Mein Versuch, bei Vodafone und Co. schnelles Internet zu bekommen

von | 30.04.2021 | Digital

Schnelles Internet: Davon wird viel gesprochen – aber kann man es bekommen? Viel zu vielen Menschen nein. Privatleute und Betriebe hängen vom Goodwill einiger Provider und Konzerne ab. Meine persönliche Erfahrung: Eingekauftes Tempo wird nicht bereitgestellt – und beworbene Glasfaser soll plötzlich doppelt so viel kosten.

Kennen Sie den? Will ein Selbständiger in Deutschland einen schnellen, aber bezahlbaren Internetanschluss

Keine Pointe. Sachbearbeiter bei Telekom, Vodafone, 1&1 und wie sie alle heißen schmeißen sich bei diesem Gedanken weg vor Lachen. Schnell – und gleichzeitig auch noch ein fairer Preis? Ja wo leben wir denn, etwa in Südkorea?

Kennen Sie den?

Schön wär’s, denn anders als hier haben Länder wie Südkorea, Singapur oder auch Estland echte Glasfaser-Infrastrukturen aufgebaut und bieten Gigabit-Geschwindigkeiten zum Bruchteil deutscher Preise.

Telekom und DSL

Doch bei uns in Deutschland ist lahmes Internet leider keine Seltenheit, sondern traurige Realität. Die Situation hat sich seit 2021 nur marginal verbessert. Laut aktuellen Studien erreichen immer noch nicht mal 80% der Bundesbürger zu Hause die Hälfte des eingekauften Datentempos. Besonders Upload-Geschwindigkeiten bleiben dramatisch hinter den Versprechungen zurück – ein Problem, das in Zeiten von Homeoffice, Cloud-Computing und Videokonferenzen besonders schmerzt.

Das lässt sich nur so auf den Punkt bringen: Ein Armutszeugnis für ein Hochtechnologieland!

Meine Erfahrung mit Vodafone (Kabel): Download spitze – Upload eine Katastrophe. Statt 50 MBit/Sekunde oft nicht mal 5 MBit/Sekunde. Seit Monaten keine Besserung.

Internet in Deutschland: Teuer, aber langsam

Das ist umso empörender, wenn man bedenkt, dass Internetanschlüsse in Deutschland nach wie vor teurer sind als in den meisten anderen Ländern Europas. Das gilt nicht nur für private Anschlüsse, sondern besonders für gewerbliche Kunden, die oft astronomische Summen für Business-Tarife zahlen müssen.

Die Ampel-Koalition hatte großspurig angekündigt, bis 2030 flächendeckend Glasfaser zu verlegen. Von diesem Ziel sind wir Stand 2026 noch meilenweit entfernt. Statt konkreter Investitionen gab es hauptsächlich Ankündigungen und Absichtserklärungen.

Das sogenannte „Recht auf schnelles Internet“ entpuppte sich als Mogelpackung. Die definierten Mindestbandbreiten von 10 MBit/s im Download sind für heutige Anforderungen völlig unzureichend. Wenn mehrere Personen gleichzeitig streamen, in der Cloud arbeiten oder Videokonferenzen führen, bricht das Netz zusammen.

Immerhin: Die Kündigungsfristen für Internetverträge wurden verkürzt. Nach Ablauf der Mindestlaufzeit können Kunden monatlich kündigen – was zumindest etwas Druck auf die Provider ausübt.

Glasfaser

Glasfaser: Deutschland hängt weiter hinterher

Es gibt nur eine Wunderwaffe gegen lahmes Internet: Glasfaser bis ins Haus (FTTH). Aber da ist Deutschland immer noch grottenschlecht aufgestellt. Während Länder wie Spanien oder die Niederlande Glasfaser-Abdeckungsraten von über 80% erreichen, dümpelt Deutschland bei knapp 25% herum.

Die Versäumnisse der Vergangenheit wirken bis heute nach. Es war CDU-Kanzler Helmut Kohl, der den Glasfaserausbau zugunsten des Kabelfernsehens stoppte – ein historischer Fehler, dessen Folgen wir bis heute spüren. Seine Nachfolger haben diesen Fehler nicht korrigiert, sondern weiter auf Kupfer und „Vectoring“ gesetzt – Technologien, die längst am Ende ihrer Leistungsfähigkeit angekommen sind.

Man muss es so deutlich sagen: Der Breitbandausbau wurde in Deutschland nicht verschlafen – er wurde systematisch falsch priorisiert. Das schadet der Wirtschaft, dem Standort Deutschland und macht uns im internationalen Wettbewerb schwach.

Die letzte Meile: Das ewige Problem

Ich kann selbst ein Lied davon singen. Mein Kabelanschluss von Vodafone bringt regelmäßig nur 10% der versprochenen Upload-Geschwindigkeit. Techniker kommen, messen, nicken verständnisvoll – ändern tut sich nichts. Die Gebühren werden trotzdem vollumfänglich berechnet.

Glasfaser? Fehlanzeige, zumindest zu vernünftigen Preisen. Die wenigen verfügbaren Business-Tarife kosten schnell 500-800 Euro monatlich – für Geschwindigkeiten, die anderswo zum Standard gehören.

Provider-Chaos: Versprechen hier, Nachforderungen da

Meine Erfahrung mit verschiedenen Anbietern zeigt ein wiederkehrendes Muster: Erst wird mit günstigen Preisen und schneller Verfügbarkeit gelockt. Dann, nach Vertragsabschluss, kommen die bösen Überraschungen.

Bei einem großen Provider sollte die Glasfaser-Installation eigentlich 450 Euro monatlich kosten. Nach Wochen des Wartens kam dann die Nachricht: Unvorhergesehene Baukosten, der Preis verdoppelt sich mal eben auf 800 Euro monatlich. Dringend notwendige Infrastruktur-Investitionen werden einfach auf die Kundschaft abgewälzt – so funktioniert Digitalisierung in Deutschland 2026.

Neue Technologien, alte Probleme

Auch der 5G-Ausbau, der als Heilsbringer angepriesen wurde, entpuppt sich als Enttäuschung. Zwar gibt es mittlerweile mehr 5G-Masten, aber echte Standalone-5G-Netze sind rar. Die meisten „5G“-Verbindungen laufen noch über das alte 4G-Kernnetz und bieten kaum Vorteile.

Satelliten-Internet von Starlink & Co. könnte eine Alternative sein, ist aber für die meisten Anwendungen noch zu teuer und latenzreich. Für Videokonferenzen oder Cloud-Gaming ungeeignet.

Politik versagt weiterhin

Die Bundesregierung redet viel von „Digitalisierung“ und „Zukunftstechnologien“, aber bei der Basis-Infrastruktur herrscht weiter Stillstand. Während andere Länder in KI, autonomes Fahren und Smart Cities investieren, kämpfen deutsche Unternehmen noch mit Fax-Geräten und 16-MBit-DSL.

Wie armselig die Ausstattung vieler Schulen und Behörden immer noch ist, zeigt sich täglich. Digitale Verwaltung? In Deutschland oft noch ein frommer Wunsch.

Chinese, asiatische und selbst viele osteuropäische Länder ziehen an uns vorbei. Sie entwickeln schneller, haben bessere Netzwerke, smartere Anwendungen – und sind einfach vorn, wo wir mal waren.

Übrigens: Wie schnell das eigene Internet wirklich ist, lässt sich mit der Breitbandmessung der Bundesnetzagentur ermitteln – das Ergebnis fließt in die offizielle Statistik ein und dokumentiert das deutsche Internet-Desaster.

Zuletzt aktualisiert am 25.02.2026