Telegram und seine Rolle bei der Radikalisierung

von | 19.12.2021 | Social Networks

Der Messenger Telegram bleibt 2026 das wichtigste Werkzeug für Radikalisierung und Hetze. Nach Jahren der Diskussionen sind die technischen und juristischen Hürden weiterhin hoch – doch neue EU-Gesetze zeigen erste Wirkung.

Der Messenger Telegram ist auch 2026 ein zentrales Problem für den gesellschaftlichen Frieden. Hier kursieren nach wie vor reichlich gefährliche Inhalte: Desinformation, Verschwörungstheorien und vor allem unverhohlene Aufrufe zur Gewalt. Die leider immer noch regelmäßig in konkrete Taten umgesetzt werden.

Anders als bei Plattformen wie Meta, Youtube oder TikTok waren die Betreiber von Telegram lange Zeit schwer greifbar – und das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) ließ sich auf Telegram kaum durchsetzen. Doch mit dem Digital Services Act (DSA) der EU seit 2024 hat sich die Lage teilweise geändert.

Was ist heute anders?

Telegram: Der Messenger ist eine Symbiose zwischen Messenger Social Network

Telegram: Der Messenger ist eine Symbiose zwischen Messenger Social Network

Telegram: Nach wie vor ein digitaler Volksempfänger

Vor allem extremistische Gruppen nutzen geschickt das Interesse vieler Menschen, die sich „alternativ“ informieren wollen. QR-Codes, Deeplinks und KI-generierte Inhalte machen den Einstieg heute noch einfacher. Einmal drin, werden Nutzer mit einem Cocktail aus Desinformationen, KI-generierten „Beweisvideos“ und emotionalen Verschwörungsnarrativen überschüttet.

Der Algorithmus von Telegram wurde 2025 nochmals verfeinert und schlägt gezielt ähnliche Gruppen vor. Das macht den Ausstieg noch schwerer. Die Plattform nutzt heute auch Audio-Nachrichten und Live-Streams für die Verbreitung von Hass – Formate, die schwerer zu moderieren sind.

Auf Telegram werden nicht nur Falschnachrichten verbreitet, sondern auch konkrete Aufrufe zur Gewalt. Die Plattform bleibt das zentrale Organisationswerkzeug für extremistische Aktionen. Neu ist die Nutzung von Bots, die automatisch Hasskommentare generieren und so den Eindruck einer großen Bewegung erwecken.

Es gibt keinen Zweifel: Telegram ist das mit Abstand wichtigste Instrument für Radikalisierung und die Ausbreitung von Hass, Hetze und konkreten Gewaltandrohungen.

Warum bleibt Telegram so attraktiv für Extremisten?

Telegram ist eine hybride Plattform zwischen Social Network und Messenger. Diese Mischung macht die Radikalisierung so effektiv: Die App verbindet die Intimität von Messengern mit der Reichweite von Social Networks.

Telegram-Gruppen können bis zu 200.000 Nutzer haben. In den „Kanälen“ ist die Zahl unbeschränkt – manche haben über eine Million Abonnenten. 2025 führte Telegram zusätzlich „Super-Gruppen“ mit erweiterten Funktionen ein, die noch mehr Vernetzung ermöglichen.

Besonders problematisch: Telegram nutzt seit 2024 KI-gestützte Übersetzungen, wodurch sich extremistische Inhalte länderübergreifend noch schneller verbreiten. Der „Rabbit Hole Effekt“ wird durch personalisierte Empfehlungen verstärkt – wer einmal drin ist, kommt schwer wieder raus.

Neue rechtliche Lage: DSA zeigt erste Wirkung

Seit 2024 gilt in der EU der Digital Services Act (DSA), der auch Telegram erfasst. Anders als das deutsche Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) gilt der DSA für alle großen Online-Plattformen – unabhängig von ihrem Hauptzweck.

Telegram musste 2025 erstmals Transparenzberichte veröffentlichen und Löschstatistiken vorlegen. Das Unternehmen, das mittlerweile offiziell von Dubai aus operiert, hat auch EU-Repräsentanten benannt. Doch die Kooperation läuft schleppend.

Immerhin: Apple und Google haben auf EU-Druck 2025 strengere Richtlinien für Messenger-Apps eingeführt. Apps, die wiederholte DSA-Verstöße begehen, können aus den Stores entfernt werden. Bei Telegram ist das bisher noch nicht passiert – aber die Drohung wirkt.

Was funktioniert – und was nicht

Positiv: Einige große Telegram-Kanäle wurden 2025 tatsächlich geschlossen. Nicht durch Telegram selbst, sondern durch koordinierte Aktionen von Strafverfolgungsbehörden mehrerer EU-Länder. Die neuen „Digital Police Units“ können heute schneller und grenzübergreifend agieren.

Negativ: Für jeden geschlossenen Kanal entstehen drei neue. Die Szene ist beweglicher geworden und nutzt Backup-Kanäle und automatische Weiterleitungen. Verschlüsselung macht Ermittlungen zusätzlich schwer.

Ein Hoffnungsschimmer: Seit 2026 arbeiten EU-Behörden mit KI-Tools, die extremistische Inhalte automatisch erkennen können – auch in verschlüsselten Nachrichten durch Metadaten-Analyse. Das macht Ermittlungen effizienter.

Der Ausblick: Kein einfacher Weg

Telegram bleibt ein zentrales Problem. Komplette Sperrungen sind technisch möglich, aber politisch umstritten. Zu groß ist die Gefahr, auch legitime Kommunikation zu behindern.

Vermutlich wird der Druck über die App-Stores und Zahlungsdienstleister steigen. Telegram finanziert sich inzwischen auch über Premium-Abos und Werbung – Ansatzpunkte für Sanktionen.

Klar ist: Das Problem löst sich nicht von selbst. Es braucht eine Kombination aus technischen Maßnahmen, rechtlichem Druck und vor allem Aufklärung. Denn am Ende entscheiden die Nutzer selbst, welchen Inhalten sie glauben.

Wie durchsetzungsfähig ist das Netzwerkdurchsetzungsgesetz?

Zuletzt aktualisiert am 23.02.2026