Apple und Google haben sich vor einigen Wochen gemeinsam verpflichtet, eine Schnittstelle für den diskreten Datenaustausch per Bluetooth Low Energy in die mobilen Betriebssysteme einzubauen. Ein wichtiger Bestandtteil für Corona-Warn-Apps wie die der Bundesregierung. Jetzt haben die beiden US-Konzerne die Schnittstelle fertig – und in ihre mobilen Betriebssysteme eingebaut.

Damit die Corona Warn App der Bundesregierung funktionieren kann (wie viele andere Warn-Apps in Europa auch), müssen Apple und Google eine neue “Schnittstelle” (Fachbegriff für: Erweiterung, die auch von Apps genutzt werden kann) vorsehen. Die beiden US-Konzerne haben diese Aufgabe jetzt zeitgkeich erledigt. Mittwoch abend (21.05.20) hat Apple iOS 13.5 und iPad iOS 13.5 zum Download freigegeben. Auch Google hat eine neue Version ausgerollt.

Man könnte diese Aktualisierung auch Corona-Update taufen, denn die Neuerungen stehen im Zeichen der Pandemie. Im Zentrum steht die gemeinsam entwickelte Schnittstelle, die für die Corona Warn App der Bundesregierung wichtig ist.

Nur ausgewählte Apps können die Funktion nutzen

Die “Exposure Notification API” erlaubt es ausgewählten Apps, auf Mobilgeräten auch im Hintergrundbetrieb unbemerkt und energiesparsam per Bluetooth IDs auszutauschen. Die Nutzer müssen diese Funktion allerdings ausdrücklich im Gerät aktivieren. Eine Deaktivierung ist jederzeit möglich.

Nur ausgewählte, von Apple manuell freigegebene Apps von Gesundheitsbehörden in aller Welt haben Zugriff auf diese Funktion, betont Apple-Chef Tim Cook in einem Tweet. Warn-Apps aus 22 Ländern. Nur eine App pro Land. Das ist sehr wichtig zu wissen, denn anderenfalls hätten sich blitzschnell auch andere Apps diese Funktion “geschnappt”. Zum Beispiel Partnerschafts-Apps, Kontakt-Apps wie Tinder oder ganz sicher auch die Werbeindustrie. Durch diese Sicherheitsmaßnahme bleibt die sinnvolle Funktion nur den Warn-Apps vorbehalten.

Bald kommt noch eine eigene Plattform von Apple und Google

Die eigentliche Datenverarbeitung der Kontakte und auch die Warnung, wenn ein möglichner Kontakt mit einer infizierten Person vorgelegen haben könnte, erledigt nicht Apple (iOS) oder Google (Android), sondern die jeweilige Warn-App. Noch, denn Apple und Google wollen in einigen Wochen eine gemeinsame Plattform vorstellen, dann reicht ein einfaches Opt-In im Smartphone, um die Kontaktverfolgung zu ermöglichen. Auch ohne eine Warn-App installiert haben zu müssen.

Es gibt noch eine weitere Corona-spezifische Neuerung in iOS 13.5: Wenn Nutzer/innen Maske tragen, funktioniert die Gesichtserkennung nicht mehr. Es entfallen zu viele wichtige Punkte im Gesicht. Erkennt das Betriebssystem das Tragen einer Maske, erscheint nun schneller das Eingabefeld für die PIN.

Maske tragen und Gesichtserkennung

Die Wartezeit wird verkürzt. Eine Kleinigkeit, aber wer nun plötzlich 20x am Tag die PIN eingeben muss, spart so einiges an Zeit. Auch bei Bezahlvorgängen, im App-Store – überhaupt immer, wenn die Gesichtserkennung zur Authentifizierung zum Einsatz kommt.

Eine Standortverfolgung (Tracking) ist mit der neuen Schnittstelle nicht möglich. Außerdem haben beide Unternehmen darauf geachtet, dass die Nutzung der Kontaktermittlung mit Bluetooth im Hintergrund so wenig Energie wie möglich verbraucht – also akkuschonend erfolgt.