Wer nachhaltiger leben will, sollte alles auf den Prüfstand stellen – auch den Medienkonsum. So stellt sich zum Beispiel die Frage, ob das Anschauen von Filmen auf DVD/Blu-Ray oder streamen klimafreundlicher ist. Eine Frage, die sich gar nicht so einfach beantworten lässt, wie man auf den ersten Blick meinen könnte.
In Wohnzimmer ein eigenes Regal für die Lieblingsfilme auf DVD? Das hat heute fast niemand mehr. Streaming-Dienste wie Netflix, Amazon Prime, Disney+, Sky oder die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender haben die physischen Medien weitgehend verdrängt. Die Frage der Bequemlichkeit ist geklärt: Streamen ist zweifellos komfortabler.
Aber was ist klimatechnisch nachhaltiger: Streamen – oder eine DVD kaufen? Ganz so einfach, wie das auf den ersten Blick erscheinen mag, ist es nämlich gar nicht. Aktuelle Studien zeigen: Die Antwort hängt von eurem Nutzungsverhalten ab.

Nachhaltigkeit: Es kommt aufs Nutzungsverhalten an
Die Antwort lautet: Kommt drauf an. Wird ein Film auf DVD oder Blu-Ray gepresst und per Post zugestellt, nur einmal angeschaut und dann irgendwann womöglich wieder entsorgt, spricht vieles dafür, dass die Klimabilanz für die physische Disk negativ ausfällt. Der Energieaufwand für Produktion, Verpackung und Zustellung der Disk ist höher als einmaliges Streaming.
Aber einen Film auf DVD schaut ihr euch vielleicht mehrmals an. Da wird die Energiebilanz der DVD schon deutlich besser. Erst recht, wenn ihr die DVD weitergebt, an Freunde oder Familie. Das spart dann enorm viele Streamingdaten ein. Wird eine Film fünf oder zehn Mal auf DVD angeschaut, ist die Klimabilanz besser als beim Streaming. Es sei denn, die DVD wird jedes Mal mit einem Auto über lange Distanzen geholt und gebracht.
Forschungsergebnisse zeigen allerdings: Wer streamt, schaut tendenziell mehr – weil die Inhalte so einfach verfügbar sind. Der sogenannte „Rebound-Effekt“ führt dazu, dass die eingesparte Energie durch höheren Konsum wieder zunichte gemacht wird.
Was zeigt: Es ist komplex. Aber generell gilt: Je öfter ein Film auf physischem Medium angeschaut wird, desto besser für die Klimabilanz.
Streaming verbraucht mehr Energie als gedacht
Vielen ist gar nicht bewusst, dass auch Streamen Energie kostet – und zwar nicht wenig.
Es muss jedem klar sein: Auch Streamen kostet sehr viel Energie und erzeugt eine Menge CO2 – wir sehen es nur nicht, weil das Internet für uns unsichtbar ist. Aktuelle Studien des Umweltbundesamtes und der IEA (International Energy Agency) beziffern den globalen CO2-Ausstoß der Informations- und Kommunikationstechnologie mittlerweile mit etwa 4,2 Prozent der weltweiten Emissionen.
Zum Vergleich: Die zivile Luftfahrt macht nur 2,5% aus. Der Energieverbrauch des Internets wächst kontinuierlich. Denn Video – egal ob auf YouTube, TikTok oder bei Streamingdiensten – verbraucht riesige Datenmengen.
Das gilt besonders für die Filme bei Streamingdiensten in 4K-, 8K-Auflösung oder mit HDR-Technologie, die extrem hohe Datenraten benötigen und somit klimabelastend sind. Video-Streaming hat 2025 laut aktuellen Berechnungen über 400 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent verursacht – mehr als das gesamte Land Deutschland in einem Jahr ausstößt.

Präzisere Messungen durch bessere Daten
Aber kann man das denn wirklich so genau sagen, wie viel Energie jeder einzelne verbraucht beim Streamen?
Die Studien arbeiten heute mit deutlich präziseren Daten als noch vor wenigen Jahren. Streaming-Anbieter wie Netflix, Amazon und Google veröffentlichen mittlerweile regelmäßig ihre Energieverbräuche und Klimabilanzen. Es macht einen enormen Unterschied, ob ein Rechenzentrum noch mit klassischer Energie arbeitet oder mit regenerativen Energien betrieben wird.
Viele große Rechenzentren sind inzwischen zu 100% auf erneuerbare Energien umgestellt – Google, Microsoft und Meta haben hier Vorreiterrollen übernommen. Auch die Effizienz der Übertragungstechnik hat sich massiv verbessert: Moderne Codecs wie AV1 benötigen bei gleicher Bildqualität bis zu 30% weniger Datenvolumen als ältere Standards.
Es kommt auch darauf an, auf welchem Gerät ihr streamt – also übergroßer 75-Zoll-OLED-Fernseher oder kleines Smartphone –, wo die Videos gespeichert sind und wie weit die Daten transportiert werden müssen. Edge-Computing bringt Inhalte näher zu euch und reduziert den Energieverbrauch.
So beeinflusst ihr die Klimabilanz eures Streamings
Jeder hat direkten Einfluss darauf, wie viel Energie beim Streamen verbraucht wird.
Hier die wichtigsten Stellschrauben: Generell gilt – je höher die Bildauflösung des Films, desto mehr Daten müssen transportiert werden. Das kostet Energie und erzeugt CO2. Ihr solltet daher nur die Auflösung verwenden, die auch sinnvoll ist. 4K auf einem Smartphone oder Tablet macht wenig Sinn, verbraucht aber das Vier- bis Fünffache an Daten im Vergleich zu Full-HD.
Auch die Wahl des Endgeräts ist entscheidend: Ein großer OLED-Fernseher verbraucht deutlich mehr Strom als ein Laptop oder Tablet – das gilt aber für DVD und Streaming gleichermaßen. Die Art der Internetverbindung macht ebenfalls einen großen Unterschied: Streaming zu Hause im WLAN per Glasfaser verbraucht deutlich weniger Energie als im 5G-Mobilfunknetz.
Wer unterwegs etwas anschauen, aber Energie sparen will, lädt Filme oder Serien vorher zu Hause per WLAN auf das Gerät und nutzt die Offline-Funktion. Das spart enorm viel Energie und reduziert die Klimabelastung um bis zu 80%.
Zusätzliche Tipps: Schaltet das Autoplay bei Streaming-Diensten aus, reduziert die Bildqualität bei unwichtigen Inhalten und teilt euch Accounts mit der Familie – das reduziert den ökologischen Fußabdruck pro Person erheblich.
Fazit: Bewusster Konsum ist der Schlüssel
Die Klimafrage bei DVD versus Streaming lässt sich nicht pauschal beantworten. Für gelegentliches Schauen einzelner Filme ist Streaming in der Regel klimafreundlicher – vorausgesetzt, ihr achtet auf die Einstellungen. Für Lieblings-Inhalte, die ihr immer wieder anschaut, können physische Medien durchaus sinnvoll sein.
Am wichtigsten ist aber: Bewusster konsumieren. Weniger nebenbei laufen lassen, gezielter auswählen und technische Möglichkeiten zur Energieeinsparung nutzen. So könnt ihr euren digitalen CO2-Fußabdruck deutlich reduzieren, ohne auf Filmgenuss verzichten zu müssen.
Zuletzt aktualisiert am 25.02.2026