WhatsApp ist mit seinen mittlerweile 3 Milliarden Nutzern weltweit der mit Abstand populärste Messenger. Alternativen wie Signal, Threema oder Telegram haben es da nicht leicht, sich gegen das Schwergewicht durchzusetzen. Das gilt nicht nur für uns Privatleute, sondern auch für Behörden – und sogar die hohe Politik, etwa in der EU. Auch hier wird vor allem WhatsApp eingesetzt. Und das wird zunehmend als Sicherheitsrisiko gesehen.
WhatsApp gehört ja zu Meta (ehemals Facebook) und Meta gilt nun wirklich nicht als besonders vertrauenswürdig. Und trotzdem setzen Politiker und Diplomaten WhatsApp ein?
Den Politikern geht es da genau wie uns: Sie haben WhatsApp, sie kennen WhatsApp – und da ist es naheliegend und vor allem super bequem, per WhatsApp zu kommunizieren. Das Argument: WhatsApp ist verschlüsselt. Also werden WhatsApp-Gruppen angelegt, für jedes Ressort, für jedes Thema, für jede Arbeitsgruppe – und fleißig kommuniziert. Weitgehend ohne schlechtes Gewissen. Doch diese Sorglosigkeit hat ernste Konsequenzen.
EU-Kommission setzt verstärkt auf Signal
Nach jahrelangen Diskussionen hat die EU-Kommission endlich konkrete Schritte unternommen: Seit 2025 wird verstärkt auf Signal Messenger gesetzt. Die interne IT-Abteilung hat eine klare Empfehlung ausgesprochen und bereits mehrere Pilotprojekte gestartet. Verschiedene Generaldirektionen nutzen Signal nun für sensible Kommunikation, besonders in den Bereichen Digitalpolitik, Cybersicherheit und Außenbeziehungen.
Es gibt eine lange Liste von Problemen, die Grund für diesen Wandel sind. Nachrichten werden zwar automatisch ziemlich gut verschlüsselt. Doch in den letzten Jahren gab es immer wieder Sicherheitslücken in WhatsApp. Natürlich stürzen sich Hacker am liebsten auf eine Software, die drei Milliarden Menschen nutzen. Also finden sich da auch mehr Sicherheitslecks. 2024 gab es erneut mehrere kritische Schwachstellen, die Angreifern ermöglichten, Geräte zu kompromittieren.

Dann kam 2023 die Verschärfung des Digital Services Act (DSA), der europäische Behörden dazu anhält, besonders sorgfältig bei der Auswahl von Kommunikationstools zu sein. Auch die neuen KI-Funktionen von Meta sorgen für Unbehagen: Seit 2024 trainiert Meta seine KI-Modelle mit Nutzerdaten – ein absolutes No-Go für sensible politische Kommunikation.
Selbst wenn man etwas heute noch nicht knacken kann: Die Quantencomputer entwickeln sich rasant weiter. IBM, Google und andere haben 2025 bedeutende Fortschritte gemacht. Dann lässt sich auf Vorrat gespeicherte Kommunikation möglicherweise doch entschlüsseln. Es gibt also genügend berechtigte Zweifel, dass WhatsApp für Europäer ein verlässlicher Dienst ist – schließlich wird Meta alles tun, was US-Behörden verlangen.
Signal als europäische Wahl
Die EU-Kommission hat 2025 offiziell Signal als bevorzugte Alternative zu WhatsApp eingestuft. Signal sei die sichere Alternative, heißt es in internen Richtlinien. Mittlerweile nutzen bereits über 40% der EU-Kommissionsmitarbeiter Signal für dienstliche Kommunikation.
Noch gibt es keine vollständige Verpflichtung, auf WhatsApp zu verzichten. Aber der Trend ist klar: Für sensible Themen wird Signal zur Pflicht. Verschiedene EU-Institutionen haben eigene Signal-Server aufgesetzt, um maximale Kontrolle über die Daten zu behalten.
Problem: Metadaten und KI-Training
Ein zentrales Problem sind die sogenannten Metadaten. Bei den Metadaten handelt es sich um Angaben über Sender und Empfänger, Zeit und Datum sowie Nachrichtengröße. Aus den Metadaten lässt sich ablesen, wer mit wem kommuniziert. Meta speichert diese Daten und nutzt sie seit 2024 auch für KI-Training.
Signal hingegen hat 2025 sein „Sealed Sender 2.0“ System eingeführt, das noch weniger Metadaten speichert. Der Dienst verschlüsselt nicht nur Nachrichten, sondern auch alle Verbindungsdaten und löscht sie von seinen Servern, sobald die Nachricht zugestellt ist. Zusätzlich gibt es seit 2025 „Anonymous Groups“ – Gruppenchats, bei denen selbst Signal nicht weiß, wer Mitglied ist.
Neue Features machen Signal attraktiver
Signal hat in den letzten zwei Jahren massiv aufgerüstet. 2024 kamen Videokonferenzen für bis zu 100 Teilnehmer dazu, 2025 folgte die Integration von verschlüsselten Dokumenten-Kollaborationstools. Die Bedienung wurde deutlich verbessert – ein wichtiger Punkt, denn viele Politiker scheuten früher den Wechsel wegen der komplizierteren Handhabung.
Besonders interessant: Signal Stories (ähnlich WhatsApp Status) sind vollständig verschlüsselt und verschwinden automatisch. Gerade für politische Kommunikation, wo oft spontane Updates geteilt werden, ist das perfekt.
Finanzierung und Zukunft
Die Finanzierung von Signal steht mittlerweile auf solideren Füßen. Neben der Signal-Stiftung haben 2024 mehrere europäische Regierungen Millionenbeträge gespendet. Deutschland allein steuerte 15 Millionen Euro bei, um die Entwicklung europäischer Sicherheitsfeatures zu fördern.
Die EU prüft zudem, ob sie eine eigene Fork (Abspaltung) von Signal entwickeln lassen soll – ähnlich wie es Frankreich mit seinem „Tchap“ Messenger gemacht hat, der auf Matrix-Protokoll basiert.
Ausblick: Der Wandel hat begonnen
Es ist längst überfällig, dass WhatsApp nicht mehr uneingeschränkt in Diplomatie und Politik eingesetzt wird. Das war eine unkalkulierbare Sicherheitslücke. Der Wandel hin zu Signal ist nicht nur technisch sinnvoll, sondern auch ein wichtiges politisches Signal für digitale Souveränität.
Bis Ende 2026 soll Signal in allen EU-Institutionen Standard werden. Andere Regierungen weltweit beobachten diesen Schritt genau – und viele werden folgen. Signal ist nicht nur die sicherere, sondern mittlerweile auch die praktischere Variante. Jetzt erst recht.
Zuletzt aktualisiert am 02.03.2026

