Digital Services Act zeigt Wirkung: Mehr Kontrolle über Social Media und Online-Shopping

von | 25.08.2023 | Internet

Der Digital Services Act (DSA) zeigt mittlerweile deutliche Wirkung: Die großen Plattformen müssen transparenter werden und Nutzer bekommen mehr Kontrolle. Nach fast zwei Jahren Laufzeit sind die Verbesserungen spürbar – auch wenn noch nicht alle Versprechen eingelöst wurden.

 

Was hat sich durch die DSA-Regeln konkret geändert?

Die Veränderungen sind deutlich spürbar, besonders in Social Media. Instagram, TikTok und YouTube müssen euch seit 2024 detailliert erklären, warum bestimmte Inhalte in eurem Feed landen. Ein Klick auf „Warum sehe ich das?“ verrät jetzt, welche Faktoren den Algorithmus beeinflusst haben.

Noch wichtiger: Ihr könnt diese personalisierten Empfehlungen komplett abschalten. Meta, Google und andere bieten mittlerweile chronologische Feeds ohne algorithmische Manipulation an. Das macht einen enormen Unterschied für die Filterblase.

Werbung basiert nicht mehr auf sensiblen Daten wie politischer Überzeugung oder sexueller Orientierung. Zumindest offiziell – die Durchsetzung läuft noch nicht überall reibungslos. Wenn eure Postings gelöscht werden, müsst ihr eine ausführliche Begründung bekommen. Das Widerspruchsverfahren funktioniert mittlerweile deutlich besser als früher.

Online-Shopping wurde sicherer und transparenter

Beim Online-Shopping haben sich die Regeln drastisch verschärft. Amazon, eBay und andere Marktplätze müssen jetzt glasklare Informationen über die Händler anzeigen. Wer verkauft? Wo sitzt das Unternehmen? Handelsregister-Nummer? Alles muss prominent sichtbar sein.

Das hat das China-Problem zwar nicht völlig gelöst, aber deutlich entschärft. Ihr seht jetzt sofort, wenn ein Produkt aus Fernost kommt und mit Zoll und langen Lieferzeiten zu rechnen ist.

Dark Patterns – diese fiesen Tricks mit irreführenden Buttons oder versteckten Kosten – sind offiziell verboten. Viele Shops haben ihre Designs angepasst. Countdown-Timer für angeblich begrenzte Angebote, vorausgewählte Premium-Optionen oder versteckte Abos sind seltener geworden.

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Wie reagieren die Tech-Giganten?

Die Umsetzung läuft gemischt. Meta hat seine Transparenz-Features konsequent ausgebaut und zeigt sich kooperativ. Google hat nachgezogen, auch wenn manche Änderungen nur oberflächlich wirken. TikTok spielt ebenfalls mit, vermutlich um nicht noch mehr regulatorischen Ärger zu bekommen.

X (ehemals Twitter) bleibt das Sorgenkind. Nach Musks Personalkahlschlag fehlt schlichtweg das Personal für ordentliche Content-Moderation. Die EU-Kommission hat bereits mehrere Verfahren eingeleitet. Bußgelder bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes sind möglich – bei den großen Konzernen sprechen wir von Milliarden.

Amazon und andere Handelsplattformen haben ihre Seller-Verifizierung verschärft. Das dauert länger, aber dafür sind die Informationen verlässlicher. Fake-Shops haben es deutlich schwerer bekommen.

Der AI Act ergänzt den DSA perfekt

Seit 2025 greift zusätzlich der AI Act – und das merkt ihr bei den Empfehlungsalgorithmen. KI-basierte Systeme müssen ihre Funktionsweise offenlegen. YouTube und TikTok haben ihre Empfehlungen weniger aggressiv gemacht, weil extreme Inhalte rechtliche Probleme bereiten können.

Chatbots und KI-generierte Inhalte müssen gekennzeichnet werden. Das funktioniert noch nicht perfekt, aber die Richtung stimmt. Besonders bei politischen Inhalten wird strenger kontrolliert.

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Was funktioniert gut, was nicht?

Die Transparenz-Regeln greifen größtenteils. Ihr bekommt tatsächlich mehr Informationen und Kontrolle über eure Daten. Das Beschwerdemanagement hat sich verbessert – wenn auch langsam.

Problem: Die Durchsetzung hängt stark vom jeweiligen EU-Land ab. Deutschland und Frankreich kontrollieren streng, andere Länder weniger. Manche Unternehmen nutzen das geschickt aus und verlagern ihre EU-Hauptsitze.

Kleinere Plattformen fliegen oft unter dem Radar. Der DSA gilt nur ab 45 Millionen EU-Nutzern – darunter herrscht weiter Wildwest. Und: Viele User kennen ihre neuen Rechte gar nicht und nutzen sie nicht.

Ausblick: Wohin geht die Reise?

Die EU plant bereits weitere Verschärfungen. 2026 sollen auch Plattformen ab 10 Millionen Nutzern unter strengere Regeln fallen. Das träfe dann auch regionale Player und spezialisierte Dienste.

Die großen US-Konzerne haben erkannt: Europa meint es ernst. Statt zu drohen, investieren sie lieber in Compliance-Teams. Der europäische Markt ist zu wertvoll für Trotzreaktionen.

Für euch als Nutzer bedeutet das: Die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Perfekt ist noch lange nicht alles, aber die Machtverhältnisse verschieben sich spürbar zugunsten der Verbraucher. Nutzt eure neuen Rechte – sie wurden hart erkämpft.

 

Zuletzt aktualisiert am 18.02.2026