WhatsApp ist mit seinen mittlerweile 2 Milliarden Nutzern weltweit der mit Abstand populärste Messenger. Alternativen wie Signal, Threema oder Telegram haben es da nicht leicht, sich gegen das Schwergewicht durchzusetzen. Das gilt nicht nur für uns Privatleute, sondern auch für Behörden – und sogar die hohe Politik, etwa in der EU. Auch hier wird vor allem WhatsApp eingesetzt. Und das wird zunehmend als Sicherheitsrisiko gesehen.

WhatsApp gehört ja zu Facebook und Facebook gilt nun wirklich nicht als besonders vertrauenswürdig. Und trotzdem setzen Politiker und Diplomaten WhatsApp ein?

Den Politikern geht es da genau wie uns: Sie haben WhatsApp, sie kennen WhatsApp – und da ist es naheliegend und vor allem super bequem, per WhatsApp zu kommunizieren. Das Argument: WhatsApp ist verschlüsselt. Also werden WhatsApp-Gruppen angelegt, für jedes Ressort, für jedes Thema, für jede Arbeitsgruppe – und fleißig kommuniziert. Weitgehend ohne schlechtes Gewissen. Der britische Guardien nennt das: „The rise and rise of international Diplomacy bei WhatsApp“, also den Aufstieg der internationalen WhatsApp-Diplomatie.

In der EU regt sich Widerstand

Doch jetzt regt sich Widerstand in der EU. Experten raten dazu, andere Messenger zu nutzen.

Es gibt eine lange Liste von Problemem die Grund dafür sind. Nachrichten werden zwar automatisch ziemlich gut verschlüsselt. Doch in letzter Zeit hat es einige Sicherheitslücken in WhatsApp gegeben. Natürlich stürzen sich Hacker am liebsten auf eine Software, die zwei Milliarden Menschen nutzen. Also finden sich da auch mehr Sicherheitslecks. Wir erinnern uns an den Fall Saudi-Arabien und Amazon-Chef Jeff Bezos: Da wurde ein Sicherheitsleck ausgenutzt, um Bezos auszuspionieren.

WhatsApp

Dann gab es gerade die Cryptoleaks-Enthüllungen. Sie zeigen, dass USA und Deutschland seit Jahren die verschlüsselte Kommunikation belauschen. Und selbst wenn man etwas heute noch nicht knacken kann: Die Quantencomputer stehen in den Startlöchern, mit denen das dann gehen wird. Dann lässt sich auf Vorrat gespeicherte Kommunikation dann möglicherweise doch entschlüsseln, irgendwann. Auch die NSA mischt da mit. Es gibt also genügend berechtigte Zweifel, dass WhatsApp für Europäer ein verlässlicher Dienst ist – schließlich wird Facebook alles tun, was US-Behörden verlangen.

EU-Experten empfehlen Signal

Nun gibt es eine interne Notiz einer Expertengruppe in der EU, die ausdrücklich einen anderen Messenger empfiehlt: Signal.

Signal sei die sichere Alternative, heißt es in der Notiz, die netzpolitik.org vorliegt. Daraus wurde eine Empfehlung, die an alle Mitarbeiter verschickt wurde. Es kommt also etwas in Bewegung. Noch gibt es keine Verpflichtung, auf WhatsApp zu verzichten. Aber möglicherweise ist das der nächste Schritt. Noch darf WhatsApp aber eingesetzt werden.

Probem: Metadaten

Ein Problem, das angesprochen wird, sind die sogenannten Metadaten.

Bei den Metadaten handelt es sich um Angaben über Sender und Empfänger, Zeit und Datum sowie Nachrichtengröße. Aus den Metadaten lässt sich ablesen, wer mit wem kommuniziert. Durch die Dateigröße lassen sich Rückschlüsse treffen, ob etwa Bilder oder Videos mitgeschickt wurden. All das speichert Facebook – und weiß daher eine Menge. Außerdem kann Facebook das Telefonbuch auslesen. Signal hingegen speichert nach eigenen Angaben möglichst wenige Informationen über Nutzer:innen. Der Dienst verschlüsselt Metadaten und löscht sie von seinen Servern, sobald die Nachricht verschickt ist.

Es ist ein Skandal, dass WhatsApp nicht längst abgesetzt ist in der Diplomatie und Politik. Das ist eine unkalkulierbare Flanke und unverantwortlich, es einzusetzen. Einer der ehemaligen Gründer von WhatsApp, der mit dem Verkauf des Messengers an Facebook Milliarden verdient hat, ist derart schockiert über das was Facebook mit dem Messenger macht, dass er 50 Millionen Dollar an Signal gespendet hat und nun dort mitmacht. Er will Signal ausbauen. Komfortabler machen. Noch sicherer. Und vor allem Gruppen-Chats verbessern. Es gibt da keine Frage: Signal ist die deutlich bessere Variante. Jetzt erst recht.