt, dass das Unternehmen seine europäischen Nutzerdaten komplett von den US-Servern trennen muss. Die Kosten für diese Datenresidenzialisierung belaufen sich auf geschätzte 15 Milliarden Euro.

Neue Konkurrenz aus unerwarteten Ecken

Während Meta mit Regulierungen kämpft, erwächst neue Konkurrenz: BeReal, das authentische Foto-Netzwerk, hat mittlerweile 200 Millionen aktive Nutzer. Discord wird immer mehr zum Facebook-Ersatz für jüngere Zielgruppen. Und TikTok bleibt trotz politischer Turbulenzen ein ernsthafter Rivale.

Spannend ist auch die Entwicklung bei dezentralen Netzwerken: Mastodon und andere Fediverse-Plattformen gewinnen an Fahrt. Sie bieten echte Alternativen ohne zentrale Kontrolle – genau das, was viele Nutzer suchen.

Was bringt die Zukunft?

Die Zeichen stehen auf Wandel. Meta ist zwar noch immer dominant, aber die Marktmacht bröckelt. Die Regulierungen zeigen Wirkung, neue Konkurrenz entsteht, und die Nutzer werden kritischer. Die Monopolzeit der großen Tech-Konzerne neigt sich dem Ende zu.

Das bedeutet nicht das Ende von Meta, aber eine Rückkehr zu mehr Wettbewerb. Für Nutzer ist das eine gute Nachricht: Mehr Auswahl, bessere Datenschutz-Standards und innovative Features entstehen meist erst durch echte Konkurrenz. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die regulatorischen Maßnahmen ausreichen oder ob tatsächlich Zerschlagungen nötig sind.

Zuletzt aktualisiert am 06.03.2026

superboard small
schieb.de App Download
ebooks schlauer
Jörg Schieb bietet mit Pro, Plus und Flat digitale Newsletter, eBooks und Anleitungen für Menschen, die sich in der digitalen Welt zurechtfinden wollen.