TikTok: Wer die App nicht selbst benutzt, hat doch sehr wahrscheinlich schon mal davon gehört. Denn neben Snapchat und Instagram zählt TikTok zu den beliebtesten Apps bei Kindern und Jugendlichen. Hier zeigen die User meist fröhliche Videos mit Musik – und erreichen so viel Aufmerksamkeit. Doch es gibt eine Menge Stolperfallen und problematische Entwicklungen bei der App aus China.

Anders als bei Instagram oder Facebook zeigt man bei TikTok nicht einfach nur Fotos oder Videos, die man selbst gemacht hat. Es geht vielmehr darum, die anderen zu unterhalten. Etwa, indem man Tricks zeigt, Kunststücke, vor allem aber, indem man lippensynchron singt. Eine Art Karaoke – allerdings singt man nicht wirklich, sondern tut nur so, und so entstehen Musik-Videos. Das ist mitunter sogar wirklich unterhaltsam. Aber wie in allen solzialen Netzwerken geht es natürlich darum, möglichst viel Aufmerksamkeit und Likes zu bekommen. Deswegen legen sich viele richtig ins Zeug – vor allem Mädchen.

Unzureichender Jugendschutz

Besonders viele Mädchen präsentieren sich sehr lasziv, teilweise anzüglich. Das kommt offensichtlich gut an – und wer auf der Suche nach Likes ist, unternimmt häufig alles. Genau aus diesem Grund ist TikTok zu einer Problem-App geworden. Es gibt durchaus „Anmache“ auf TikTok. Das betrifft auch Kinder und Jugendliche. Cybergrooming wird diese unerwünschte Kontaktaufnahme im Netz genannt.

Die einen fordern die anderen auf, sich doch freizügiger zu zeigen, gerne auch in privaten Videos. Das ist eine ständige Bedrohung auf TikTik. Eltern sollten das wissen uns genau hinschauen. Sie sollten mit ihren Kindern besprechen, welche Gefahren lauern und jeden Kontakt mit Fremdem verbieten. Wichtig ist, das TikTok-Profil auf privat zu stellen, damit nur Personen die eigenen Videos sehen können, die man kennt und die man freigeschaltet hat.

Menschen mit Behinderung ausgerenzt

Vor einigen Tagen ist bekannt geworden, dass TikTok aktiv die Videos von offensichtlich behinderten Menschen ausgebremst hat.

Was man wissen muss: TikTok hat Content-Moderatoren. Einige sitzen in Europa, andere – die meisten – in China. Die schauen sich an, ob Videos den Nutzungsbedingungen entsprechen und deaktivieren sie, wenn nicht. Sie können aber auch bestimmte Videos besser sichtbar machen – oder ausbremsen. Wenn sie der Meinung sind, die Videos sollten im Netz besser sichtbar sein – oder weniger gut sichtbar. Wie jetzt herausgekommen ist, hat TikTok Videos von behinderten Menschen gebremst. Aber auch von dicken Menschen – oder Personen aus dem LGBT-Spektrum.

Sie wurden also nicht komplett entfernt. Wenn man ganz gezielt gesucht hat, konnte man sie finden. Aber: Sie wurden deutlich weniger häufig gezeigt als andere Videos. Per Algorithmus. Weniger Menschen haben die Videos gesehen. Das hat TikTok sogar zugegeben. Angeblich wollte das Netzwerk die Menschen schützen, etwa vor blöden Kommentaren oder Beleidigungen, vor Cyber-Mobbing. Doch die Empörung darüber ist riesig – verständlicherweise.

Kaum politische Inhalte – und das ist sicher kein Zufall

Und als wäre das noch nicht genug, scheint TikTok auch die Inhalte generell zu scannen und bestimmte Inhalte zu unterbinden. Obwohl die App aus China kommt, gibt es erstaunlich wenige Inhalte, die sich mit den Protesten in Hongkong beschäftigen.

Man muss wohl von Zensur ausgehen. Es gibt praktisch kaum Videos, die etwas von den Hongkong Demos zeigen. Ungewöhnlich, denn junge Menschen nutzen heute natürlich alle sich bietenden Kanäle. Die Vermutung liegt nahe, dass TikTok solche Videos komplett sperrt oder zumindest ihre Sichtbarkeit einschränkt, so wie bei den Behinderten geschehen. Offiziell behauptet TikTok, keine Videos zu löschen, TikTok sei halt eine Spaß-Plattform. Da würden die Menschen solche Videos mit politischen Botschaften halt nicht einstellen. Aber das ist völlig unglaubwürdig.