Facebook, WhatsApp, Instagram und Facebook Messenger: Diese vier Welten sind eigentlich gar keine vier Welten. Sie gehören alle zum Facebook-Konzern. Und der möchte die vier Dienste enger miteinander verknüpfen. Damit User aus dem einen mit Usern aus dem anderen Netzwerk chatten können, zum Beispiel. Das wurde schon vor Monaten angekündigt – und soll nun allmählich durchgeführt werden. Doch die Kontrollbehörde FTC (Federal Trade Commission) in den USA will das jetzt verhindern.

Laut „Wall Street Journal“ (WSJ) sind für diese Monat erste Schritte geplant: Die FTC will das Zusammenschmelzen der Dienste verhindern.

Mark Zuckerberg hat vor ziemlich genau einem Jahr angekündigt, die Dienste Facebook Messenger, WhatsApp und Instagram enger zu verbinden. Es soll möglich etwa sein, eine Nachricht aus Instagram an WhatsApp zu schicken, also alle Dienste untereinander zu verknüpfen. Denkbar ist sogar, aus der Facebook-Oberfläche heraus auf alle Messenger zugreifen zu können.

Facebook argumentiert: Cool für die User, denn die können dann bequem mit Usern aus allen Netzwerken kommunizieren, sogar mit WhatsApp. Das stimmt natürlich auch. Allerdings macht das Facebook noch viel mächtiger als ohnehin schon: Wie soll ein anderer Messenger jemals gegen diese Marktmacht ankommen? Unmöglich. Deshalb erwägt die FTC, diesen Zusammenschluss zu verbieten. Weil es wettbewerbsschädigend ist.

Verprechen gebrochen

Als Facebook sich den Messenger-Dienst WhatsApp vor einigen Jahren einverleibt hat, war doch eigentlich eine strikte Trennung von Facebook Messenger und WhatsApp Bedingung, um diesen Kauf zuzulassen.

Facebook hat WhatsApp 2014 für unglaubliche 19 Milliarden Dollar gekauft. Damals hieß es: Für WhatsApp-User würde sich nichts ändern. WhatsApp bliebe unabhängig. Bei der Übernahme von Instagram 2010 war es ganz ähnlich. Jetzt ist die Frage, was damit gemeint ist. Denn „unabhängig“ in dem Sinne, dass die Apps separat existieren, das ist durchaus der Fall. Allerdings musste Facebook auch zusichern, dass keine Daten von WhatsApp und Instagram zu Facebook fließen.

Wir wissen, dass das schon längst nicht mehr stimmt. Die Netzwerke sind miteinander verbunden. Es fließen sehr wohl Daten zum Facebook-Konzern und werden dort verarbeitet. Die Nutzerprofile werden verschärft. Eine klare Missachtung der Auflagen damals und ein klarer Bruch des Versprechend. Deshalb erwägt die FTC sogar, eine Zerschlagung von Facebook einzuleiten. Das ist leichter, wenn nun der Zusammenschluss der Messenger nicht genehmigt wird – deshalb wird die FTC gerade aktiv.

Netzwerke zusammengelegt

Fallen Facebook-Server aus, fallen oft auch WhatsApp und Instagram aus. Und wer Werbung schaltet bei Facebook und/oder im Facebook Messenger, kann bequem und gleichzeitig auch Werbung auf Instagram schalten. Ist alles längst eng miteinander vernetzt: Dieselbe Anzeige in allen Netzwerken. Nur in WhatsApp nicht, das ist noch werbefrei. Man muss wohl davon ausgehen, dass auch andere Daten, etwa Nutzungs- und Bewegungsdaten sowie soziale Netzwerke nicht in den jeweiligen Netzwerken verbleiben, sondern zusammengetragen werden. Facebook gibt so etwas aber immer erst zu, wenn es nicht mehr zu leugnen ist. Auf Versprechen oder Erklärungen kann man sich leider nicht verlassen – das zeigt die Vergangenheit eindeutig.

Natürlich: Es ist ungeheuer praktisch, wenn die User aller(!) Netzwerke miteinander kommunizieren könnten. Deshalb sollte das die Auflage sein: User aus jedem Netzwerk sollen mit Usern aus jedem anderen Netzwerk kommunizieren können. Die Netzwerke sollen sich öffnen. Das nennt sich Interoperabilität. Das wäre dann wirklich gut für die User – und für den Wettbewerb. Denn dann kann ich das sichere Threema nutzen und trotzdem mit einem User mit WhatsApp kommunizieren. Das will Facebook natürlich verhindern. Also ist die Aussage, Facebook läge das Wohl der User am Herzen, schlichtweg gelogen. In der Politik gibt es erste zarte Bestrebungen, die Interoperabilität voranzubringen.