Ein Foto hochladen, ein Wort mit Schrägstrich tippen, fertig: Derzeit machen auf TikTok, Instagram und in Foren sogenannte Slash-Befehle für ChatGPT die Runde. /droneview zeigt eure Szene von oben, /proshot macht aus dem Handyfoto ein Profibild, /newbg tauscht den Hintergrund aus. Wir erklären, was dahintersteckt, welche zwölf Befehle sich lohnen und wo die Grenzen liegen.
Was steckt hinter den Slash-Befehlen?
Zuerst die wichtigste Einordnung: Diese Befehle sind keine offizielle Funktion von ChatGPT. OpenAI hat sie nie eingebaut, es gibt keine Liste, keine Dokumentation, keinen Schalter in den Einstellungen. Trotzdem funktionieren sie, und zwar aus einem simplen Grund: ChatGPT ist ein Sprachmodell. Es liest /droneview und schließt aus dem Wort, was gemeint ist – „drone view“, Drohnenansicht, also die Szene aus der Luft. Das Modell übersetzt das Kürzel für sich in eine ausführliche Anweisung an den Bildgenerator.
Die KI denkt dabei nicht, sie rechnet: Das Wort ist statistisch so eng mit Luftaufnahmen verknüpft, dass die Interpretation fast immer trifft. Genau deshalb klappt der Trick auch mit Gemini von Google und anderen Bildgeneratoren, die Text verstehen. Und deshalb dürft ihr die Befehle auch frei erweitern: /droneview bei Sonnenuntergang funktioniert genauso wie /newbg Bergpanorama.
Der Vorteil gegenüber einem ausformulierten Prompt: Ihr spart Tipparbeit und bekommt reproduzierbare Ergebnisse. Wer einmal weiß, was /proshot liefert, kann das auf jedes weitere Foto anwenden.
So geht’s
- ChatGPT öffnen (App oder Browser). Die Bildbearbeitung funktioniert auch im kostenlosen Konto, allerdings mit begrenzter Anzahl an Bildern pro Tag.
- Ein Foto über das Büroklammer-Symbol hochladen.
- In das Textfeld nur den Befehl tippen, etwa
/droneview, und abschicken. - Nach einigen Sekunden erscheint das bearbeitete Bild. Gefällt es nicht, schreibt ihr einfach darunter, was anders sein soll.
Die zwölf besten Befehle
1. /droneview – die Szene aus der Luft. Aus dem Strandfoto wird eine Aufnahme, als wäre eine Drohne über euch geflogen. ChatGPT erfindet dabei die gesamte Umgebung, die im Original nicht zu sehen war. Das Ergebnis ist eine plausible Vermutung, kein echtes Luftbild.
2. /proshot – das Profifoto. Bessere Ausleuchtung, Tiefenschärfe, sauberer Bildaufbau. Aus dem Schnappschuss wird ein Bild, das wie aus einem Fotostudio wirkt. Der beliebteste Befehl für Profilbilder auf LinkedIn oder Xing.
3. /hdreal – schärfen und aufpolieren. Entrauscht, schärft und holt Details heraus. Gut für alte, unscharfe oder verwackelte Aufnahmen. Aber: Die Details rechnet die KI hinzu. Sie rekonstruiert nicht, sie ergänzt.
4. /newbg – neuer Hintergrund. Die Person bleibt, die Kulisse wird getauscht. Mit Zusatz wird es konkret: /newbg Büro, /newbg Strand, /newbg neutral weiß für Bewerbungsfotos.
5. /fog – Nebel. Legt Dunst über die Szene. Klingt nach Spielerei, wirkt aber gerade bei Landschaften, Wäldern und Städten am Morgen erstaunlich stimmungsvoll.
6. /goldenhour – warmes Abendlicht. Taucht das Foto in das weiche, goldene Licht kurz vor Sonnenuntergang, inklusive langer Schatten. Rettet Fotos, die in der harten Mittagssonne entstanden sind.
