Vom Fabrikarbeiter zum 900-Millionen-Dollar-Deal: Khaby Lame verkauft sich selbst – und sein digitales Ich

von | 27.01.2026 | Social Networks

Der weltweit meistgefolgte TikToker kassiert für seine Firma 900 Millionen Dollar. Das Revolutionäre am Deal: Nicht seine Videos sind das große Geld wert, sondern die Rechte an seinem Avatar. Ein KI-Zwilling soll künftig rund um die Uhr für ihn arbeiten.

Kennt ihr Khaby Lame? Falls nicht, habt ihr vermutlich trotzdem schon mal seine Videos gesehen. Der 25-jährige Senegalese mit italienischem Pass ist mit über 160 Millionen TikTok-Followern der meistgefolgte Creator der Plattform. Seine Spezialität: Er reagiert schweigend auf überkomplizierte Lifehacks und zeigt dann mit theatralischer Geste die simple Lösung. Kein Wort, keine Sprache nötig – universell verständlicher Humor, der weltweit funktioniert.

Jetzt hat Lame einen bemerkenswerten Deal abgeschlossen, der die Creator-Economy komplett neu definiert (und so manchen Influencer da draussen neidisch machen dürfte).

Am 23. Januar 2026 verkaufte er seine Firma Step Distinctive Limited an das US-Unternehmen Rich Sparkle Holdings – für geschätzte 900 bis 975 Millionen Dollar. Das Besondere: Lame wird gleichzeitig Mehrheitsaktionär von Rich Sparkle. Er verkauft sich nicht einfach, er besitzt die Infrastruktur, die ihn vermarktet.

Verschiedene Personen in kreativen Umgebungen.

Der Avatar ist das Geschäft

Was macht diesen Deal so außergewöhnlich? Es geht nicht primär um Werbeverträge oder Sponsoring-Deals. Im Zentrum steht etwas viel Fundamentaleres: die Rechte an Khaby Lames digitalem Zwilling, einem hyperrealistischen KI-Avatar.

Dieser „Digital Twin“ übernimmt Lames Gesichtszüge, seine Stimme und seinen charakteristischen Humor. Marken können damit Werbekampagnen in verschiedenen Ländern parallel fahren, mehrsprachige Inhalte erstellen und virtuelle Livestreams produzieren – alles ohne dass Lame physisch anwesend sein muss.

Das löst das größte Problem der Influencer-Branche: Zeit, geografische Grenzen und menschliche Verfügbarkeit. Während traditionelle Creator von Kampagne zu Kampagne hetzen, baut Lame ein System, das ohne seine physische Präsenz funktioniert und industriell skaliert. Sein Team muss die KI-generierten Clips nur noch genehmigen.

Von der Pandemie-Arbeitslosigkeit zum Milliardär

Die Geschichte dahinter ist fast schon zu perfekt für ein Hollywood-Drehbuch: 2020 verliert Lame seinen Job in einer italienischen Fabrik wegen Corona. Frustriert zieht er zu seinen Eltern und fängt an, TikTok-Videos zu produzieren. Seine wortlosen Reaktionen auf sinnlose Lifehacks treffen den Nerv der Zeit – gerade weil sie ohne Sprache auskommen und dadurch überall auf der Welt verstanden werden.

Innerhalb weniger Jahre wird er zum größten TikToker der Welt. Mit 360 Millionen Followern über alle Plattformen hinweg übertrifft er selbst etablierte Weltstars. Und jetzt kassiert er dafür nicht nur ein paar Werbedeals, sondern verkauft seine gesamte Marke – inklusive digitaler Identität – für eine Dreiviertelmilliarde Dollar.

Person hält ein Smartphone mit TikTok-Video

Die neue Ökonomie der digitalen Identität

Rich Sparkle Holdings erhält durch den Deal exklusive Vermarktungsrechte an Lames Marke für zunächst 36 Monate. Das umfasst Brand-Partnerschaften, Produktendorsements und E-Commerce-Ventures – praktisch alle kommerziellen Aktivitäten, die mit seiner Persona verbunden sind.

Zusätzlich steigt das chinesische Unternehmen Anhui Xiaoheiyang Network Technology als Partner ein, ein Spezialist für Livestream-Shopping mit angeblich 400 Millionen Fans im eigenen Netzwerk. Die Kombination aus Lames globaler Reichweite und der chinesischen E-Commerce-Maschinerie soll laut Rich Sparkle „verändern, wie weltweit über Social Media verkauft wird“.

Die Strategie ist klar: Lame bringt die Aufmerksamkeit, die Partner bringen die Verkaufsinfrastruktur. Mit dem KI-Avatar können sie seine Marke 24/7 monetarisieren, während Lame selbst neue Projekte verfolgt oder einfach schläft.

Das Ende der persönlichen Creator-Marke?

Was bedeutet das für die Creator-Economy? Khaby Lames Deal zeigt eine brutale Wahrheit: Follower-Zahlen sind wertlos ohne die richtige Monetarisierungsinfrastruktur. 360 Millionen Follower bringen nur dann das große Geld, wenn man sie systematisch ausbeuten kann.

Der KI-Zwilling ist die logische Konsequenz dieser Erkenntnis. Warum selbst arbeiten, wenn ein Avatar das übernimmt? Warum auf Zeit und Ort beschränkt sein, wenn man sich digital klonen kann?

Lames Deal entlarvt damit auch die Illusion der „authentischen Creator-Marke“. Er verkauft seine Authentizität an eine KI und wird dadurch Milliardär. Das ist Content-Strategie 2026: Die Person wird zur skalierbaren Plattform, der Mensch zum lizenzierbaren Produkt.

Die Risiken bleiben real

Natürlich birgt diese Strategie auch Gefahren. Was passiert, wenn die KI-Version flopped? Wenn Marken merken, dass der digitale Lame nicht die gleiche Wirkung erzielt wie das Original? Wenn sein Humor nicht mehr funktioniert, weil er nicht mehr authentisch wirkt?

Lame hat sich dagegen abgesichert, indem er kreative Kontrolle und einen Mehrheitsanteil behält. Er verkauft sich nicht komplett, sondern baut eine Struktur, in der er die Macht behält. Das unterscheidet seinen Deal von klassischen Influencer-Verträgen.

Ein Vorbild für andere Creator?

Branchenexperten sehen in dem Deal einen Wendepunkt. „Das ist nicht nur ein großer Zahltag für Khaby“, analysiert Digital-Commerce-Expertin Zara Lin. „Es ist der Beweis, dass Top-Creator jetzt Unternehmensbewertungen und Governance-Rechte auf Enterprise-Level befehligen können – eine Machtverschiebung von Plattformen und Agenturen hin zu den Talenten selbst.“

Ob andere Creator diesem Modell folgen können? Vermutlich nur die absolute Elite. Wer 360 Millionen Follower hat und eine Marke aufgebaut hat, die ohne Sprache funktioniert, spielt in einer anderen Liga. Für die meisten Creator bleibt der klassische Weg: Brand-Deals, Sponsorings, Merchandise.

Aber Lames Deal zeigt, wohin die Reise gehen könnte: Weg vom persönlichen Engagement, hin zur industrialisierten Vermarktung digitaler Identitäten. Der Mensch wird optional, der Avatar übernimmt.

Willkommen in der Creator-Economy 2.0 – wo nicht mehr die Person, sondern ihr digitaler Zwilling das eigentliche Asset ist.