In NRW testen Behörden eine KI-Software, um im Bereich der Kinderpornografie im Netz erfolgreicher zu fahnden. Ein Pilotprojekt, an dem sich Fachleute, Wissenschaftler und auch Microsoft beteiligen. Ein zweifellos sinnvoller Einsatz von KI. Aner wie funktioniert’s?

Fotos und Videos mit sexueller Gewalt an Kindern gab es vermutlich schon immer. Doch niemand kann ernsthaft bestreiten, dass die Digitalisierung und vor allem das Internet der solchen Videos Vorschub leisten, wie keine andere Kulturtechnologie zuvor. Es war noch nie so einfach und günstig, Fotos und Videos zu machen – und sie so bequem und effektiv an perverse Abnehmer in aller Welt zu verteilen.

Kein Zoll, der Päckchen anschaut. Kein Fotostudio, das auffällige Aufnahmen meldet. Im Darknet lässt sich zu allem Überfluss auch noch alles im Schatten der Anonymität abwickeln. Kein Wunder, dass dieser Schandfleck der Menschheit wächst und wächst.

Täterinnen und Täter agieren im Schatten der Anonymität

Gleichzeitig ist es für Polizei und Behörden sehr schwierig, Täter und Abnehmer ausfindig zu machen – eben weil es im Netz so einfach ist, sich (weitgehend) anonym zu bewegen. Das „Angebot“ und damit das Problem explodieren regelrecht: Rund drei Petabyte Daten kursieren Experten zufolge im Netz. Schier unvorstellbare Mengen an perversen Bildmaterial.

Ein Beamter kann sich maximal 500 Bilder pro Stunde anschauen. Es bräuchte vermutlich ein Sonderkommando von der Größe eines ganzen Landes, um überhaupt nur annähernd alles relevante Material zu sichten. Die Strafverfolgung ist dann noch ein ganz anderes Thema. Deshalb ist KI (Künstliche Intelligenz) die einzige Lösung. Microsoft entwickelt schon lange Algorithmen, um KI-gestützt kinderpornografische Aufnahmen (Fotos und Videos) im Netz zu entdecken. Und um gesuchte Personen zu identifizieren.

Forschungsprojekt will Fahndung verbessern

Außerordentlich begrüßenswert also, dass in NRW nun ein digitales Forschungsprojekt startet: Behörden wie die Staatsanwaltschaft Köln, Forscher der Universität des Saarlandes und Softwareexperten von Microsoft sowie von einigen anderen engagierten Stellen experimentieren mit „Kommissar KI“.

Ganz ehrlich: Ich kann mir kaum einen sinnvolleren Einsatz für KI vorstellen. Jede/r einzelne Täter/in weniger (es sind auch Frauen, die solche Angebote ermöglichen) und vor allem jede/r Abnehmer/in weniger ist ein Erfolg. KI kann helfen, den Fahndungsdruck erheblich zu erhöhen.

Allein die Sorge, in Zukunft wahrscheinlicher und schneller entdeckt zu werden, könnte bei dem ein oder anderen genug Druck aufbauen, es lieber zu lassen. Man kann dem Projekt also wirklich nur die Daumen drücken!