Ist eine App kostenlos, dann zahlt ihr mit euren Daten – das gilt 2026 mehr denn je. Was ihr gegen die digitalen Datenkraken tun könnt und welche neuen Schutzmaßnahmen wirklich helfen.
Manchmal könnte man der Meinung sein, dass das Internet und auch die Apps für Smartphones von gutmeinenden Menschen entwickelt werden: So viel ist kostenlos konsumierbar! Die Kosten für die Entwicklung und Pflege des Contents aber entstehen ja und müssen finanziert werden. Die einen Anbieter pflastern die Seiten und Apps mit Werbung zu, die anderen fragen viel mehr Daten ab, als für den Betrieb nötig wären.
Hier gibt es eine Übersicht der 100 beliebtesten Apps und deren Zugriff auf Daten auf dem Gerät. Wenig verwunderlich: Google mit diversen Apps und auch Facebook sind vorne mit dabei.
Die größten Datenkraken 2026
Die Situation hat sich seit 2022 verschärft. TikTok führt mittlerweile die Liste der datenhungrigsten Apps an, gefolgt von Instagram, WhatsApp und verschiedenen Google-Services. Besonders problematisch: Viele Apps sammeln biometrische Daten, analysieren euer Nutzerverhalten mit KI und erstellen detaillierte Persönlichkeitsprofile.
Neu hinzugekommen sind diverse KI-Apps wie ChatGPT-Clients, Bildgeneratoren und Fitness-Tracker, die oft mehr Daten sammeln als nötig. Shopping-Apps wie Temu oder Shein stehen ebenfalls im Fokus der Datenschützer.
Was sammeln die Apps konkret?
Die Bandbreite ist erschreckend:
• Standortdaten: Nicht nur GPS, sondern auch WLAN-Netzwerke und Bluetooth-Verbindungen zur präzisen Lokalisierung
• Biometrische Daten: Gesichtserkennung, Fingerabdrücke, sogar Gangmuster und Tippverhalten
• Kontakte und Kommunikation: Adressbuch, Anruflisten, SMS-Verläufe
• Medien: Fotos werden oft nicht nur gespeichert, sondern auch mit KI analysiert
• Nutzungsverhalten: Welche Apps ihr wann wie lange nutzt, Scrollgeschwindigkeit, Verweilzeiten
• Sensordaten: Beschleunigungsmesser, Gyroskop, Mikrofon für „Always-On“-Features
Neue Gefahren durch KI
2026 ist das Problem noch brisanter geworden: KI-Algorithmen können aus scheinbar harmlosen Daten überraschend viel ableiten. Aus euren Tippmustern lassen sich Krankheiten diagnostizieren, aus Musik-Streaming-Verhalten politische Einstellungen ableiten und aus Einkaufsgewohnheiten Beziehungsstatus und finanzielle Situation bestimmen.
Besonders perfide: Viele Apps nutzen „Dark Patterns“ – bewusst verwirrende Benutzeroberflächen, die euch dazu bringen, mehr Berechtigungen zu erteilen als nötig.
Was ihr konkret tun könnt
Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist euch nicht wohl dabei. Am Ende habt ihr aber mehrere Möglichkeiten, hier Abhilfe zu schaffen:
1. App-Audit durchführen
Geht regelmäßig durch eure installierten Apps. Braucht ihr sie wirklich? Löscht konsequent alles, was ihr nicht mindestens einmal pro Monat nutzt.
2. Berechtigungen beschränken
Unter iOS findet ihr unter Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit detaillierte Kontrollen. Bei Android geht es über Einstellungen > Apps > Berechtigungen. Schaltet alles ab, was unlogisch erscheint.
3. Neue iOS/Android-Features nutzen
• App Privacy Reports: iOS zeigt euch detailliert, welche App wann auf welche Daten zugegriffen hat
• Ungefährer Standort: Statt präziser GPS-Daten nur grobe Lokalisierung freigeben
• Einmal-Berechtigungen: Apps müssen bei jedem Start neu um Erlaubnis fragen
• Private DNS: Android bietet verschlüsselte DNS-Anfragen
4. Alternative Apps wählen
Statt WhatsApp nutzt Signal, statt Google Maps probiert OpenStreetMap-basierte Apps wie OsmAnd. Für Social Media gibt es datenschutzfreundliche Alternativen wie Mastodon.
5. Zahlende Alternativen bevorzugen
Kostet eine App Geld, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass eure Daten nicht das eigentliche Produkt sind.
Rechtliche Entwicklungen
Die EU hat mit dem Digital Services Act und dem AI Act nachgelegt. Apps müssen transparenter über Datensammlung informieren und ihr habt stärkere Widerspruchsrechte. Nutzt sie!
Der wichtigste Tipp: Werdet skeptisch bei „kostenlosen“ Apps, die zu schön sind, um wahr zu sein. Meistens zahlt ihr eben doch – nur nicht mit Geld, sondern mit euren wertvollsten digitalen Gütern: euren persönlichen Daten.
Zuletzt aktualisiert am 21.02.2026