Schnelles Internet: Davon wird viel gesprochen – aber kann man es bekommen? Viel zu vielem Menschen nein. Privatleute und Betriebe hängen vom Goodwill einiger Provider und Konzerne ab. Meine persönliche Erfahrung: Eingekauftes Tempo wird nicht bereitgestellt – und beworbene Glasfaser soll plötzlich doppelt so viel kosten.

Kennen Sie den? Will ein Selbständiger in Deutschland einen schnellen, aber bezahlbaren Internetanschluss

Keine Pointe. Sachbearbeiter bei Telekom, Vodafone, Versatel und wie sie alle heißen schmeißen sich bei diesem Gedanken weg vor Lachen. Schnell – und gleichzeitig auch noch ein fairer Preis? Ja wo leben wir denn, etwa in Estland?

Kennen Sie den?

Schön wär’s, denn anders als hier geht es da richtig gut voran mit der Digitalisierung.

Telekom und DSL

Doch bei uns in Deutschland ist lahmes Internet leider keine Seltenheit, sondern traurige Realität. Laut Bericht der Bundesnetzagentur erreichen nicht mal drei Viertel der Bundesbürger zu Hause die Hälfte(!) des eingekauften Datentempos. Nur einer vor vier Kunden (25%) erreicht das maximale Datentempo. Dreiviertel aller Kunden bekommen also nicht das, was sie bezahlen.

Das lässt sich nur so auf den Punkt bringen: Ein Armutszeugnis!

Meine Erfahrung mit Vodafone (Kabel): Download spitze – Upload eine Katastrophe (statt 50 MBit/Sekunde oft nicht mal 5 MBit/Sekunde. Seit Monaten.

DSL-Anschlüsse in Deutschland: Teuer, aber langsam…

Das ist umso empörender, wenn man bedenkt, dass DSL-Anschlüsse in Deutschland teurer sind als in den meisten anderen Ländern Europas. Das gilt nicht nur für private Anschlüsse, sondern auch für gewerbliche Kunden.

Doch jetzt hat die Bundesregierung eine Art “Recht auf schnelles Internet” beschlossen.

Man kann sich leicht ausmalen, warum gerade jetzt: Bald sind Bundestagswahlen. Und da wollen die Regierungsparteien den Eindruck erwecken, sie hätten was für die Digitalisierung getan.

Haben sie aber nicht. Denn hätten sie, dann wäre das schnelle Internet bereits da – auch auf dem Land. Und wir bräuchten keinen angeblichen Rechtsanspruch darauf. Doch vor allem bringt der Verstoß keine wirklichen Verbesserungen. Es sind nicht etwa Investitionen und konkrete Ausbauziele definiert, sondern lediglich Bandbreiten als Zielvorgabe definiert.

Beim Download ist von 30 Mbit/Sekunde als Richtwert die Rede. Der verbindliche Minimalwert liegt bei nicht mal 20 Mbit/Sekunde. Angesichts solcher „Ziele“ sollten alle, die daran mitgewirkt haben, vor Scham im Boden versinken.

Für Verbraucher ändern sich durch das Gesetz immerhin die Laufzeiten der DSL-Verträge. Die sollen künftig nach Ablauf der Mindestlaufzeit nicht noch einmal automatisch um ein oder zwei Jahre verlängert werden. Nutzer könnten sie danach monatlich kündigen. Das erhöht zumindest etwa den Druck auf die Provider. Aber wenn alle schlechte Bandbreiten bieten, bringt das auch keinen Vorteil.

Glasfaser

Glasfaser: Nicht verschlafen, sondern verhindert

Die Verantwortlichen in der Politik, insbesondere im zuständigen Verkehrsministerium, die für Breitband zuständig sind, haben ihre andauernd wiederholten Versprechen nicht eingehalten. Auch die Staatssekretärin für Digitales, Dorothee Bär, hat sich nicht genug dafür ins Zeug gelegt. Anderenfalls hätte sich was getan.

Es gibt nur eine Wunderwaffe gegen lahmes Internet: Glasfaser. Aber da ist Deutschland grottenschlecht aufgestellt.

Es war CDU-Kanzler Helmut Kohl, der dem Glasfaserausbau verhindert hat. ZDF-Royale-Moderator Jan Böhmermann dokumentiert die Fakten eindrucksvoll und korrekt in seiner Sendung. Kohls Nachfolger haben diesen riesigen Fehler nicht korrigiert. Bis heute nicht. Deshalb sind wir in Deutschland in Sachen Glasfaser auf den letzten Plätzen.

Man muss es so deutlich sagen: Der Breitbandausbau wurde in Deutschland nicht verschlafen – er wurde aktiv verhindert. Von den Verantwortlichen in der Politik. Das schadet der Wirtschaft, dem Image und lähmt Unternehmen.

Die letzte Meile: Zu viel Kuper, zu weniger Glasfaser

Ich kann selbst ein Lied davon singen. Mein Kabelanschluss von Vodafone bringt oft nur 5 MBit/Sekunde im Upload – von eingekauften 50 MBit/Sekunde. Das sind 10%. Die Gebühren werden trotzdem berechnet.

Aber kein Glasfaser weit und breit, da wo ich mein Büro habe. Beim Düsseldorfer Anbieter Versatel, der mittlerweile zu 1&1 gehört, habe ich vor einigen Monaten einen sündhaft teuren Business-Tarif gebucht – aber über zwei Monate später nicht mal einen Anschlusstermin.

Versatel: Erst falsche Versprechungen – dann doppelten Preis fordern

Nach über 10 Wochen dann die Auskunft der Planer: Das Verbuddeln der Glasfaser dauert länger und kostet mehr. Versatel wollte die monatlichen Kosten mal eben fast verdoppeln: Von 450 EUR im Monat auf 800 EUR im Monat.

Dringend notwendige Investitionen werden einfach auf die Kundschaft abgewälzt – so funktioniert Digitalisierung in Deutschland.

Und was macht die Regierung? Definiert einen angeblichen „Anspruch“ von etwa 20 MBit/Sekunde. Lächerlich. Kein Selbständiger, erst recht kein Grafiker, Layouter oder mit Videos beschäftigter Mensch kommt damit klar. Unternehmen schon mal gar nicht.

Bundesregierung lässt das Land hängen

Man kann zu keinem anderen Urteil kommen: Die Bundesregierung lässt Bürger und Wirtschaft hängen. Seit Jahren wird von „Digitalisierung“ und „Breitbandausbau“ fabuliert – aber niemand bringt die Sache ernsthaft voran. So kann man ein Land auch gegen die Wand fahren. Sehenden Auges. Es ist unverantwortlich und unverzeihlich.

Währenddessen ziehen asiatische Länder, China, selbst Osteuropa an uns vorbei. Sie entwickeln schneller, haben bessere Netzwerke, intelligentere Anwendungen in der Verwaltung – und sind mit der Nase einfach vorn.

Wie armselig die Ausstattung von Schulen ist – nicht nur in Sachen Hardware, sondern auch und vor allem in Sachen Breitbandanbindung – spottet jeder Beschreibung. Ein weiteres Indiz dafür, dass die aktuelle Regierung – aber auch alle davor – die Zeichen der Zeit nicht hören, nicht sehen und vor allem nicht verstehen.

Übrigens: Wie schnell das eigene Internet ist, lässt sich mit der Breitbandmessung der Bundesnetzagentur ermitteln – das Ergebnis fließt in die Statistik ein.