7. /closeup – näher ran. Zoomt eng auf das Wichtigste im Bild, ein Gesicht, ein Objekt, ein Detail. Praktisch, wenn das Motiv im Original zu klein geraten ist.
8. /together – zwei Fotos, ein Bild. Ladet ihr zwei Fotos hoch, setzt dieser Befehl die Personen in eine gemeinsame Szene. Für Familienfotos, bei denen nie alle gleichzeitig da waren. Funktioniert am besten mit ähnlicher Lichtstimmung auf beiden Vorlagen.
9. /hairstyles – neue Frisuren. Zeigt euch mit verschiedenen Haarschnitten und -farben, meist als Collage. Nützlich vor dem Friseurbesuch, oder einfach zum Lachen am Familientisch.
10. /sunglassestryon – Brille anprobieren. Virtuelle Anprobe für Sonnenbrillen. Die KI setzt euch typische Modelle auf, keine bestimmte Brille aus dem Laden. Eine Kaufentscheidung ersetzt das nicht.
11. /blueprint – der Bauplan. Verwandelt ein Objekt oder Gebäude in eine technische Zeichnung: blauer Hintergrund, weiße Linien, Maßangaben. Sieht beeindruckend aus, die Maße sind allerdings frei erfunden.
12. /chibi – die Comicfigur. Macht aus euch eine kleine Figur im japanischen Comicstil mit großem Kopf, großen Augen und kleinem Körper. Beliebt als Profilbild, Sticker oder Avatar in Messengern.
Befehle kombinieren
Die Kürzel lassen sich verketten. /proshot /goldenhour liefert ein Profibild im Abendlicht, /closeup /hdreal einen scharfen Ausschnitt. Mehr als zwei oder drei Befehle auf einmal solltet ihr aber nicht eingeben: Je mehr Anweisungen, desto eher widersprechen sie sich, und das Modell entscheidet dann selbst, welche es ignoriert.
Ihr könnt auch eigene Kürzel erfinden. /vintagefilm, /polaroid, /noir oder /isometric versteht ChatGPT ebenso, weil die Begriffe in der Fotografie geläufig sind. Wer im Netz nach „ChatGPT Bildbefehle“ sucht, findet mittlerweile Listen mit über hundert solcher Kürzel.
Die Grenzen: Was die KI erfindet
Bei allem Spaß solltet ihr eines nicht vergessen: Alles, was auf dem Originalfoto nicht zu sehen war, denkt sich ChatGPT aus. Die Umgebung bei /droneview, die Details bei /hdreal, die Maße bei /blueprint. Das Modell füllt Lücken mit dem, was statistisch am wahrscheinlichsten ist.
Für Social Media, Grußkarten oder das nächste Profilbild spielt das keine Rolle. Für alles, was als Beleg dienen soll, schon: Beweisfotos, Versicherungsfälle, Dokumentation von Schäden, journalistische Bilder. Ein per /hdreal „geschärftes“ Foto zeigt nicht mehr, was war, sondern was die KI für plausibel hält.
Dazu kommt der Datenschutz. Bevor ihr Fotos hochladet, auf denen andere Menschen zu erkennen sind, fragt sie. Und ladet keine Ausweise, Dokumente oder Kinderfotos hoch. Was einmal bei einem KI-Anbieter liegt, bekommt ihr nicht ohne Weiteres zurück. In den ChatGPT-Einstellungen lässt sich unter „Datenkontrollen“ abschalten, dass eure Eingaben zum Training verwendet werden. Das solltet ihr tun.
Fazit
Die Slash-Befehle sind ein cleverer Trick, kein Feature. Sie zeigen, wie Sprachmodelle arbeiten: Ein knappes Kürzel reicht, und die KI errät, was gemeint ist. Für schnelle Bildvarianten, Profilbilder und kreative Spielereien sind sie ideal. Solange ihr im Hinterkopf behaltet, dass das Ergebnis eine Rechenleistung ist und keine Wahrheit, könnt ihr damit viel Spaß haben.

Bei dem Tempo den Überblick zu behalten, ist die eigentliche Kunst.
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