Geschlossene Geschäfte, nur kurz offene Restaurants, Home Office, Absage von Veranstaltungen: Es gibt aktuell sehr viele Maßnahmen, die dazu führen sollen, dass sich weniger Menschen infizieren. #FlattenTheCurve: Haltet Euch an die Anordnungen, fordern viele im Netz. Aber halten sich die Menschen wirklich dran? Das wollen die Behörden wissen – und greifen dazu jetzt auf Handydaten zurück, die von der Telekom kostenlos zur Verfügung stellt. Eine Art Massen-Tracking.

Die Telekom hat dem RKI (Robert Koch Institut) nun rund 5 GB Daten übergeben. Daraus lässt sich sehen, ob und wie sich die Bewegungen der Bevölkerung in den letzten Tagen und Wochen verändert haben. Denn all die Maßnahmen zum Schutz vor Corona, die kürzlich beschlossen wurden, haben vor allem den Sinn, die Zahl der Sozialkontakte zu reduzieren. Die Bewegungsströme zu verkleinern.

Wer wüsste besser als die Mobilfunkanbieter und die Online-Plattformen, wie wir uns bewegen, wo wir sind. Sie können mühelos Bewegungsprofile anlegen.. Es lässt sich ablesen, wie viele Menschen in die Innenstadt kommen – und wann und von wo. Welche Spielplätze und Parks hochfrrequentiert sind. Wie viele in Cafés gehen, abends wieder die Stadt verlassen. Es lässt sich also erkennen, ob es ruhiger wird oder ob sich die Menschen an einzelnen Orten ballen.

Keine persönlichen Daten

Kann man also sehen, wo ich gewesen bin, wo Du donnerstags immer so hinfährst? Google und Co. wissen so etwas tatsächlich. Auch die Mobilfunkanbieter könnten das wissen. Alle, die ständig unsere GPS-Daten bekommen.

Aber in diesem Fall wurden jetzt keine persönlichen Bewegungsdaten übergeben. RKI kann also nicht verfolgen: Jörg Schieb war heute im Park und hat nah bei einer Gruppe gestanden. Alle  Daten die die Telekom übergebn hat sind anonymisiert, es besteht also keine Möglichkeit, irgend etwas auf eine Person oder eine bestimmte Personengruppe zurückzurechnen. Mit 5 GB ist der Datensatz auch nicht besonders groß. Die Daten wurden anonymisiert und gruppiert.

Es geht den Behörden erst einmal darum zu sehen, ob sich die Bewegungsverhalten in Deutschland verändert. Man sieht sich nicht die Bewegungen der Einzelnen an, sondern die Strömungen der Masse. Anhand dieser Daten lässt sich so erkennen, ob die aktuellen Maßnahmen der Politik greifen und den gewünschten Effekt erzielen – oder eben nicht.

Bewegungsmuster erkennen und analysieren

Nur: Wie genau und präzise sind die Daten? Lässt sich nur sehen, ob sich die Menschen in Berlin besser an die Vorgaben halten als in Köln, oder kann ich das auch für Viertel und Straßenzüge sagen?

Die Telekom hat jetzt ja nur einen ersten Datensatz übergeben – es sollen noch weitere kommen. Die Bewegungsdaten lassen sich auf Bundesebene, auf Landesebene und bis hin auf Kreis-Gemeinde-Ebene herunterbrechen. Es gibt also schon ein sehr differenziertes Bild. Die Daten einzelner Bürger oder Infizierter lassen sich nicht erkennen – der Datenschutz ist also absolut gewährleistet. Niemand muss befürchten, dass seine Daten öffentlich werden, was viele gleich reflexartig befürchtet haben.

Daten auch von anderen Anbietern

Natürlich könnte nicht nur die Telekom solche Daten zur Verfügung stellen. Es gibt schließlich noch andere große Mobilfunkanbieter, etwa Vodafone oder Telefonica. Natürlich wären die Prognosen noch detailreicher, wenn auch deren Daten ausgewertet werden könnten. Aber für einen ersten Überblick reichen zweifellos die Daten von einem Anbieter, da jeder einzelne von ihnen genügend Kunden hat, um ein gutes statistisches Mittel zu enthalten.

Aber auch Vodafone hat bereits signalisiert, solche Daten auf Wunsch bereitzustellen – sogar weltweit, denn die Frage nach der Effektivität eingeleiteter Maßnahmen stellen sich schließlich überall in der Welt. Auch in Österreich hat der dort größte Mobilfunkanbieter A1 solche Daten bereitgestellt.

Risiko-Ampel: Hatte ich Kontakte mit Infizierten`

In Asien kommen Apps zum Einsatz – sehr effektiv

In anderen Ländern wie China oder Südkorea gibt es sogar Apps, die die Bevölkerung nutzen können, um sich zu schützen.

In Asien ist der Gemeinschaftssinn größer und der Datenschutz weniger wichtig. Dort gibt es in der Tat Apps, die noch energischer helfen sollen, die Verbreitung einzudämmen – und es funktioniert sogar. Sie tracken jeden einzelnen Bürger, sie überprüfen, dass die Menschen auch wirklich genug Abstand halten – und verraten, ob aktuell eine infizierte Person in der Nähe ist, ob man also gerade “safe” ist oder nicht. Auch die Daten der Sozialen Netzwerke zu nutzen, also von Google, Facebook und Co. halte ich für eine kluge Idee.

Auch in Deutschland wurde bereits eine Lösung entwickelt, die eine freiwillige Datenspende von Infizierten vorsieht. Der Einsatz solcher Apps ist in meinen Augen sehr sinnvoll, da sich die Verbreitung der Krankheut auf diese Weise effektiv eindämmen lässt.