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Im Web sind die meisten vorsichtig: Jede Webseite präsentiert beim ersten Besuch umfangreiche Übersichten darüber, welche Cookies hinterlegt werden. Nutzer haben die Möglichkeit, dem zuzustimmen – oder eben nicht. Dann dürfen die Cookies auch nicht gespeichert werden. Und das bedeutet in der Regel wenigstens ein bisschen mehr Privatsphäre und Datenschutz. Doch bei Apps gibt es so etwas nicht. Sind die also sicher?

Webseiten müssen uns informieren, wenn Cookies angelegt werden. Bei Apps gibt es so etwas nicht. Bedeutet das, dass es dort auch keine Cookies gibt?

Das ist leider ein Trugschluss. Auch Apps spionieren Nutzer aus – das machen viele Apps sogar sehr intensiv. Jede App enthält laut aktuellen Studien im Durchschnitt sechs sogenannte „Tracker“. Methoden also, die Nutzer der Apps auszukundschaften – in der Regel für die Werbeindustrie. Wo und wann gehen die User online, welche Apps verwenden sie, wofür interessieren sie sich – das lässt sich mit Trackern herausfinden.

Unbemerkt, denn das passiert alles im Hintergrund. Diese Daten sind sehr wertvoll und lassen sich von der Werbeindustrie auf dem Smartphone ausschlachten. Bei jeder App, die wir benutzen, füttern wir im Schnitt sechs Tracking-Systeme mit Daten.

Tracking Ortung

Kostenlose Apps tracken häufiger

Wir sollten uns öfter mal fragen: Wieso gibt es eine App kostenlos? Klar, bei der ARD Audiothek zum Beispiel liegt es auf der Hand. Die App ist von Gebührengeldern finanziert. Aber die meisten müssen die nicht unerheblichen Entwicklungskosten für eine App wieder reinbekommen. Wenn sie kein Geld dafür nehmen von den Nutzern, finden sie einen anderen Weg. Manche zeigen innerhalb der Apps – etwa Spielen – Werbung.

Dann sehen wir zumindest, wie die App refinanziert wird. Bei manchen Apps erscheint aber keine Werbung, und sie spionieren uns trotzdem aus. Das machen „Tracker“ im Hintergrund. Sechs davon im Durchschnitt pro App. Das bedeutet: Manche Apps deutlich weniger oder gar keine, andere aber auch 12 oder mehr Tracker. Und wir merken es nicht einmal.

Tracker ablehnen – das geht normalerweise kaum

Auf Webseiten kann ich die Cookies ablehnen. In der Welt der Apps gibt es etwas Vergleichbares noch nicht. Doch Apple arbeitet daran: Seit einigen Wochen erfahren Nutzer von iOS und MacOS in den entsprechenden App-Stores, welche Angaben die Entwickler der Apps über die erhobenen Daten machen. Sie müssen genau angeben, welche Daten aus dem Gerät gelesen und verarbeitet werden, etwa Kontaktdaten oder Kalenderdaten. Das ist schon mal ein Fortschritt.

Doch jetzt hat Apple angekündigt, in den nächsten Versionen seiner Betriebssysteme – die alle im Frühjahr erscheinen sollen – deutlich mehr Funktionen anzubieten, die auch Tracker betreffen. Die Nutzer sollen die Möglichkeit haben zu sehen, welche Tracker im Gerät aktiv sind – und bei welcher App. Und: Die Nutzer können die Tracker auch jederzeit bequem abschalten. Das führt dann dazu, dass die Apps keine Daten mehr erheben und weitergeben können, wenn die Nutzer das nicht wollen. Also deutlich mehr Privatsphäre und Datenschutz für die User.

Apple kann das, Google kaum

Das klingt doch nach einer begrüßenswerten Entwicklung. Warum nur bei Apple?

Der große Vorteil von Apple ist, dass das Unternehmen sein Geld nicht mit dem Auswerten von Nutzerdaten verdient. Deshalb hat Apple kein Interesse daran – und unterstützt tatsächlich aktiv den Datenschutz. Die Werbenetzwerke freut das nun nicht gerade.

Für Facebook ist das ein riesiges Problem. Mark Zuckerberg erklärt Apple deshalb aktuell auch zum größten Rivalen. Auch Google dürfte sich darüber nicht freuen – Google betreibt ein sehr großes Werbenetzwerk. Google wird eine ähnliche Transparenz wohl kaum in Android einbauen, denn dann würde sich Google ins eigene Fleisch schneiden.

Die jüngsten Vorschläge und Entwicklungen bei Apple taugen eigentlich fast als Blaupause für entsprechende Vorschriften. Die EU sollte eine Transparenz und Gestaltungsmöglichkeit vorschreiben, wie sie Apple nun anbietet.