Ja: Filme über Streiche sind auch bei „Verstehen Sie Spaß?“ oft alles andere als witzig. Aber was auf YouTube, Instagram, TikTok und Co. als Streich (englisch: Prank) durchgehen soll, ist teilweise erschreckend. Auf die Opfer der teilweise schrecklichen Inszenierungen wird keine Rücksicht genommen – und dann tauchen sie auch noch in Videos auf. Prank Videos sind ein unappetitlicher Trend, der durch KI-Tools und Deep Fakes sogar noch gefährlicher wird.
Was würden wir wohl tun, wenn plötzlich zwei junge Männer Anfang 20 wie aus dem Nichts auftauchen und mit langen Fleischermessern bewaffnet auf uns zukommen? Panische Angst wäre eine mehr als natürliche Reaktion. Und wer bei Verstand ist und keinen Fluchtweg entdeckt, macht sich bereit zum Widerstand.
Eine typische „Fight-or-Flight“-Situation: Flüchten oder Kämpfen. Unser Gehirn ist darauf programmiert.
Youtuber erschossen – weil er Menschen zu Tode erschreckt
In den USA hatte das schlimme Folgen: Ein junger Mann hat einen 20-Jährigen erschossen. Einen mit Fleischermesser in der Hand. Der meinte nämlich, es sei eine witzige Idee, gemeinsam mit einem Freund – ebenfalls mit einem Fleischermesser ausgerüstet – eine Gruppe junger Menschen zu „überraschen“ und zu erschrecken – um das Ganze auf Video festzuhalten.
Weil man das halt so macht – auf YouTube und Co. „Prank“-Videos werden solche vollkommen kranken Inszenierungen verharmlosend genannt. „Prank“ = Streich.
Jetzt ist der Youtuber tot. Weil in den USA nun mal viele Menschen Waffen tragen – und sich einer aus der angegriffenen Gruppe gewehrt hat. Wer will es einem Opfer eines derartigen Prank-Unsinns verdenken, dass es sich wehrt. Notwehr. Oder – weil keine tatsächliche Bedrohung bestand, diese aber nach vernünftigem Ermessen angenommen werden konnte und musste – Putativ-Notwehr.
Der Youtuber tot. Der junge Mann, der sich wehren musste, vermutlich traumatisiert. Ein toller Spaß, oder?
Prank-Kultur wird durch KI noch gefährlicher
Und das alles nur, weil es ein Youtuber unterhaltsam findet, Menschen grausame Streiche zu spielen. Mittlerweile ist die Situation noch komplizierter geworden: Mit KI-Tools können Prankster heute täuschend echte gefälschte Situationen erschaffen, Stimmen klonen oder Deep Fakes erstellen. Das macht es für Opfer noch schwerer zu erkennen, was echt ist und was nicht.
Auf YouTube, Instagram, TikTok und Co. verbreitet sich der Trend seit Jahren. Damit die Videos auch geliked, geklickt, geteilt werden, am besten immer eine Nummer härter als im Video davor. Creator verdienen damit sogar Geld – die Plattformen natürlich sowieso. Abartig.
2024 und 2025 haben wir eine weitere Eskalation erlebt: Prank-Videos mit angeblichen „Ghost Kitchens“, gefälschten Notfallmeldungen oder manipulierten Live-Streams. Die Grenzen zwischen Realität und Inszenierung verschwimmen komplett.
Psychische Folgen werden völlig ignoriert
Ich bin ganz ehrlich: Ich habe dafür nicht das geringste Verständnis. Empathielos, brutal, verrückt. Selbst gemeinhin als „harmlos“ geltende Videos sind furchtbar. Was ist zum Beispiel lustig daran, Kleinkinder zu erschrecken, indem man sich in ein Gorilla-Kostüm begibt und sie traumatisiert? Die Kinder erleben einen Schockmoment – und dann werden die kleinen, bedauernswerten Opfer auch noch öffentlich bloß gestellt.
Psychologen warnen schon lange vor den Folgen. Studien aus 2025 zeigen: Menschen, die ungewollt Opfer von Prank-Videos wurden, leiden häufig unter Angststörungen, Vertrauensverlust und sozialen Phobien. Besonders Kinder sind betroffen – ihre Entwicklung kann nachhaltig gestört werden.
Es gibt kein harmlos – jeder Schrecken hat Folgen
Und wofür? Für Aufmerksamkeit. Schadenfreude. Fame. Für Geld.
YouTube hat seine Richtlinien 2024 verschärft – aber nur oberflächlich. Offiziell sind „Streiche, bei denen die Opfer glauben, sie seien in ernsthafter Gefahr“ verboten. Als Beispiel führt das Portal fingierte Einbrüche oder Schießereien an. Aber auch ein Mensch, der in eine Dose greift und dem eine Vogelspinne entgegenspringt oder ein zweijähriges Kind, das plötzlich von einem Plüschbären in Lebensgröße „angegriffen“ wird, fühlt sich in Lebensgefahr. Solche Videos sind aber weiterhin erlaubt und entsprechend zu sehen.
TikTok und Instagram verfolgen ähnlich halbherzige Strategien. Während offensichtlich gefährliche Inhalte entfernt werden, bleiben Millionen von Videos online, die Menschen demütigen, erschrecken oder psychisch schädigen.
Rechtliche Konsequenzen nehmen zu
Immerhin: Die Rechtslage entwickelt sich. In Deutschland können Prank-Opfer mittlerweile erfolgreich auf Schmerzensgeld klagen. 2025 gab es mehrere Präzedenzfälle, bei denen Gerichte hohe Entschädigungen zugesprochen haben. Auch das Recht am eigenen Bild wird konsequenter durchgesetzt.
In den USA diskutiert der Kongress sogar ein „Anti-Prank-Gesetz“, das besonders gefährliche Streiche unter Strafe stellen würde. Einige Bundesstaaten haben bereits entsprechende Regelungen eingeführt.
Die Beispiele zeigen: Harmlos gibt es nicht. Zum einen, weil Angst immer traumatisierend sein kann – erst recht, wenn diese Situation nicht selbst gewählt wurde (etwa, indem man ins Kino geht). Zum anderen, weil es genügend Verrückte in dieser Welt gibt, die meinen, in diesen überdrehten Medien alles toppen zu müssen.
Was können wir dagegen tun?
Als Zuschauer haben wir Macht: Prank-Videos nicht anschauen, nicht liken, nicht teilen. Stattdessen melden – bei den Plattformen und notfalls bei der Polizei. Content Creator, die auf Kosten anderer „Unterhaltung“ produzieren, dürfen nicht belohnt werden.
Eltern sollten ihre Kinder über die Gefahren aufklären und erklären, dass niemand das Recht hat, sie zu erschrecken oder zu demütigen – auch nicht für ein Video.
Prank ist nicht lustig. Prank ist krank. Und in einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz die Grenzen zwischen Realität und Fake immer mehr verwischt, wird diese Form der „Unterhaltung“ zur echten Gefahr für unsere Gesellschaft.
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Zuletzt aktualisiert am 26.02.2026