OpenAI baut jetzt Hardware – und holt sich dafür den iPhone-Designer

von | 02.01.2026 | Hardware, KI

Mal ehrlich: Wenn du an OpenAI denkst, denkst du an ChatGPT. An Texte, die sich fast wie von Menschen geschrieben anfühlen. An Code, den eine KI für dich schreibt. Aber an Hardware? An ein Gerät, das du in der Hand halten kannst? Wohl kaum.

Genau das ändert sich gerade – und zwar ziemlich radikal.

Der 6,5-Milliarden-Dollar-Deal, von dem kaum jemand spricht

OpenAI hat im vergangenen Jahr einen der spektakulärsten Deals der Tech-Geschichte abgeschlossen: Für 6,5 Milliarden Dollar hat das Unternehmen das Startup io Products übernommen. Das allein wäre schon bemerkenswert. Richtig spannend wird es aber, wenn man sich anschaut, wer hinter io Products steckt: Jony Ive.

Der Name sagt dir vielleicht nicht sofort etwas. Aber seine Arbeit kennst du garantiert. Ive war über 30 Jahre lang Chefdesigner bei Apple. Er hat den iMac entworfen, den iPod, das iPhone. All diese Geräte, die nicht nur technisch überzeugten, sondern auch verdammt gut aussahen – das war sein Werk.

Und jetzt arbeitet er für OpenAI an einem völlig neuen Gerät.

OpenAI Labs und Roboter arbeiten an Hardware-Projekt.
OpenAI hat den früheren Apple-Designer John Ive beauftragt, Hardware zu designen

Die Audio-Revolution nimmt Fahrt auf

Aktuellen Berichten zufolge hat OpenAI in den vergangenen zwei Monaten intern massiv umstrukturiert. Engineering-, Produkt- und Forschungsteams wurden zusammengelegt, um an einer neuen Generation von Audio-Modellen zu arbeiten. Das Ziel: Ein persönliches KI-Gerät, das komplett auf Audio setzt.

Was heißt das konkret? Das geplante Gerät soll ohne Bildschirm auskommen. Stattdessen sprichst du mit deiner KI – und sie antwortet dir. Wie ein echter Gesprächspartner, der immer verfügbar ist.

Klingt nach Science-Fiction? Die technischen Grundlagen werden gerade gelegt. OpenAI arbeitet an einem neuen Audio-Modell, das Anfang 2026 erscheinen soll. Es klingt natürlicher als alles, was wir bisher von Sprachassistenten kennen. Es kann Unterbrechungen besser handhaben – wie ein echter Mensch im Gespräch. Und hier kommt der Clou: Es kann sogar weitersprechen, während du selbst redest.

Das mag nach einer Kleinigkeit klingen, ist aber technisch revolutionär. Aktuell unterbrechen alle Sprachmodelle sofort, sobald du etwas sagst. Ein echtes Gespräch fühlt sich anders an.

Warum andere gescheitert sind

Jetzt denkst du vielleicht: Moment mal, hatten wir das nicht schon? Der Humane AI Pin, der Rabbit R1 – beide sollten die Smartphone-Ära beenden. Beide sind spektakulär gescheitert.

Der Humane AI Pin kostete stolze 699 Dollar, überhitzte regelmäßig und konnte am Ende weniger als jedes durchschnittliche Smartphone. Die Rücksendungen überstiegen irgendwann die Verkäufe. Inzwischen ist das Gerät komplett eingestellt, die Server wurden abgeschaltet. Wer den Pin noch besitzt, hält ein teures Stück Elektroschrott in den Händen.

Beim Rabbit R1 sieht es nicht viel besser aus. Nur noch rund 5.000 Nutzer verwenden das Gerät täglich. Die versprochene revolutionäre KI entpuppte sich als bessere App, die man genauso gut auf dem Smartphone hätte installieren können.

Jony Ive selbst nannte diese Versuche übrigens „sehr schwache Produkte“. Es habe bisher keine neuen Denkansätze gegeben, die sich wirklich in Produkten ausgedrückt hätten.

Präsentation eines neuen Geräts von OpenAI
OpenAI will künftig auch Hardware anbieten – mit KI inside

Was OpenAI anders machen will

Der Unterschied zu den gescheiterten Vorgängern? OpenAI bringt drei entscheidende Vorteile mit.

Erstens: Die KI-Kompetenz. Während Humane und Rabbit auf externe Modelle angewiesen waren, entwickelt OpenAI seine eigenen. Die Audio-Modelle werden von Grund auf für das neue Gerät optimiert.

Zweitens: Das Design-Genie. Jony Ive hat bewiesen, dass er Geräte entwerfen kann, die Menschen tatsächlich benutzen wollen. Nicht weil sie müssen, sondern weil sie sich gut anfühlen.

Drittens: Die finanzielle Feuerkraft. 6,5 Milliarden Dollar für ein Startup ohne fertiges Produkt – das zeigt, wie ernst OpenAI das Projekt nimmt.

Intern arbeitet das Team übrigens unter dem Codenamen „Gumdrop“. Neben dem Audio-Gerät sollen laut Berichten auch eine smarte Brille und möglicherweise sogar ein Stift in Entwicklung sein. Ein ganzes Ökosystem aus KI-Geräten also.

Die große Frage: Brauchen wir das überhaupt?

Hier wird es interessant. Denn eigentlich haben wir ja alle schon ein mächtiges KI-Gerät in der Tasche – unser Smartphone. ChatGPT läuft darauf, Gemini, Claude, alle großen Sprachmodelle.

Ive und Altman argumentieren anders. In einem gemeinsamen Video sprechen sie davon, das Computing grundlegend neu zu denken. Ive betont, er wolle ein Gerät entwickeln, das „weniger nervig“ sei als das iPhone. Weniger Ablenkung, weniger Bildschirmzeit, weniger digitale Überforderung.

Die Vision: Ein KI-Begleiter, der einfach da ist. Mit dem du sprichst wie mit einem Freund. Der dir hilft, ohne dass du ständig auf einen Bildschirm starren musst.

Der Trend geht weg vom Bildschirm

OpenAI ist übrigens nicht allein mit dieser Vision. Die gesamte Tech-Branche scheint gerade einen Wandel durchzumachen. Meta hat seine Ray-Ban Smart Glasses mit einem Fünf-Mikrofon-Array ausgestattet, das Gespräche in lauten Umgebungen filtert. Google experimentiert mit Audio Overviews, die Suchergebnisse in Gesprächszusammenfassungen verwandeln. Tesla integriert den KI-Chatbot Grok in seine Fahrzeuge.

Der Bildschirm, so scheint der Konsens, hat ausgedient – zumindest als primäre Schnittstelle zur KI.

Wann kommt das Gerät?

Nach aktuellen Berichten ist der Launch etwa ein Jahr entfernt, also irgendwann 2027. Das verbesserte Audio-Modell soll schon Anfang 2026 erscheinen – als Vorbereitung auf die Hardware.

Ob OpenAI gelingt, woran Humane und Rabbit gescheitert sind? Das wird sich zeigen. Die Voraussetzungen sind jedenfalls besser als bei allen bisherigen Versuchen.

Eines ist aber schon jetzt klar: Die Zeiten, in denen OpenAI nur eine Software-Firma war, sind vorbei. Der Kampf um die Zukunft der KI wird nicht nur im Rechenzentrum entschieden – sondern auch in unseren Hosentaschen. Oder, wenn es nach Ive geht, ganz ohne Hosentasche.